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Musik

28. Januar 2016

Neue CD „Nevermen“: Tierstimmenhafte Späße

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Herz (l.), Verstand (r.) und Körper (Mitte)? So charakterisieren sich jedenfalls die Nevermen selbst.  Foto: Peter Hinson

Unangestrengt, gut durchdacht und doch improvisiert genug: Das erste Album der Supergroup „Nevermen“, das sind Adebimpe, Drucker, Patton.

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Netzwerken ist das große Ding. Alle machen was zusammen, besonders in der Musik. Kaum ein neues Album, bei dem nicht ein Künstler dem anderen Künstler geholfen hat, mitproduziert, mitgesungen, mitgetrommelt, mitpangeflötet, was auch immer. Jetzt haben sich drei zusammengetan und ein feines Stück Musik aufgenommen: die Nevermen.

Mit dabei: Babatunde Omoroga „Tunde“ Adebimpe (40), Sänger der US-Indie-Rockband TV On The Radio; der Rapper Adam Drucker (38) alias Doseone; und der Mann, der alle fünf Minuten mit einem neuen Projekt um die Ecke kommt: Mike Patton (47), den meisten Musikfreunden bekannt als Sänger der Crossover-Helden Faith No More.

„Schläft Mike Patton auch mal?“, fragt jemand auf der Internetseite ultimate-guitar.com, „er macht ja immer irgendwas.“ Nein. Mike Patton schläft nie, und deshalb gibt es jetzt das erste Album der Nevermen. Die Musik lässt sich schwer einordnen, sie ist luftig, fluffig, bunt, sehr gesangsorientiert – was Wunder, bei drei Vokalartisten, die sich als „leaderless trio“ bezeichnen.

Mal abwechselnd, mal gemeinsam

Führerlos bereisen die drei Amerikaner die Welt, singen mal abwechselnd, mal gemeinsam – „schockierend leicht, die Orientierung zu verlieren, wessen Stimme wann zu hören ist“, finden sie selbst. Und das stimmt. Alles ist begleitet von mitreißenden Rhythmen, Klangteppichen, unterbrochen von Pausen und tierstimmenhaften Späßen, alles wirkt unangestrengt, gut durchdacht und doch improvisiert genug.

Dabei haben die Aufnahmen sieben Jahre gedauert. Anfang 2008 trafen sich Drucker und Adebimpe in einem dem Abriss geweihten Lagerhaus, stellten Heizlüfter auf, kloppten gegen Türen, Rohre und Kisten, soffen Whiskey, jammten mit Keyboards, Schlagzeugmaschinen und nahmen alles auf Band auf. Die Texte: Erinnerungen an vergangene Touren und Zeitungsschlagzeilen, die sie gegen die hohen Decken heulten.

Das Ganze schickten sie schließlich an Patton und gaben ihm Carte blanche, um das Material zu vervollständigen. Über Jahre wuchs das Werk in Studios rund um die Erde immer weiter. „Adebimpe spielte das Herz“, heißt es nun, „Drucker spielte den Verstand, Patton spielte den Körper. Niemand außer den Nevermen rührte die Musik an.“

Kommt einem das nicht bekannt vor: Nevermen? Schon, aber es gibt nichts Gleichnamiges außer einer Comic-Miniserie aus dem Jahr 2000. Und es gibt diese Textzeile in dem Nevermen-Lied „Shellshot“: „Cause we were never never never men enough“ – nie waren wir manns genug.

In der Heimat Peter Pans

Und es gibt ja Neverland, die Heimat Peter Pans. Irgendwo dort in der Nähe scheint „Tough Towns“ zu spielen, die erste Single-Auskopplung des Albums. Das Lied ist allen gewidmet, die halbwegs jung sind und weg wollen von dem Nichts, aus dem sie stammen: „Möget ihr schnell und stilvoll irgendwohin entkommen.“ Die Beschreibung passt glänzend auf die meisten Titel des Albums, vom kraftvoll fetten Auftakt „Dark Ear“ über das hip-hop-hymnische „Hate On“ bis zum in allen Farben schillernden „Fame II The Wreckoning“.

Bliebe nur die Sache mit dem Bandfoto. Dass Adebimpe darauf ein Pittsburgh-Shirt trägt und Doseone ein Whitesnake-Leibchen: na gut. Aber was soll das Scientology-Hemd an Mike Patton? Darüber zerbrechen sich viele den Kopf. Und kommen meist zu der Erkenntnis: Der Mann hat früher schon Texte aus Glückskeksen und aus Persönlichkeitstests der Scientology-Kirche generiert – gehen wir mal davon aus, dass das Textil ironischen Zwecken dient.

Nevermen: Nevermen. Lex Records / ADA.

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