Nach drei Jahren war er wieder Gast beim Rheingau Musik Festival. Gemeinsam mit seinem Monteverdi Choir und seinen English Baroque Soloists leistete Sir John Eliot Gardiner zum Händel-Jahr mit "Israel in Egypt" seinen Beitrag - in der nicht gerade für Hochbarockes geeigneten Basilika des Klosters Eberbach. Aber mit dem Feuer, das der dirigierende britische Großmeister der Alten Musik hat, war es ein Leichtes, das alles verhallende Tonnengewölbe in Schach zu halten, ja diesen steinernen Subwoofer für manchmal fast schmerzlich scharfe Klangkronen und Akkordsalven in Anspruch zu nehmen.
Händel - das ist bei Gardiner kein Weichling. Der sanft-bröselige Müsli-Händel, an den man sich vielerorts gewöhnt hat, ist seine Sache nicht. Händel ist grellfarbige Bekenntnis- und Illustrationsmusik, eine Sinnenmassage fürs puritanische Gemüt, das in den gewalttätigen Tatbeschreibungen des alttestamentarischen Gottesvolks sich wiedererkannte. Ganz besonders in der ägyptischen Knechtschaft und der Befreiung aus selbiger mit dem Auszug durchs Rote Meer und der gloriosen Vernichtung der Unterdrückung.
Es war faszinierend, Gardiners Furor zu folgen, der zu den Worten "Er schlug alle Erstgeborenen Ägyptens,/das Haupt ihrer gesamten Stärke" regelrecht die orchestrale Axt schwang. Großartige, fast nazarenische Wirkungen dann wieder bei den Partien um den fürsorglichen Gott.
Warum ein Ensemble wie der Monteverdi Choir nicht mehr als 33 Sänger braucht, um die Halle unter vokales Feuer zu nehmen, machten die 14 Solo-Partien des Abends deutlich, die allesamt von Chormitgliedern bestritten wurden. Das war nicht nur wegen der verschiedenen Timbres ein ästhetisch reizvolles Panorama, sondern wie die vokale Beglaubigung des Volkes Israel: hier ist ein jeder des Kollektivs ein Auserwählter.