Klaus König übt den etwas hybrid klingenden Beruf eines Jazz-Komponisten aus: Was er schreibt, geht über die im Jazz ehedem üblichen skizzenhaften, „thematisches Material“ genannten Stückchen weit hinaus; es sind komplexe, ausgeschriebene Kompositionen im Geiste einer zeitgenössischen E-Musik, die einerseits Lücken lassen für das, was man von Jazzmusikern erwartet, also improvisierte Solopassagen, die andererseits zu ihrer klanglichen Entfaltung höchst individuell intonierende Jazzmusiker benötigen, die eben die Noten auf ihre ganz eigene Art spielen. Die Arbeit in dieser widersprüchlichen Position erfordert ein erhebliches Maß an kompositorischer List.
Bei seiner neuen Produktion allerdings gibt König die Warnung aus: Achtung, dies ist kein Jazz! Und er hat rundherum recht damit, auch wenn er, neben dem Ensemble musikFabrik und der Harfenistin Mirjam Schröder, mit Claudio Puntin einen der renommiertesten europäischen Klarinettisten des zeitgenössischen Jazz beschäftigt. Puntin spielt in einem „Reflections“ genannten Stück sehr differenziert artikulierend und intonierend eine Reihe von Themen, die mit Widmungen verbunden sind, für „Che“ Guevara, Ghandi, Yitzhak Rabin, Malcolm X und die Kennedy-Brüder John F. und Robert. So dass das Requiem also weniger einer bestimmten Person gilt als vielmehr einer Konstellation von politischen Hinterlassenschaften und Utopien der sechziger Jahre.
Deutlich ist auch: Trotz des Gattungsnamens trauert Königs Musik nicht nur. Sie reflektiert, sammelt, sie gestaltet und kombiniert und will eher etwas am Leben erhalten als begraben. Der zuweilen feierliche Gestus der Spielhaltungen und die dramatische Dynamik verweisen auf etwas Größeres, dem sich die Musik zuwenden will. ( H.L.)
Klaus König: Requiem. For Martin Luther King jr. Klaus König Works KW 010.