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Musik

09. März 2016

Zum Tod von George Martin : Noch ein Beatle weniger

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George Martin, hier in den frühen 60ern, betrachtet die Erdbeerfelder nun von unten.  Foto: REUTERS

Der Produzent George Martin ist 90-jährig in London gestorben, er schrieb Musikgeschichte.

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Für eine ganze Generation war George Martin der erste, für viele der einzige Musikproduzent, dessen Namen sie kannten, denn George Martin war der Produzent der Beatles. Im Januar gratulierte ihm praktisch die Welt zum 90. Geburtstag, wie so oft stand er als aussichtsreichster lebender Anwärter auf das umkämpfte Prädikat „fünfter Beatle“ im Rampenlicht. Am Mittwoch nun twitterte Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr ein Schwarzweiß-Foto der fünf. „Gott segne George Martin, Frieden und Liebe für Judy und seine Familie“, schrieb er. „Wir werden George vermissen. Danke für Deine Liebe und Freundlichkeit.“

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Martin war schon 36, als er die Fab Four für die Plattenfirma Parlophone unter Vertrag nahm. Eigentlich fand er die Demo-Aufnahmen schlecht, den Gesang eher mittel und den Schlagzeuger Pete Best ungeeignet. Aber ihm gefiel der Humor der vier aus Liverpool. Und an den Trommeln saß bald schon Ringo Starr.

Der Rest ist Musikgeschichte. George Martin holte die Band in die Abbey Road Studios, produzierte fast alles, was je von den Beatles erschien, spielte vereinzelt selbst mit und hatte den Mut zu frühen Klangexperimenten. Ein Meilenstein war die Doppel-A-Seite „Penny Lane/Strawberry Fields Forever“, die nicht nur Rückwärtsaufnahmen, legendäre Bläser- und Celloeinsätze enthält – unerhört für 1966. Der Produzent brachte es auch fertig, in „Strawberry Fields Forever“ zwei Gesangsspuren von John Lennon zu koppeln, die nicht zu koppeln waren.

Der Dialog ist in dem Buch „The Complete Beatles Recording Sessions“ von Mark Lewisohn zitiert. Lennon: „Warum verbindest du nicht den Anfang der ersten Spur mit dem Ende der zweiten?“ Martin: „Zwei Gründe sprechen dagegen. Sie sind in unterschiedlicher Tonart und in unterschiedlichem Tempo. Abgesehen davon, gern.“ Lennon: „Ach, du kriegst das hin.“

George Martin kriegte es hin, nachzuhören auf der berühmten Schallplatte. Der Schnitt ist bei der 60-Sekunden-Marke, mitten im Satz „Let me take you down, cause I’m“ – Schnitt – „going to strawberry fields“. Im Prinzip war es eine Arbeit, die ins digitale Zeitalter gehört, bewerkstelligt kurz nach Erfindung des Stereo-Effekts. Ein Zeitsprung. Dennoch nannte Martin die Veröffentlichung von „Penny Lane/Strawberry Fields Forever“ einen „schrecklichen Fehler“, denn gemäß Beatles-Philosophie fand die Single keine Aufnahme ins nächste Album. Mithin fehlten die beiden Songs auf „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ und erschienen in Britannien erst 1976 auf der erweiterten Version der EP „Magical Mistery Tour“.

Bereits 1969 hatte Martin eine weitere interessante Entscheidung getroffen: Er lehnte es ab, „Space Oddity“ für David Bowie zu produzieren, auch so eine Platte für die Ewigkeit. Aber angesichts von mehr als 5000 Musikstücken, drei Grammys und der Auszeichnung Commander of the Order of the British Empire in der Vita dürfte er es verschmerzt haben.

Wie Ringo Starr kondolierten auch Yoko Ono und Premier David Cameron Martins Witwe Judy – per Twitter. Noch so ein Zeitsprung.

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