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Musik

19. Januar 2016

US-Rockband Eagles: Glenn Frey - unsterblich eigentlich

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Glenn Frey war Mitgründer und Gitarrist der US-amerikanischen Country-Rock-Band "Eagles".  Foto: dpa

„Take It to the Limit“, „Lyin' Eyes“, „Hotel California“: Mit den Eagles fanden die 1970er Jahre in den USA zu dem Rock, der bis heute nachhallt. Nun verliert das Quartett ihren Mitbegründer, den Gitarristen Glenn Frey.

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Nimm’s leicht“, sang Glenn Frey im ersten richtig fetten Hit der Eagles, in der Trucker- und Schwerenöter-Ballade „Take It Easy“ (1972): „Lass dich nicht vom Sound deiner eigenen Räder verrückt machen. Entspann dich, so lang du kannst, versuch nicht, zu verstehen, finde einfach deinen Platz und take it easy.“ Unfassbare vier Jahrzehnte ist das her. Und am Ende eines langen und majestätischen Höhenflugs der Eagles war am Dienstag gar nichts mehr easy – da wurde bekannt, dass Glenn Frey tot ist.

Nicht nur in Amerika, weltweit trauern alle, die Ohren haben, denn was wäre konsensfähiger in der Musikgeschichte als ein Eagles-Song? Frey habe „den Soundtrack meines Lebens geschrieben“, bekennt der Schauspieler Rob Lowe. Und die Band One Republic, eigentlich eine ganz andere Generation, twittert: „Deine Musik ist in meinem Kopf eingebrannt, bis ich sterbe!“

Glenn Freys Musik, das war die Musik der Eagles. Er zog eine Weile solo umher, als die Band zerstritten war, er verirrte sich mit „The Heat Is On“ in den Hollywood-Klamauk „Beverly Hills Cop“, aber für die Fans bildete er mit Don Henley die beiden starken Flügel der Eagles: bis 1981 und dann, nach der Versöhnung, wieder ab 1994.

Frey wurde in Detroit geboren, fing als Fünfjähriger am Klavier an und ließ sich 1964 von den Beatles von der Gitarre anstecken. Folgerichtiger Name seiner frühen Band: Mushrooms. Die Eagles entstanden 1971, um die Countrysängerin Linda Ronstadt zu begleiten. Eine Aufgabe, die sie offenbar nicht sonderlich ausfüllte. Schon im Juni 1972 hatten Frey, sein kongenialer Songwriting-Partner Henley (Schlagzeug), Bassist Randy Meisner und Saitenvirtuose Bernie Leadon das erste eigene Album fertig.

Glenn Frey in den 70ern.  Foto: dpa

Außer „Take It Easy“ ist auf diesem Debüt auch „Peaceful Easy Feeling“ drauf. Ein Lied, das Ende der 70er Jahre für junge, aufbegehrende Punks und New Waver zur Qual am Lagerfeuer werden konnte. Wer immer eine Klampfe hatte, musste zwanghaft „Peaceful Easy Feeling“ spielen, wenn auch erst nach „Leaving On A Jet Plane“. Aber anders als John Denver oder Cat Stevens schafften es die Eagles irgendwie, auch bei den Leuten mit den bunten abstehenden Haaren noch eine Kralle in der Tür zu behalten. Wo die Toto- und Saga-Platten längst unter der Bettwäsche im Schrank versteckt lagen, wenn zur Saufparty geladen wurde, waren die Eagles-Spuren eigentlich kein Problem, das zu beseitigen man sich Mühe geben musste.

Und damit zu den Lebensbeichten. Es gibt kein Lied auf der Welt, dessen Gitarrensolo der Autor so mitpfeifen kann wie das Solo aus „Hotel California“. Und dieses Solo ist immerhin zwei Minuten und zehn Sekunden lang. Leider spielt das Solo nicht Glenn Frey, sondern Don Felder im Wechsel mit Joe Walsh. Aber es ist magisch, unvergesslich wie das ganze Lied. Und da wir schon mal dabei sind: Ohne „New Kid In Town“, ebenfalls auf der Eagles-LP „Hotel California“, wäre das Leben des Autors öd und leer verlaufen, auch wenn es eine irrsinnige Schnulze ist.

„New Kid In Town“ ist in Aufbau, Text und Instrumentierung der perfekte amerikanische Popsong, unsterblich eigentlich wie sein Sänger Glenn Frey. Das Lied handelt von einem Mann, der seine Liebste an den Neuen verloren hat und offenbar auch all seinen Halt, es fließen Tränen, es fällt der Satz: „They will never forget you till somebody new comes along.“

Glenn Frey schaffte es, erst mit Vokuhila und Schnurrbart, später als Smartie im Schlips charismatisch zu sein. Eine Kombination aus Rheuma, Darmerkrankung und Lungenentzündung hat ihn mit 67 Jahren umgebracht. Eigentlich sollte die Band Anfang Dezember in Washington geehrt werden, sie verschob den Besuch aber mit Rücksicht auf Freys Gesundheit um ein Jahr.

Natürlich wird man im Lebenswerk eines jeden Autors Sätze aufstöbern, die im Moment seines Abschieds passen wie der Korken auf die Flasche beziehungsweise Freys grandioses E-Piano auf „I Can’t Tell You Why“ (1980). Jetzt, da der erste Eagle gelandet ist, fällt allerdings auf, wie viele solcher Sätze er hinterlässt. Die Band postete in der Nacht zum Dienstag den Text von „It’s Your World Now“ auf Facebook, das letzte Lied des letzten Eagles-Studioalbums von 2007. „Der Vorhang fällt, ich verbeuge mich – es ist jetzt eure Welt“, schrieb Glenn Frey damals.

Aber die meistzitierte Zeile an diesem Tag kann nur der Schlusssatz aus „Hotel California“ sein: „You can checkout any time you like – but you can never leave.“

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