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Musik

29. Dezember 2015

Motörhead: Motörhead-Legende Lemmy Kilmister ist tot

 Von 
Er war Motörhead und spielte Rock’n’Roll.

Kurz nach seinem Geburtstag, am 24. Dezember, stirbt Lemmy Kilmister im Alter von 70 Jahren. Seiner Band zufolge erfuhr er erst am 26. Dezember von einer Krebs-Erkrankung, nur kurz darauf starb die Rock'n'Roll-Legende.

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Wir hatten es befürchtet. Er war doch nicht unsterblich. Nicht physisch.

Lemmy Kilmister ist tot. Vier Tage nach seinem 70. Geburtstag, den er in Las Vegas gefeiert hatte. Zwei Tage, nachdem die Ärzte ihm die Krebs-Diagnose mitgeteilt hatten. So schreiben es seine Bandkollegen auf Facebook. „Er war zu Hause und saß vor dem Fernseher mit seinem Lieblings-Videospiel umgeben von seiner Familie.“ Wir alle hätten Lemmy gewünscht, einstmals von der Bühne zu kippen. Aber im Kreise der Familie beim Video-Kartenspiel geht auch in Ordnung.

Überall ist jetzt zu lesen, Lemmy Kilmister sei Sänger, Bassist und Frontman von Motörhead gewesen. Das ist richtig. Und Motörhead sei eine Heavy-Metal-Band gewesen. Das ist falsch. Zumindest hat Lemmy ein Leben lang versucht, mit diesem Missverständnis aufzuräumen. „Good evening, Ladies and Gentlemen. We are Motörhead, an’ we play Rock’n’Roll“ – mit diesen Sätzen, gesprochen in ein etwas zu hoch gehängtes Mikrofon, begann klassischerweise jedes Motörhead-Konzert. Und endete klassischerweise mit „Ace of Spades“, dem größten Hit der Band aus dem Jahr 1980.

Lemmy war stets der Meinung, Motörhead sei so etwas wie die Fortsetzung der Beatles mit anderen Mitteln, lauter halt und schneller. Doch spätestens mit dem 81er Live-Album „No Sleep ’til Hammersmith“ waren Motörhead endgültig in der Metal-Szene katalogisiert. Ein härteres, satteres, wilderes Live-Album hatte es zuvor nicht gegeben. Danach übrigens auch nicht mehr, aber das konnte man damals noch nicht ahnen.

Lemmy war von „Ace of Spades“ am Ende ziemlich genervt, es war seine ganz persönliche „Stairway to Heaven“ und sein „Highway to Hell“, ein Song, der auf keiner Rock-Gassenhauersammlung fehlen darf und den alle immer hören wollen. Gespielt hat er das Lied trotzdem jedes Mal. Die Fans wollten es so, und was die Fans wollten, wurde gemacht. Motörhead waren eigentlich ständig auf Tour, auch in einer Zeit, in der das Geld noch durch Plattenverkäufe verdient wurde. In der Adventszeit tourten sie regelmäßig durch Deutschland, wo sie ihre treuesten außerenglischen Fans hatten. Sein letztes Konzert gab Lemmy am 11. Dezember in Berlin.

Lemmy Kilmister wurde verehrt. Nicht nur wegen der Musik, die sich trotz wechselnder Besetzung niemals wirklich änderte. Nicht nur wegen der enormen Mengen an Whiskey und Speed, die er scheinbar unversehrt vertilgen konnte und dadurch das Versprechen einer Unzerstörbarkeit gab, das er letztlich nicht einlösen konnte. Lemmy wurde auch als Philosoph geschätzt, als geistreicher Gesprächspartner, als Welterklärer – als Bob Dylan der Kaltduscher. Wer alles über Lemmy wissen will, der lese auf der Homepage der Süddeutschen noch einmal die 100 Fragen durch, die Moritz von Uslar 2003 dem Erzrocker stellte. Und staune über die 100 herrlichen Antworten.

Wenn es einen Himmel gibt, dann ist Lemmy Kilmister nun in der Hölle. Das hat er sich mit so manchen Bemerkungen redlich verdient: „Dünne Geschichte, die christliche Religion. Jungfrau wird schwanger von einem Geist, bleibt aber Jungfrau. Sagt zu ihrem Mann, ich bin schwanger, Darling, aber mach dir keine Sorgen, ich bin ja immer noch Jungfrau. Menschen, die sich so benehmen, verdienen es, in einem Stall übernachten zu müssen.“ Aber da der Teufel laut Mick Jagger ein Mann von Geschmack ist, wird er Lemmy für sich spielen lassen. „Overkill“, „Bomber“, „We are the Road Crew“ und „Killed by Death“, das ganze ganz große Zeugs. Und am Ende wird der Teufel sagen: „Spiel auch ,Ace of Spades‘, Lemmy. Spiel’s für mich.“ Und Lemmy wird spielen.

Amen!

There is no easy way to say this…our mighty, noble friend Lemmy passed away today after a short battle with an extremely...

Posted by Official Motörhead on Monday, December 28, 2015

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