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Pixies: Bitte wenden

Die Pixies spielen ihre berühmte Schallplatte aus dem Jahr 1989 live in Frankfurt vor. Von Thomas Stillbauer

Singt bzw. schreit bzw. lacht dreckig: Black Francis.
Singt bzw. schreit bzw. lacht dreckig: Black Francis.
Foto: Alex kraus

Das also bleibt? Da hast du dein halbes Leben lang Musik gemacht, laute, sentimentale, mal irre, oft anrührende Rockmusik, bist auf deine mittelalten Tage mit deiner Band wieder mal nach Europa gereist, und spät in der Nacht funkt eine Nachrichtenagentur 20 Zeilen über das einzige Deutschland-Konzert, und die letzten dreieinhalb lauten: "Die Stimmung im Publikum blieb während des eineinhalbstündigen Konzerts überwiegend verhalten."

Einspruch. Lesen Sie heute in Ihrer FR, wie es wirklich war in der Frankfurter Jahrhunderthalle, als die Pixies aus Amerika endlich wieder da waren.

Zunächst einmal läuft, bereits bejubelt, ein Film an der Wand hinter der Bühne: "Ein andalusischer Hund" von Luis Buñuel und Salvador Dalí. In dem 16-Minuten-Werk schneidet ein Mann einer Frau das Auge durch, geht es viel um Ameisen, die aus Männerhänden strömen, und um Männerhände, die kaum davon abzuhalten sind, Frauen zu begrapschen. Das Ganze surreal und achtzig Jahre alt. Warum zeigen die Pixies sowas? Weil "Debaser", das Auftaktlied ihres legendären zweiten Albums "Doolittle", von jenem Film erzählt. Das legendäre zweite Album "Doolittle" wiederum erschien vor zwanzig Jahren, und zum Jubiläum fahren die Pixies nun um die Welt und spielen die Lieder live vor. Besser kann das auf Schallplatte niemals sein.

Vorn in der Mitte steht ein dicker Mann ohne Haare auf dem Kopf und singt bzw. schreit bzw. lacht dreckig. Es ist der 44-jährige Charles Michael Kittridge Thompson IV alias Black Francis alias Frank Black, der Einfachheit halber im Folgenden Black genannt. 1986 begann er in Boston, die Musikgeschichte zu beeinflussen.

Der Zeitung sei Dank

Damals suchte er mit seinem Kumpel Joey Santiago (Gitarre) per Zeitungsannonce eine/n Bassiste/i/n mit einer Vorliebe sowohl für die Hardcore-Band Hüsker Dü wie für das Folk-Trio Peter, Paul & Mary. Der Legende nach meldete sich Kim Deal, obwohl sie nicht einmal Bass spielen konnte. Schlagzeuger Dave Lovering komplettierte die Urbesetzung, die heute wieder auf der Bühne steht.

Und man muss sagen: Sie sind in Würde gealtert. So könnte Kurt Cobain durchaus auch unterwegs sein, lebte er noch, vielleicht sogar ein bisschen hübscher und schlanker als Black. Cobain sagte einst, er habe einen Pixies-Song schreiben wollen, als er "Smells Like Teen Spirit" schuf. Einmal soll er ein Nirvana-Konzert vorzeitig verlassen haben, um rechtzeitig zum Gig der Pixies zu erscheinen. Entschuldigung? Der Sänger rennt von der Bühne, weil drüben ´ne andere Combo spielt?

So viel zur historischen Einordnung. In Frankfurt lassen sich die Pixies während der ersten vier Songs - allesamt Single-B-Seiten - von hinten beleuchten, weshalb die Fotografen erst ab Titel Nummer 5 ran dürfen. Damit beginnt der Vortrag der Original-Doolittle-LP. Bassistin Deal, mit 48 Jahren bei der Kurzhaarfrisur angelangt, richtet die ersten Worte ans Publikum, als eine Hälfte der Platte mit diesem wunderbar klaren und doch knarzigen Sound gespielt ist. Bitte wenden. Das Publikum feiert mit Szenenapplaus etwa das großartige "Hey", das unsterbliche "Here Comes Your Man", das denkwürdige "Monkey Gone To Heaven" mit der Textpassage: "Wenn der Mensch fünf ist, ist der Teufel sechs, aber wenn der Teufel sechs ist, ist Gott sieben." Machtverhältnisse.

Zum Schluss läuft ein Film, auf dem sich die grinsenden Vier verbeugen und La Ola machen. Gutes Konzept, ein Album komplett vorzuspielen, das die Fans seit 20 Jahren lieben und mitsingen können. Schade, dass die Fans die Halle nur zur Hälfte füllen (auch wenn der Einzelne dadurch leichter ans Bier kommt). Bei Ticketpreisen an die 50 Euro aber auch kein Wunder. Die Pixies sollten das Ganze nächstes Jahr günstiger wiederholen. Dann wird ihre dritte Platte "Bossanova" 20 Jahre alt. Die ist sowieso besser.

Autor:  Thomas Stillbauer
Datum:  13 | 10 | 2009
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