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Musik

29. Januar 2016

Mitsuko Uchida in der Alten Oper: Reise ins Innere von Mozarts Musik

 Von Bernhard Uske
Mitsuko Uchida leitet das Mahler Chamber Orchestra beim ersten ihrer drei „Fokus“-Konzerte in Frankfurt.  Foto: Achim Reissner/Alte Oper Frankfurt

Die Alte Oper Frankfurt stellt die japanische Pianistin Mitsuko Uchida ins Zentrum einer kleinen Reihe.

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Mit erhobenen Händen rechts und links an den Schläfen das Gesicht rahmend, so schaut momentan in der Stadt Mitsuko Uchida von den Plakaten der Alten Oper Frankfurt, mit denen für den „Fokus“ auf die japanische Pianistin geworben wird. Das Bild ist die fotografische Nachstellung einer der Figuren aus Ernst Barlachs „Fries der Lauschenden“. Es kündigt an, wohin die Reise bei den Auftritten der 68-Jährigen gehen soll: nach innen im Modus der Versenkung und des Empfangens.

Eine spezielle Aura umgibt die Künstlerin auch realiter, wenn sie mit einem wehenden Umhang aus gaze-artigem Stoff auftritt und dabei etwas Fluides, Schwebendes vermittelt. Die seit Elly Neys Tod schon so lange vakante Position einer übersensiblen, mit mystagogischer Kraft im Einklang befindlichen Pianistin könnte von ihr bekleidet werden. Mittels jenes feinen Fadens, der sich ins besonders Introvertierte hinein webt. Jetzt eben nicht mehr deutsch-irden sondern irgendwie fernöstlich-luftig. Uchidas zentrale Bezugsfigur, gewissermaßen ihr eigener Fokus, ist dabei fast immer Wolfgang Amadeus Mozart; und das auch jetzt wieder bei den drei Frankfurter Konzerten.

Ein reines Mozart-Programm bot der erste Abend im Großen Saal, wo die Pianistin gemeinsam mit dem Mahler Chamber Orchestra auftrat. Die beiden Klavierkonzerte in G-Dur KV 453 und in C-Dur KV 503 wurden gespielt, wobei die Solistin vom Flügel aus das Tutti leitete. Fast war es zu erwarten und sicherlich auch von vielen Zuhörern erhofft: der übersensible Ton aus Dezenz und geringster Anspielung, mit Politesse und nur punktuell artistischen Ausreißern, die rein modulatorischer Art waren. Ein Mozart in seinen Konzerten: ohne Geruch, ohne Parfüm und Beize – nur luftig und schwebend. Kein Überschlagen, kein Testosteron, kein Cholesterin, kein Witz, keine Zweideutigkeit. Alles auf feinster Garstufe gehalten: filtrierte Kunst, wie Albert Einstein das nannte, und darin sicher etwas Mozart Treffendes erfassend.

Zwischen den beiden Klavier-Konzerten hatte das Mahler Chamber Orchestra einen eigenen, gewissermaßen solistischen Auftritt, bei dem es ohne dirigentische Leitung das „Divertimento B-Dur KV 137“ des Salzburger Meisters in großer Streicherbesetzung aufführte. Meisterhaft bewältigten das die jetzt im Stehen Musizierenden, die aber doch einen zu blassen Eindruck vom Gestaltungsprofil des gerade einmal 15-jährigen Komponisten hinterließen.

Schumann in körnigem Ton

Kurz war Uchidas Auftritt am zweiten Abend, der wieder viel Mozart brachte, die Fokus-Künstlerin selber aber als Schumann-Interpretin vorstellte. Im Verein mit Jörg Widmann spielte sie die drei „Fantasiestücke für Klavier und Klarinette“: gewichtige, jungdeutsche Romantik. Sie wurde von Uchida mit körnigem Ton präsentiert und mit weniger Schwung als etwa Martha Argerich das tut, dabei in perfekter Korrespondenz mit den herrlichen Bögen, die Widmann vortrug. Widmann war das Zentrum von Mozarts A-Dur-Klarinettenquintett, wo die Streicherstimmen von Mitgliedern des Mahler Chamber Orchestra gespielt wurden. Schwebend in den zurückgenommenen langen Phasen stationärer Klang-Stimmung, aber zu schüchtern und zaghaft in der Tonführung insgesamt. Ähnlich der Eindruck beim D-Dur-Flötenquartett, wo die Solostimme durch die Mahler-Chamber-Orchestra-Flötistin Chiara Tonelli trefflich bewegt war.

Den Abschluss des „Fokus auf Mitsuko Uchida“ wird am heutigen Samstag der Solo-Auftritt der Pianistin im Großen Saal bilden, mit Werken von Franz Schubert, Robert Schumann, Alban Berg und – natürlich – Mozart.

www.alteoper.de

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