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Musik

10. Februar 2016

Stefanie Heinzmann in Frankfurt: Alles Heinzmann

 Von 
Stefanie Heinzmann aus dem Wallis.  Foto: Sebastian Magnani / Universal Music

Endlich einmal eine Castingshow-Gewinnerin, die ganz groß rauskommt: Stefanie Heinzmann, die Schweizer Sängerin mit der Brille, jetzt auch in Frankfurt zu Gast.

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Als Stefanie Heinzmann schon einmal in Frankfurt auftrat, das gibt sie gleich nach dem Intro zu, da begrüßte sie die Leute mit einem überschwänglichen „Willkommen in Sankt Pauli!“. Ende 2013 war das, und die Problematik lag weniger darin, dass die junge Sängerin etwa Städte und Stadtteile miteinander verwechselt hätte, nein, es ging um den konkreten Ort des Geschehens. Der heißt Sankt Peter. Die Schweizerin weiß es inzwischen genau und ruft dem Partyvolk daher diesmal am nämlichen Ort zu: „Zur Sicherheit – hallo Frankfurt!“ Da lacht das archenvolle Kirchenschiff.

Mit zwei Liedern ihres jüngsten Albums ist die 26-Jährige zurzeit ständig im Radio. Eines davon, „On Fire“, singt sie beim Wiedersehen gleich am Anfang, das andere, „In The End“, passenderweise zum Schluss, knapp vor den Zugaben. Dazwischen gibt es jede Menge Soul und vor allem: Liebe, denn die kleine Person aus dem Wallis hat ein alpengroßes Herz und eine genauso große Stimme.

Einst holte sie sich damit den Sieg in einer Casting-Fernsehshow von Stefan Raab, deren Titel aus 19 aneinandergereihten Großbuchstaben bestand, darunter vier Vokale. Heute ist sie eine der wenigen Gewinnerinnen solcher Shows, die im weiteren Verlauf ihrer Karriere nicht an Wasserhäuschen und in Kindergärten auftreten, sondern in großen Hallen und auf Open-Air-Festivals.

Winkewinke

Und wozu? Zu Recht. Vom ersten Ton an steht ihre Stimme präsent im Raum, rockt ihre Band The Fonky Fonks das Gotteshaus, macht das Publikum alles mit – und sei es, zu „Roots To Grow“ dreieinhalb Minuten lang als chinesische Winkekatze den Arm zu schlenkern. Stilbildend ist das dosiert nachgezogene „… yah yah“ an strategischen Stellen in den Liedern. Zwischendurch erzählt Stefanie Heinzmann aus ihrem Leben, das ein Dorf im Schweizer Kanton Wallis als Basis hat und eine feste Grundüberzeugung: „Ich bin sehr gern der Mensch, der ich bin.“

Rührend, wie all die Fans der plappernden, kichernden Sängerin auf der Bühne aufmerksam zuhören, während sie – übrigens akzentfrei hochdeutsch – von der Chance redet, die jeder Moment birgt, von Regenwahrscheinlichkeiten, vom wunderwunderwunderschönen Abend, den wir zusammen haben mit Stefanie und ihrer wunderwundervollen Band.

Mut zum Zopf

Andere Sängerinnen hätten sich womöglich einen Künstlerinnennamen zugelegt, einen englischen (Steffie Hines vielleicht? Oder irgendwas, das nach der Hauptdarstellerin aus „Terminator“ klingt), wenn sie heißen würden wie das auf Motor- und Turbinenmanagement spezialisierte Unternehmen, das unverrückbar auf Platz 1 der Heinzmänner im deutschsprachigen Internet thront. Aber diese Sängerin steht zu ihrem Namen, wie sie zu ihrer Brille, ihrem Seitenzopf, ihren Lippenpiercings und ihren Tätowierungen steht. Die Leute lieben das, und Stefanie Heinzmann liebt die Leute, daran kann nach diesem Abend kein Zweifel sein. Gäbe es mehr Stefanie Heinzmanns, wäre diese Welt ... viel heinzmanniger.

Toll: die Coverversionen von „Higher Ground“ (Stevie Wonder) und „Uptown Funk“ (Mark Ronson). Schade: der 2008er Kracher „My Man Is A Mean Man“, der in der Zugabe als Barstuhl-Version austrudelt. Weitere Erkenntnisse des Abends: Alle Anwesenden unerbittlich zum Mitsingen zu animieren, macht das Gesamtergebnis nicht direkt besser, aber garantiert lauter. Und wer schon lang nicht mehr „Hey, Meister!“ genannt wurde, sollte mal versuchen, ein Sankt-Peter-Konzert im schmalen Gang neben dem Glasmuster zu verfolgen, das den Blick auf die Bühne vereitelt.

Stefanie Heinzmann unterwegs: 11.2. in Nürnberg, 13.2. in Stuttgart, 19.2. in Magdeburg.

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