Ein Stück wie geschaffen für konzertante Aufführungen ist Giacomo Puccinis, "La Rondine", das 1917 uraufgeführt wurde und bis heute ein eher kümmerliches Dasein auf den Opernbühnen fristet. Zu vorhersehbar und interaktionsarm ist das Libretto, zu wenig Verspannungen zwischen den Protagonisten bietet die Komposition. Aber als reines Klang-Ereignis ist das ein Sahnegletscher des Puccini-Genusses. Zwei Stunden lang kann man die verschiedenen Konsistenzformen der Klänge von ihrer cremigen und streichzarten Gestalt bis zur puren Schaumbildung erleben.
Die Oper Frankfurt bot das Werk jetzt im Großen Saal der Alten Oper mit einem Dirigenten, der für diese Klangbildungen das richtige Händchen hat: Marc Soustrot. Der hält den Taktstock leicht wippend zwischen Daumen und Zeigefinger, nimmt ihn gar lieber in die nichtdirektive Linke um mit der rechten Hand Puccinis Instrumental-Sentiment in das begeisterte Auditorium zu fächeln.
Es geht um die Einlösung vergangener Ideale, um die Wirklichkeit romantischer Liebe, die sich für die Kokotte Magda de Civry noch einmal einstellen soll. Ein Gast ihres Salons, Ruggero, wird der Erwählte, mit dem sie eine Tristan-Minne zu verwirklichen sucht. Dem hohen Paar ist ein niederes zugesellt: Magdas Kammerzofe, in Liebe mit Prunier, einem Freund des Hauses, verbunden, will Künstlerin werden. Aber so wie die Zofe merkt, dass das Glück der großen Kunst sie unglücklich macht und sie das Theaterkostüm wieder mit der Schürze tauschen möchte, so erkennt Magda, dass sie für die Hohe Minne nicht taugt. Ein strahlend reiner Ton, mit dem sie schließlich die Bühne verlässt: das ist das Glück des Unglücks und der Beginn der Kunst. In ihr kann man vom Leid so schön singen.
Mit Elaine Alvarez und Joseph Calleja war ein ideales Paar auf dem Podium: zwei ebenbürtig starke, ungemein homogen und strahlend-offene Stimmen, die sich regelrecht aneinander entzündeten. Trotz Indisposition war Calleja in seiner direkten Stimmmanier nie gefährdet. Exzellent war das Timbre von Elaine Alvarez, die mit mächtiger Fülle in der Höhe und weicher Mitte glänzte.
Tenoral strahlend war Marius Brenciu als Prunier; seine Geliebte Lisette wurde von Britta Stallmeister mit sorpranischer Leichtigkeit und makellosen Höhen gegeben. Der nur im 2. Akt beschäftigte Chor bot mit hervorragender Beweglichkeit ein glänzendes akustisches Gesellschaftsbild. Perfekt das Museumsorchester.
Alte Oper Frankfurt: 9. März. www.oper-frankfurt.de