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Musik

04. Dezember 2012

Seeed in Frankfurt: Den Stachel gezogen

 Von Stefan Michalzik
Seeed – Hochglanzshow mit branchenüblicher dramaturgischer Mischkalkulation. Foto: Imago

Bei Seeed in der Frankfurter Festhalle herrscht opulente Partylaune. Neues bietet das Berliner Großkollektiv aber nicht.

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Bei Seeed in der Frankfurter Festhalle herrscht opulente Partylaune. Neues bietet das Berliner Großkollektiv aber nicht.

Frankfurt –  

Das knallt. Alles ist auf eine standardisierte, raumgreifende Opulenz hin angelegt. Der Sound ist ungemein drall, die Lichtdramaturgie breitwandig, samt Stroboskopeffekten und allen Schikanen. Am Anfang schmettern die Bläser eine Fanfare – und dann erscheinen sie auf der Bühne, Enuff, Ear und Eased, wie sich die drei Sänger von Seeed nennen, wie gewohnt tragen sie Anzüge. Das dramaturgische Prinzip wird schnell klar. Es ist ganz simpel, die Devise lautet: Ein Kracher auf den anderen.

Das Berliner Großkollektiv, dessen Frankfurter Konzert ob der großen Nachfrage von der ursprünglich vorgesehenen Jahrhunderthalle in die eine Dimension größere Festhalle verlegt werden konnte, steht schon seit seinen Anfängen Ende der neunziger Jahre aus der Berliner Dancehall-/Reggaeszene heraus für einen ungetrübten Hedonismus. Es war eine Reggaewelle im deutschen Pop – Stichworte: Jan Delay, Denyo, D-Flame, Gentleman und Patrice –, zu der Seeed 2001 mit ihrem aus dem Stand heraus erfolgreichen Debütalbum ,,The New Dubby Conquerors“ ihren Teil beigetragen haben.

Damals war die unbeschwerte, wechselnd in deutsch, englisch und jamaikanischem Patois gesungene Mischung aus Roots- und Dancehall-Reggae, Ska, Dub und HipHop für die hiesige Popmusik noch neuartig – und bis zu einem gewissen Maß auch glaubwürdig.

Nichts ernstlich Neues

Ein Jahrzehnt und eine siebenjährige Veröffentlichungspause später – von den diversen Soloambitionen war die des in dieser Mission als Peter Fox firmierenden, offen-heimlichen Kollektivchefs Pierre Baigorry die einzige spektakulär erfolgreiche – wirkt alles wie gewohnt. Routiniert inzwischen und erbarmungslos glattgestriegelt. Schon das unbetitelte Comebackalbum, das Ende September herausgekommen ist und auf dem Spitzenplatz der deutschen Charts landete, offenbarte: Es gibt nichts ernstlich Neues von Seeed. Der Choreografie des Sängertrios ist eine gewisse Eleganz zu bescheinigen, allerdings ist der Schwung, mit dem sich die Handtücher zum häufigen Wedeln benutzende Formation bewegt, immer wieder der gleiche.

Drallheit und Partylaune in einem fort: Auf die Distanz eines ganzen Konzertabends wirkt diese Hochglanzshow mit der branchenüblichen dramaturgischen Mischkalkulation aus Greatest Hits & Novitäten – ironische Kommentare zum Geschlechterverhältnis sind ein Schwerpunkt – redundant. Subtil ist hier nichts.

Nachdem Seeed erst einmal am Honig des großen Erfolgs lecken konnten, haben sie sich selber den Stachel gezogen.

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