Wärme ist eine Qualität des Klangs, nicht der gespielten Noten. Auf dem Album „Silent Sitting Bulls“ von Norbert Steins Pata Horns & Drums lassen sich die Wärmequellen gut orten: Es sind die vier Musiker selbst, die Intensität und spezifische Farbigkeit ihrer Intonation und Artikulation. Drei Bläser (Norbert Stein, Saxofon, Nicolao Valiensi, Euphonium, Michael Heupel, Flöten) und ein Perkussionist (Christoph Haberer) produzieren eine spätsommerlich temperierte, tänzerisch elegante Blasmusik, und wenn sie ein Wein wäre, dann wäre er tiefrot, aromatisch und von intensiver Körperlichkeit, durchaus berauschend, nicht süffig, sondern breitschultrig und wissend.
Denn bei aller erklingenden Freundlichkeit kennt diese Musik doch auch ganz andere Farben und Formen, nur bindet sie alles ein in diesen kommunikativen, runden Kontext, in dem alles Schrille, Ruppige nie destruktives, sondern nur bereicherndes Element ist in einer vorübergehend geschlossenen Welt.
Es sind die dieser Musik inhärenten Frei- und Toleranz-Räume, die vielem, was durchaus schrill klingen könnte, die Spitze und Schärfe nehmen. Es ist die Kompositionskunst Norbert Steins, die thematische Rahmungen schafft, in denen die Band vieles tun und durchaus vehement aus sich herausgehen kann, ohne etwas falsch zu machen. Der Titel „Silent Sitting Bulls“ könnte eine Anspielung enthalten, aber ob es in diesem Assoziationsraum um Stiere vor oder nach dem finalen Kampf geht oder um Robert Altmans Film über Buffalo Bill, muss man nicht entscheiden: In dieser Musik ist jederzeit genug möglich. ( )