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Musik

08. Februar 2016

Museumsorchester Alte Oper: Der Krieg, ein Ohrwurm

 Von Bernhard Uske
Sebastian Weigle dirigierte das Museumskonzert in der Alten Oper Frankfurt.  Foto: Alex Kraus

Sinfonische Heerscharen: Das Frankfurter Museumsorchester spielt in der Alten Oper Dmitrij Schostakowitschs siebte Sinfonie, die „Leningrader“. Und der 30 Jahre alte Michael Barenboim, Sohn des Dirigenten Daniel Barenboim, weiß ebenfalls zu überzeugen.

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Der Krieg als der Vater aller Dinge – die Allerweltsweisheit gilt auch für Musik, die um so mehr Interesse fesselt, je wilder und wüster es im Orchester zugeht. Dmitrij Schostakowitschs 7. Sinfonie, die „Leningrader“, ist der allerbeste Beweis: Nichts hat das gut 70-minütige Werk, entstanden 1941 in der von der Wehrmacht belagerten Stadt, so populär gemacht wie seine knapp 20 Minuten ausgebreitete, sich bis zur maximalen Lautstärke steigernde Repetition eines schlagzeuggesteuerten Leitmotivs. Ein Ohrwurm allererster Güte, dem nur die letzten Minuten des Finalsatzes mit der Sieg-Repetition Paroli bieten in blechgepanzertem Tosen.

Im Gegensatz zum kriegerischen Geschehen haben es da die Binnensätze mit ihren Rückblicken auf friedliche Vergangenheit immer schwer, nicht als die eigentlich bleierne Zeit erlebt zu werden. Eine Durststrecke zweifellos für viele im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt, wo die Museumsgesellschaft ihr 5. Sinfoniekonzert der Saison veranstaltete. Und das Museumsorchester sich dabei als 120-köpfiges Ensemble von seiner allerjüngsten Seite zeigte.

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Denn 27 Gesichter auf dem Podium waren neu und verschafften der sinfonsichen Mammutaufgabe beachtlichen juvenilen Glanz. Eine temporäre Kooperation mit der Musikhochschule ermöglichte nach einem Probespiel den tauglichsten Studenten der Orchesterklassen einen Auftritt als hoffentlich später einmal allen auf Dauer beschiedenem Ernstfall.

Beachtliches leistete Sebastian Weigle

Das musikalische Ergebnis war beeindruckend: Während man beim Stumpfsinn der Kriegslärm-Attraktionen samt Siegmeldung wenig falsch machen kann, sind die nostalgisch geschwängerten langsamen Sätze vor grauschleierhafter Atmosphäre nicht per se gefeit. Hier leistete Sebastian Weigle Beachtliches beim Präsentieren der salonhaften und kirchentonartlichen Idiome und Gesten. Was klar machte, dass die „Leningrader“ durchaus eine Zweidrittel-Friedenssinfonie ist. Brillant und alert gebot das Riesen-Orchester über das gesamte Spektrum dieses Krieg-und-Frieden-Freskos.

Vor dem Aufmarsch der sinfonischen Heerscharen gab es Alexander Glasunows 1904 entstandenes Violinkonzert. Man hatte Gelegenheit, Michael Barenboim zu erleben – den Sohn Elena Bashkirovas und Daniel Barenboims. Ein Dreißigjähriger, der an Gestaltungsweisen Jascha Heifetz’ denken ließ. Und ein Solist ohne „creative noise“. Ein „Nur“-Musiker, für den die klare Führung des Bogens ein hohes und die Handgelenks-Vibrierfreudigkeit ein knappes Gut zu sein scheint.

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