Aktuell: Trauer um Claudia Michels | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Fußball-News | Eintracht Frankfurt

Musik

25. Juli 2010

Rheingau Musik Festival: Die Reinheit der Luft nach dem Regenschauer

 Von Gerd Döring

Die Finnin Kaija Saariaho ist diesmal für das Komponistenporträt ausgewählt. Dieses Konzept hat eine Riege prominenter Tonkünstler ins Rheingau gebracht.

Drucken per Mail

Fester Bestandteil des Rheingau Musik Festivals ist das Komponistenporträt, das dank der Hilfe des Mäzens Walter Fink seit der Premiere im Jahr 1990 eine Riege prominenter Tonkünstler ins Rheingau gebracht hat. Kaija Saariaho, die ihre Musik jetzt an zwei Abenden in Schloss Johannisberg und im Kurhaus Wiesbaden vorstellte, war – nach Sofia Gubaidulina – erst die zweite Frau in der Reihe. Ilja Stephan, der das Gespräch mit ihr führte, fand kluge Worte, nur zuweilen schmunzelte sein Gast, etwa wenn er formulierte, das Orchesterstück „Orion“ habe „richtig PS unter der Haube“.

Gemeinsam mit der Komponistin gibt er den Zuhörern Einblick in ein Werk, das bei aller Klangschönheit auch Zerbrechlichkeit thematisiert. So hat die Komponistin in ihrer Oper „La Passione de Simone“ eine Annäherung an das Schicksal der französischen Philosophin Simone Weil versucht. Die Radikalität der jüdischen Mystikerin sind ihr Inspiration.

„Schwerkraft und Gnade“, das bekenntnishafte Werk der Weil hatte die Musikstudentin schon im Gepäck, als sie 1981 ihre Heimat verließ. Heimisch geworden ist sie in Paris, aber der finnischen Kultur fühlt sie sich tief verbunden. Die Liste der Musiker, mit denen sie arbeitet, liest sich wie ein Who’s who der finnischen Musikszene. Die Finnen Anssi Karttunen, Cello, und Pia Freund, Gesang, interpetieren im Rheingau ihre Musik, die Dirigentin Susanna Mälkki leitet zudem am zweiten Abend das SWR Sinfonieorchester. In ihrer Heimatstadt Helsinki gründete Kaija Saariaho in den 70er Jahren mit Magnus Lindberg und Esa-Pekka Salonen eine Studentengruppe mit dem Namen „Korvat Auki“ (Ohren auf) – ein Unternehmen, das auch der eigenen Fortbildung diente.

In ihrer Musik, so Kaija Saariaho, suche sie nach einer Balance von Intellekt und Gefühl. Wesentliches Merkmal ihres Schaffens ist ein synästhetischer Ansatz, ihre oft mikrotonalen Kompositionen bestechen nicht nur durch Klarheit, sie verblüffen auch durch Klangsinnlichkeit. Obwohl ihre Arbeiten diffizil konstruiert sind, lässt sie sich gerne von einfachen Naturphänomenen inspirieren – schon als Kind, erzählt sie, staunte sie über die Reinheit der Luft nach einem Regenschauer. Immer wieder knüpft sie Verbindungen zu anderen Künsten: in ihrem Flötenkonzert „Aile du songe“, das Camilla Hoitenga in Wiesbaden vortrug, hat sie sich von Gedichten Saint-John Perses inspirieren lassen, in das üppig instrumentierte „Laterna Magica“ fließen Beschreibungen von Lichtphänomenen ein, die sie der Autobiografie des Regisseurs Ingmar Bergman entnommen hat.

Unter der forschen Leitung von Mälkki gelingt die Interpretation der Orchesterstücke hervorragend, fabelhaft das behutsam abgestufte Spiel der Streicher und der Feinschliff in den Aktionen der bis zu sechs (!) Percussionisten. Viel Beifall aus den leider recht dünn besetzten Reihen des Saales.

Zur Homepage
comments powered by Disqus

Musik-Charts

Quelle: Amazon Mehr...

Videonachrichten Musik
TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!

Videonachrichten Kultur