Physiognomie und Stimme - das ist im Falle von Sophie Karthäuser ein besonderes Verhältnis: das reinste Kindchenschema und dazu eine im ersten Moment wie maßgeschneidert wirkende Stimme. Sechs Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart, einem Komponisten, dessen hellen Sopranpartien die Sängerin besonders verbunden ist, eröffneten passgenau den Liederabend in der Oper Frankfurt: Mädchen-Entäuschung, Seufzer, Abendempfindungs-Sentiment und die Parodie auf die ewig besserwisserischen alten Weiber. Hier war das stimmliche Augenrollen perfekt. Heraus fiel Mozarts "Eine kleine Kantate", eine Art freimaurerischer Hymnus, der Mozart in Propaganda-Mission zeigte: die bürgerlichen Fleiß- und Krafttugenden preisend, aber mit, dank der Sopranstimme, gebremstem Bräsigkeitston.
Es gibt in Sophie Karthäusers Stimme aber auch ein hartes Moment, und was kein Wässerchen trüben kann, könnte auch etwas Giftiges enthalten. Das gibt der Sache einen besonderen Reiz, der nicht recht bei Schubert, dann aber trefflich bei drei der "Weltlichen Lieder" aus Hugo Wolfs "Spanischem Liederbuch" wirkte.
Kühle kam so in die zweite Hälfte nicht nur ob der Komponisten Gabriel Fauré und Claude Debussy. Ganz zurückgenommen wurde in apollinischer Herbheit jetzt der erotische Halbschatten der "verliebten Müdigkeit" ausartikuliert. Dabei wurde Karthäusers Stimm-Physiognomie noch um Klavierklänge bereichert, denen Cédric Tiberghien sehr feine Gesichtszüge gab.