Pandämonisch ist nicht das Wort, das einem von selbst einfallen würde angesichts der Pandemonium-Tour der Pet Shop Boys. Eher: pompös, perfektionistisch. Perfekt.
Das Quintett mit dem hoffentlich nicht tragisch, sondern jugendlich zu verstehenden Namen "Das gezeichnete Ich" scheint vorab vor allem die Aufgabe zu haben, auch in der Jahrhunderthalle in Frankfurt den Unterschied zwischen der herkömmlichen Elektropop- und der Pet-Shop-Boys-Welt zu verdeutlichen. Von den gut frisierten Berlinern geht es nicht ruck-ruck, aber dann doch irgendwann hinüber in die Bühnenshow von Neil Tennant und Chris Lowe.
Die mittlerweile 55- und 50-jährigen Londoner machen dabei wie üblich den Eindruck, als hätten sie nichts weiter zu tun, als einige Tasten zu drücken, zu singen beziehungsweise zu schweigen (Lowe) und sich oft umzuziehen. Der freundlich reservierte Tennant dankt dem Publikum, der stille Lowe geht mal hin und her, vom unermüdlichen Tanz-Quartett umschwärmt.
Einstürzende Neubauten
Um sie herum aber tobt die Vorstellung. Sie ist diesmal weitgehend würfelförmig, zu "Heart" haben selbst Tennant und Lowe Quadratköpfe, bevor sie klassisch mit Melonen und Schirmmützen auftreten. Über Kulissen-Quader springen digitale Würfel, später werden einstürzende Neubauten geboten, aber auch tanzende Hochhäuschen. Wie am Schnürchen außer Rand und Band zu sein: Auf den Würfel-Leinwänden und davor wird zwei Stunden lang vorgeführt, wie das geht. Dazu zur Freude der Zuhörer mehr alte Hits als Titel vom neuen Album "Yes" in einem wohlmeinenden Best-Of-Programm.
Ein Labor, in dem es mal knallt
Zu "It´s a Sin", dem Titel, wegen dem wir zum Beispiel letztlich gekommen sind, auch wenn er in seinem eigenen Gelärm und Buhei fast untergeht, schießen Kanonen Silberflitter ins Parkett. Danach treten ein paar der Bühnenarbeiter, die bei den Pet Shop Boys eher aussehen wie Laborangestellte in einem Labor, in dem es gelegentlich knallen kann, mit Laubsaugern an. Das Nüchterne findet immer seinen Platz neben dem Pathethischen und dem Albernen. Wenn es regnet, sind Regenschirme zur Hand. Zum Abschluss tanzen Christbäume zu "It doesn´t often snow at Christmas".
Die Stimmung in der ordentlich gefüllten, aber mitnichten ausverkauften Jahrhunderthalle ist schön, wenn auch nicht überbordend. Der ironisch gestimmte Nachbar, dem selbst das noch zu euphorisch vorkommt, meint schließlich: "Das sind all die, die damit groß geworden sind." Aber vielleicht sind es auch einfach nur die, die sich in Ruhe eine gute Show ansehen wollen. Haben sie bekommen.