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Musik

05. Juni 2015

Nahost-Konflikt: Nur die hässliche Seite sehen

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Das Tel Aviv Soloists Ensemble Orchestra spielt unter freiem Himmel für die Versöhnung.  Foto: AFP

Israelische Musiker geben an der Grenze zum Gazastreifen ein Friedenskonzert, doch kein Palästinenser war da. Die Aktivisten, die zum Crossborder-Konzert eingeladen waren, wurden von der Hamas von der Ausreise abgehalten.

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What’s so funny ’bout peace, love and understanding“, heißt ein Stück auf David Brozas großartigem Album „East Jerusalem/West Jerusalem“. Eigentlich nichts, lautet die geneigte Antwort. Nur eben, dass heutzutage keiner mehr naive Verkünder von Frieden, Liebe und Verständnis ernst nimmt, zumindest nicht im ewig währenden Nahost-Konflikt, wo solche Begriffe von Politikern längst zerredet wurden.

Damit hatte auch das Crossborder-Konzert zu kämpfen, das über hundert israelische Musiker Donnerstagabend an der Grenze zum Gazastreifen veranstalteten. Das künstlerische Niveau ließ nichts zu wünschen übrig. Das Solisten-Ensemble Tel Aviv, der Kibbuz Artzi Chor, der Ichud Chor plus Opernsänger boten Mozarts Requiem im ersten Teil mit jüdischen und moslemischen Klagegesang als Höhepunkt – Ausdruck der Trauer um all jene, die im Gazakrieg vor einem Jahr starben.

Im zweiten Teil ging es mit arabischem und hebräischem Pop weiter, um der Hoffnung auf Dialog und Versöhnung Auftrieb zu geben. Und ja, viele bekannte Bands machten mit bei diesem Open-Air-Konzert auf dem Fußballfeld des Kibbuz Aza, darunter Miriam Toukan, Idan Toledano und Yair Dalal.

Kein Palästinenser aus Gaza war da

Doch kein einziger Palästinenser aus Gaza war da, weder auf der Bühne noch unter den Zuhörern. Die Veranstalter hatten 21 Leute eingeladen, alles Friedensaktivisten, wie Assnat Bartor, die Initiatorin des Konzerts, versicherte. Acht von ihnen hatten eine Ausreiseerlaubnis der israelischen Armee erhalten. Aber die Hamas hatte sie gestoppt. Anhänger von „peace, love and understanding“ erregen schnell den Argwohn der Islamisten. Jedenfalls konnte „Dr. Mustafa“ so nur zu Konzertbeginn in einer Telefonaufzeichnung dem versammelten Publikum berichten, dass sein Glaube in friedliche Nachbarschaft nicht zu erschüttern sei. „Leider sehen die Palästinenser bei uns nur die hässliche Seite der Israelis, die Panzer und Soldaten.“ Gaza blieb derweil die vage Silhouette dichter Häuserreihen, die sich im Abendrot vom westlichen Horizont abhob.

So besaß das Crossborder-Konzert skurrile Züge wie bewegende Momente: Etwa als Stav Kdoshim über ihren Vaters sprach, der vor fünf Jahren daheim im Kibbuz Aza von einem palästinensischen Geschoss tödlich getroffen wurde. Aber auch sie bekannte, dass sie gerade deshalb für Frieden sei. Man war unter seinesgleichen, vereint im Wunsch nach Verständigung mit den Palästinensern.

Die ursprüngliche Idee, solange zu singen, bis die Politiker beider Seiten miteinander sprechen, hätte allerdings wohl den Verlust der Stimmkraft aller zufolge gehabt. Denn das Verlangen nach einer Friedenslösung ist unter den Kibbuzniks im Grenzgebiet weit ausgeprägter als in der israelischen Mehrheit. Dabei waren sie es, die in allen Gaza-Konflikten die meisten Raketen abbekommen haben.

Nicht umsonst wurden den Besuchern am Eingang Zettel in die Hand gedrückt, wie sie sich im Alarmfall verhalten sollten, wenn nicht ein Sprint in einen der übers Gelände verteilten mobilen Betonbunker in Sekundenschnelle zu machen sei. Friedenssehnsüchte sind vielleicht naiv, aber Krieg ist nicht lustig.

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