Homogenität hat einen Namen: Hagen. Und das nicht nur, weil das Quartett gleichen Namens aus drei Geschwistern besteht, sondern weil diese seit früher Kindheit (damals noch mit einem weiteren Geschwister) gemeinsam musizieren. Hier liegt man auf einer familiär bewegten Welle, und die schwingt vom ersten Ton an. Gleichklang und Festigkeit folgten.
Beim Museumskonzert in Frankfurts Alter Oper machte man mit Joseph Haydns Streichquartett B-Dur op. 76 Nr. 4 den Beginn. Wunderbar, wie an der absolut glatt gezogenen Klangdecke des ersten Akkords die kleine Motiv-Girlande wie eine Troddel hing und dann die Dynamisierung des Fortgangs bestimmte. Wunderbar auch, wie das einzige nichtfamiliäre Mitglied des Quartetts, Rainer Schmidt als zweiter Geiger, sich ins Spiel einmischte. Von Beethovens Quartett-Sprache aus, die mit dem A-Dur-Quartett op. 18 Nr. 5 erklang, schien man auf Haydn zu blicken, so wenig tändelnd-gewitzt und dafür entsprechend gewichtig formuliert, kam der Spiritus Rector der Wiener Klassik daher.
Und Felix Mendelssohn Bartholdy war mit seinem Streichquartett a-Moll op. 13 nicht die Manifestation einer romantischen Verdunstung klassischer Ausdruckssteigerung, sondern ein direkter Anschluss an diese. Und zwar genau an der Stelle, wo der klassische "Großmogul" seine Klangrede beendet hatte - beim aus aller Konformität ausbrechenden Spätwerk.
Mit breitem Strich, mit festem und heftigem Gestus wurde hier bei Mendelssohn Bartholdys erstem Quartett eine unmittelbare Korrespondenz zur späten Heftigkeit und Unpoliertheit Beethovens ohrenfällig. Vielleicht die verblüffendste Erfahrung dieses Hagen-Quartett-Abends: einen Jungen zu erleben, der seinen Beginn mit dem Spätwerkformat eines Alten macht.