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Musik

13. März 2016

Sport und Musik in der Alten Oper: Da fliegt der Federball

 Von 
Radrundfahrt mit Mauricio Kagels "Brise".  Foto: Achim Reissner/Alte Oper

„Die Lange Nacht“ zu Sport und Musik in der Alten Oper Frankfurt zeigt die Zusammenhänge.

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Die Gemeinsamkeiten von Sport und Musik liegen nicht nur in der Sache selbst (der Zeitfaktor und alles, was mit ihm verbunden ist), sondern auch bei den Ausführenden (Wettbewerb, öffentliche Hochleistung in einem bestimmten Augenblick). Das ist so offensichtlich, dass für „Die Lange Nacht“ zum Sport-Schwerpunkt der Alten Oper Frankfurt praktisch alles in Frage kam und sich in ein üppiges Programm einbauen ließ, das als Nacht doch kurz, als Abend aber lang war. Bespielt wurden Säle und Foyers zum Teil auch parallel, die Zuschauer hatten die Wahl und Qual, sich zwischen Konzerten, moderierten Konzerten, Vorträgen zu entscheiden. Pro Runde bei dann halbwegs verschlossenen Türen immer (etwa) 40 Minuten.

Sportliche Musik. Musik ist in zweierlei Hinsicht sportlich. Blankes Virtuosentum kam in der „Langen Nacht“ ebenso zur Geltung wie Musik, die sich dem Sport widmet. Charakteristisch: In der ersten Runde im Großen Saal spielte das mitveranstaltende HR-Sinfonieorchester unter Christian Macelaru John Williams’ sensationalistische „Olympic Fanfare and Theme“ für die Eröffnung der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984, so dass gleich klar wurde, dass auch Pathos und Begeisterung für egal was Musik und Sport vereinen können.

Laut ist schon wichtig

Wie chancenlos blieb danach Carl Maria von Webers „Euryanthe“-Ouvertüre, bei der man an festliche Ritterturniere denken sollte, zu Recht, aber in der Musik ist das „lauter, am lautesten“ eben auch ein Maßstab. Arthur Honeggers „Rugby – Mouvement Symphonique“ erzählte später vom Lauern, Jagen, Angreifen. Und natürlich hörte man danach gerne Vilde Frang mit den HR-Sinfonikern Korngolds Violinkonzert in D-Dur spielen, was sich weniger aus dem Thema als aus der soeben vorgestellten Einspielung ergab.

Virtuose Musik trat in vielreicher Gestalt auf, köstlich und zugleich ambivalent etwa in der Mozart-Saal-Runde „Training und Regeneration“, wo alte (mit La Stagione Frankfurt) gegen neue Musik geschnitten wurde, die alte aber recht zahm, die neue rasant wirkte: Pianistin Anna d’Errico, die sich in einer harten Einheit durch Enno Poppes „Thema mit 840 Variationen“ arbeitete. Bettina Berger, die mit Robert Dicks „Flames Must Not Encircle Sides“ die klanglichen Möglichkeiten der Querflöte voll ausschöpfte. Und den Unterschied zwischen Training und Kunst klarstellte.

Kraftsport mit Martin Grubinger.  Foto: Tibor Florestan Pluto/Alte Oper

Sportliche Musiker. Musiker brauchen ihren Körper viel zu sehr, um sich ein Übermaß an Unsportlichkeit zu leisten, aber keinem sieht man das so an wie dem Schlagzeuger. Namentlich dem Schlagzeuger Martin Grubinger, der gegenwärtig Artist in Residence bei den HR-Sinfonikern ist. Es war schon ein aparter Unterschied, wie ökonomisch seine Kollegin Agnieszka Koprowska-Born im Mozart-Saal ein Iannis-Xenakis-Solo spielte („Rebonds B“) und wie ungemein ausholend Grubinger Xenakis’ „Psappha“ zuvor im Großen Saal absolviert hatte. Er gehörte zu denen, bei denen die imposant nach oben gehende Pulsschlagzahl an die Saalwand projiziert wurde. Im Abschlusskonzert Richtung Mitternacht gab es zu Martin Smolkas „Observing the Clouds“ passend eine Live-Partie Federball. Ja, Musiker können auch das.

Sportliche Zuschauer. Auch Stillsitzen hat eine sportive Seite. Vorab radelten aber 111 Freiwillige ums Haus und führten unter Thomas Gimnichs Leitung Mauricio Kagels „Flüchtige Aktion für 111 Radfahrer“ auf, die „Eine Brise“ heißt und sein kann. Hier vielleicht eher ein Spaß mit Potenzial.

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