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Musik

19. Januar 2016

Sebastian Laverny im Jazzkeller: Die Kraftquellen des Jazz

 Von Stefan Michalzik

Sebastian Lavernys Quartett traumhaft souverän und herrlich beschwingt im Frankfurter Jazzkeller.

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Bestrickend ist die ungeheure Frische. Es handelt sich um ein Bad in der Jazzgeschichte, aber was schadet das, wenn es mit einer modernen Auffassung geschieht und mit einer solch stilbewussten Spiellaune wie bei dem im Hauptberuf als Chordirektor und Kapellmeister am Staatstheater beschäftigten Mainzer Pianisten Sebastian Laverny und seinem Quartett.

Sie grooven herrlich beschwingt. Mit einer solchen Musik lässt sich ganz prächtig das neue Jahr feiern, wie es jüngst die Freunde und Förderer der hr-Bigband mit einem musikalischen Empfang im Frankfurter Jazzkeller getan haben. Mit einer selbstverständlichen – und intellektuell satisfaktionsfähigen – Leichtigkeit verwandeln sich Laverny und der Bassist Götz Ommert, Gerald Stütz am Schlagzeug sowie der junge Saxofonist Axel Schmitt Klassiker von Benny Carter, Duke Ellington, Hoagy Carmichael und anderen an – und immer wieder Bearbeitungen von Motiven aus der klassisch-romantischen Musik von Claude Debussy und Edvard Grieg bis zu Beethovens Mondscheinsonate, in der swingenden Manier eines Glenn Miller, auf dessen von Bill Finegan geschriebenes Arrangement sich die Band im Falle Beethovens auch bezieht.

Kraftquellen des Jazz

Sebastian Laverny zapft die Kraftquellen des Jazz an, traumhaft souverän und einlässlich dekliniert er gleich nach der Pause solo ein kleines Kompendium des Jazzpianos in Gestalt der individuellen Idiome von Art Tatum, Erroll Garner, George Shearing und Oscar Peterson durch. Unmittelbar ansprechend und entschieden mehr als bloß versiert sind Lavernys traditionsbewusste eigene Kompositionen.

Ganz klassisch wird immer wieder die Solostafette quer durchs Ensemble gereicht, mitunter auch in einer auf den Triokern ohne Bläser reduzierten Besetzung. Eine Weichheit und Wärme auf dem Pfad von Ben Webster zeichnet Axel Schmitt am Tenor- und Sopransaxofon aus, eher kommentierend als begleitend sind die Linien von Götz Ommert am Bass, in einer federnden Art muskulös ist das Spiel des Schlagzeugers Gerald Stütz, ob seines Faibles zur zirzensischen Zauberei findet er immer wieder viel Beifall.

Alte Musik – unerhört frisch: Dank dem starken Impuls eines eigenen Stil- und Formwillens gelingt es diesem herrlichen Solistenensemble um Laverny, sich die musikalischen Ansätze von einst derart glückreich zueigen zu machen, dass der Gedanke einer Gestrigkeit absurd erscheint. Das ist von einer frappierenden Qualität: Eine vollblütige Feier des Jazz.

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