Ist Peter Eötvös Instrumentalstück "Chinese Opera" eine abendländische Korrespondenz zur Jahrtausende alten Gesangs-, Tanz-, Masken und Kostümform aus Fernost?
Ja, sagte Barbara Mittler bei Happy New Ears in der Oper Frankfurt vor zahlreichem Publikum. Erfrischend leichtgängig und plastisch vermittelte die junge Wissenschaftlerin Grundkenntnisse der ad hoc sich immer wieder abwandelnden Kunstform, die je nach Provinz anders klingt: eine Volkskunstform für alle.
Peter Eötvös also ein Chinese aus Paris, wo das knapp dreißigminütige Werk 1986 für das Ensemble Intercontemporaine entstand? Eine Volkskunstform ist es sicherlich nicht, und so abstrahiert, wie die Farben, Kostüme, Masken, Gesangsstimmen und Requisiten der Chinesischen Oper hier in Klang aufgelöst wurden, blieb die positive Beantwortung der Frage echte Glaubenssache. Immerhin kann man sagen, dass seit Pierre Boulez' und Stockhausens Gamelan-Adaptionen oder Cages zen-buddhistischen Anverwandlungen Asien eine Inspirationsquelle für manchen Avantgardisten war.
Eötvös, dessen Oper "Angels in America" gegenwärtig auf dem Spielplan der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot steht, stellte mit feiner Ironie sein Werk vor, zusammen mit dem großbesetzten Ensemble Modern. Er scheint über die chinesische Brücke eine erzählerische, ja illustrative Ebene seines Komponierens erschlossen zu haben. Figurenwerk traditonellen Gestus', Turbulenzen dichter Disparatheit mit dramatischer Anmutung bei dominanter Blech- und Schlagwerkgrundierung: Das waren besonders auffällige Aspekte der Klangsprache, die im letzten der vier Teile des Werks - sie sind jeweils verschiedenen Regisseuren gewidmet - zu einer fast pathetisch wirkenden Vertikalität führten.
Die, erklärte Barbara Mittler, gebe es in der chinesischen Oper allerdings nicht. Schade, entgegnete darauf der Komponist, dann sei er eben am Ende wohl doch ein Europäer.