kalaydo.de Anzeigen

Wiener Philharmonie: Rituale der Maßlosigkeit

Wiederholung als Steigerung, Penetranz als Rausch, sich türmende Klangkuben, Gesten der Anbetung und Zerknirschung - die Wiener Philharmoniker unter Lorin Maazel sind weit weg von kompositorischer Maßhaltigkeit.

Dirigent Lorin Maazel bei der Arbeit.
Dirigent Lorin Maazel bei der Arbeit.
Foto: dpa

Das Konzert des Rheingau Musik Festivals zur Winterszeit in der Alten Oper ist so etwas wie Nachklang der vergangenen und Vorgeschmack der kommenden Saison: Diesmal waren die Wiener Philharmoniker unter Lorin Maazel zu Gast und bescherten mit Bruckner und Strawinsky zwei Komponisten, die den rituellen Charakter von Musik stark machen: Wiederholung als Steigerung, Penetranz als Rausch, sich türmende Klangkuben, Gesten der Anbetung und Zerknirschung - alles weit weg von kompositorischer Maßhaltigkeit.

"Le sacre du printemps", Strawinskys neo-archaisches Meisterwerk, erschien unter den Händen Maazels wie eine Addition aus "Feuervogel" und "Petruschka". Die impressive Farbigkeit der im Gefieder gefangenen Prinzessin, die Brutalität des Zauberers Kastchei und die arme Petruschka-Puppe, die im Jahrmarktstrubel erschlagen wird - das Frühlingsopfer war eine transparente Klangbilderwelt, die ansonsten immer in Rhythmusberserkerei versteckt bleibt. Das Orchester glänzte ebenso bei den üppigen Farbflächen, die Maazel dem Stück entlockte, wie in den strahlend-düsteren polyphonen Mechanismen der Opferhandlung.

Bruckners Ritualität ist dagegen weniger kalkuliert und artistisch, aber so aufs Kolossale gerichtet, wie Maazel die Klangregister der Wiener Menschenorgel bei der dritten Sinfonie zog, lag deutlich "Sacre"-Stimmung in der Luft. Langsamer, schwerer und mit stärkeren agogischen Setzungen als in seiner legendären Platten-Aufnahme aus den 60er Jahren mit dem RSO Berlin, war die Synthese aus Präzision und Inbrunst in cinemascopischem Breitwandformat gemildert - mit superben Streichern und manchmal etwas zähen Holzbläsern. (usk)

Datum:  22 | 2 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!

Meistgeklickt
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister 

Video