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Musik

01. März 2016

Violent Femmes "We Can Do Anything": Wahrscheinlich die großartigste Band der Welt

 Von 
Das sind sie wieder: Violent Femmes.  Foto: Herman Asph

Das erste Album der Violent Femmes seit 15 Jahren: „We Can Do Anything“ beweist genau das, was der Titel ankündigt. Die Violent Femmes können alles.

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Die Violent Femmes aus den Vereinigten Staaten von Amerika sind eine fantastische Band. Wahrscheinlich eine der großartigsten Bands, die es je gab auf dieser Welt. Und es gibt sie immer noch. Und sie haben sogar ein neues Album aufgenommen – das erste seit 15 Jahren.

Als die Violent Femmes ihr erstes Album überhaupt aufnahmen, hatten sie schon etwas Aufregendes hinter sich. Da waren sie in ihrer Heimatstadt Milwaukee gern musizierend übers Trottoir gezogen, auch am 23. August 1981, um wie üblich einige ihrer Lieder ins öffentliche Leben zu scheppern, Gordon Gano an der Gitarre, Brian Ritchie am Bass, Victor DeLorenzo am Schlagzeug – da standen plötzlich die Pretenders aus England vor ihnen und mochten die Musik. Chrissie Hynde persönlich, die Pretenders-Sängerin und weltweit göttinnenhaft Verehrte, lud sie ein, ein kleines Akustik-Set zu spielen. Im Oriental Theatre, dem Ort, an dem die berühmten Briten an diesem Abend auftraten.

So kam es. Und wie sich erwies, mochten nicht nur die Pretenders ihre Musik, es ging auch anderen Leuten so. Besonders, als die erste LP „Violent Femmes“ auf den Markt kam – eine Platte, die man hundert Mal am Stück hören und mitsingen und mitscheppern konnte, mit Liedern wie „Blister In The Sun“, „Gone Daddy Gone“, „Prove My Love“, designierten Lieblingsliedern für Mädchen und Jungen. „Femmes“ steht übrigens nicht für Frauen, sondern ist in Milwaukee der gebräuchliche Ausdruck für Weicheier. Die Band heißt also: Gewalttätige Weicheier.

Dem Wahnsinn nahe Texte

Das zweite Violent-Femmes-Album „Hallowed Ground“ überwältigte 1984 mit teils subtil-religiösen und dem Wahnsinn nahen Texten. Der „Country Death Song“ erzählte die mehr als hundert Jahre alte und leider wahre Geschichte eines Vaters, der sein eigenes Kind in einen Schacht stößt, um sich selbst danach in der Scheune zu erhängen. Dazu das Geschrammel von Klampfe, Snare und Akustikbass. Das Blut gerinnt einem jedes Mal in den Ohrmuscheln, wenn man’s hört.

Aber das ist alles dreißig Jahre her. Kann man nicht endlich auf das neue Album zu sprechen kommen? Doch, das sollte man, denn was war schon groß zu hören von den Violent Femmes nach der Jahrtausendwende? Eine schöne Coverversion des Gnarls-Barkley-Krachers „Crazy“ war 2008 zu hören, nachdem Gnarls Barkley zuvor eine schöne Coverversion von „Gone Daddy Gone“ mit einem kreativ animierten Insektenvideo veröffentlicht hatte. Voriges Jahr kam dann die EP „Happy New Year“ von den Femmes.

Tja, und jetzt eben das neue Album. Es heißt „We Can Do Anything“, und das stimmt. Die Violent Femmes können alles. Es ist wieder eine muntere Mischung aus Country, Folk und einer Spur Punk. Es scheppert wieder ganz ordentlich. Es hat nette Melodien und Gordon Ganos leicht quengeligen Gesang. Es sind auch sporadisch wieder die Horns of Dilemma zur blasmusikalischen Unterstützung dabei.

Aber es ist ein Album wie die anderen Femmes-Alben seit 1986 – davon war keines wie die beiden ersten. Ihre besten Momente haben sie inzwischen auf der Bühne, wenn etwa Brian Ritchie auf seinem Kontrabass herumturnt. Das geschieht momentan in Neuseeland und Australien, aber irgendwann sind die drei auch mal wieder bei uns. Freuen wir uns darauf.

Violent Femmes: We Can Do Anything. Pias Recordings/Rough Trade.

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