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Musik

20. März 2016

Zélia Fonseca in Frankfurt: Unter Weggefährten und Freunden

 Von Volker Schmidt

Die aus Brasilien stammende Singer-Songwriterin Zélia Fonseca in Frankfurts Brotfabrik.

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Der Trend geht zum Zweitcello. Zélia Fonseca, aus Brasilien stammende Singer-Songwriterin, lässt – neben ihrer akustischen Rhythmus- und einer solistischen E-Gitarre, Schlagzeug und Bass – gleich zwei der tiefen Streicher mal melodisch duettieren, mal Rhythmus-Riffs beisteuern. Wobei Zweitstreicher Cornelius Thiem öfter pausieren darf; Rosana Levental gehört seit vielen Jahren fest zur Band.

Langjährige Weggefährten – dazu zählt auch Drummerin Angela Frontera aus Sao Paulo – und neue Akzente bestimmen den Abend in der Brotfabrik. Im Weichfeld der Mannheimer Soul-Söhne hat E-Gitarrist Kosho (Michael Koschorreck) funkadelische Figuren aufgesammelt, mit denen er und Sebastian Schlappner am trocken bummernden Rickenbacker-Bass den Brasilo-Rhythmen urbanes Gepräge verpassen.

Auch die Brotfabrik kennt Zélia Fonseca gut: Alle Alben ihres Duos Rosana & Zélia wurden hier präsentiert, ein Live-Album aufgenommen. Mit Rosana Tavares war Fonseca nach Europa gekommen, als beide noch Studentinnen waren; sie traten erst in Portugal auf und gerieten 1989 über Finnland nach Frankfurt. 2006 starb Rosana Tavares.

2010 nahm Zélia Fonseca ihr erstes Solo-Album auf, „Impar“, mit „O terceiro olho da albelha“ ist sie jetzt auf Release-Tour. Sie war schon in mehreren Städten auf Station, bevor es sie in die Brotfabrik verschlug, darunter in Heidelberg, wo sie mittlerweile wohnt.

Bekannte begrüßen

Fonseca begrüßt Bekannte, die Portugiesischkenntnisse im Publikum sind überdurchschnittlich. Für alle, die der Sprache nicht mächtig sind, fasst die Sängerin ihre Texte kurz zusammen, aber die Poesie der Zeilen bleibt verschlossen. Mit gemeinhin synonym für Brasilien verwendeten Stilen wie Samba und Bossa Nova hat Fonseca wenig am Hut. Sie stammt aus dem Bergarbeiter-Bundesstaat Minas Gerais, wo sich viel Sklavenschmerz und Armenfrust in die Musik mischen, wo der farbenfrohe Karneval und der schicke Strand von Ipanema weit entfernt sind. Afrika schwingt mit in ihren Songs, Rhythmen wie Maracatú oder Choro. Ein fester Bezugspunkt ist die Congado ihrer Heimat, ein trommelsattes katholisches Fest, das auf heidnische Riten aufsetzt.

Rosana & Zélia standen mit Größen der Weltmusik- und Jazzszene auf der Bühne, mit Compay Segundo, John McLaughlin oder Joe Zawinul. Die Zeiten sind – vorerst – wohl vorbei. Dafür fühlt sich der Auftritt in der Brotfabrik angenehm heimelig an: ein Konzert unter vielen Freunden und noch mehr Freundinnen.

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