Sie ist pechschwarz, sechs Zentimeter lang und hat riesige Kiefer, die sogar die Vorderbeine überragen. Selbst Michael Ohl, der am Berliner Naturkundemuseum die Insektenabteilungen leitet, findet ein solches Wespen-Exemplar bedrohlich. Glücklicherweise wurde die Monsterwespe aber nicht hierzulande auf einem Stück Pflaumenkuchen entdeckt, sondern im fernen Indonesien auf der Insel Sulawesi.
Vor einigen Monaten sammelte die Insektenforscherin Lynn Kimsey von der University of California in Davis zwei solcher Tiere bei einer Expedition ein. „Als ich sie zum ersten Mal sah, wusste ich gleich, dass sie etwas Ungewöhnliches sind“, berichtet sie.
Das Bonobo-Äffchen zeigt sich hier von seiner schönsten Seite. Doch das könnte nicht mehr lange der Fall sein, denn selbst in den Nationalparks der Demokratischen Republik Kongo ist es nicht mehr sicher und wird von Wilderern bedroht. Wenn es wüsste, wie es um die Zukunft seiner Artgenossen bestellt ist, wäre ihm anstelle des breiten Grinsens die Angst ins Gesicht geschrieben.
Foto: Andreas ArnoldUm die beiden Wespenmännchen zu bestimmen, fragte sie den Berliner Spezialisten Ohl um Rat. „Ich hatte ein solch beeindruckendes Exemplar einer Wespe schon einmal in einem niederländischen Museum gesehen und wollte nun wissen, ob es auch in unserer Sammlung eine derartige Wespe gibt“, berichtet Ohl. Und tatsächlich wurde er fündig: Bereits Anfang der 1930er-Jahre hatte ein Ornithologe zwei männliche Monsterwespen von einer Indonesien-Expedition mitgebracht. „Mit ihrer Körpergröße und der pechschwarzen Färbung ist diese Wespe eine wirklich beunruhigende Erscheinung“, erklärte der Entomologe Michael Ohl
Zusammen mit der kalifornischen Forscherin machte Ohl sich an die Bestimmung des Tieres. Die niederländischen Kollegen stellten ihnen dafür auch ihr Exemplar zur Verfügung – ein Weibchen, das im Jahr 1989 gefunden wurde. Wie die Experten feststellten, zählt das kleine Monster aus Sulawesi zu den Grabwespen – und zwar zur Gattung Dalara. Innerhalb dieser Gattung ist es eine nie zuvor beschriebene Art. Die beiden Forscher wollen dem Tier nun den Namen Dalara garuda gegeben. Garuda ist das Nationalsymbol Indonesiens und stellt einen geflügelten Kämpfer dar. Die wissenschaftliche Publikation zu der Entdeckung bereiten die beiden Insektenforscher derzeit vor.
Wozu das Tier seine großen Kiefer benötigt und wie es lebt, wissen sie allerdings nicht. Bislang wurden die Tiere nicht in freier Natur beobachtet. Weil Forscher in den vergangenen Jahrzehnten erst fünf Exemplare zu Gesicht bekommen haben, geht Ohl davon aus, dass die Riesenwespen recht selten sind.
Immerhin sind aber viele andere Grabwespen erforscht – allein in Deutschland hat man bereits 250 Arten gefunden und beschrieben. Das hilft dabei, über die Lebensweise der indonesischen Riesenwespe zu spekulieren.
„Die großen Kiefer, die nur bei den Männchen vorkommen, spielen vermutlich eine Rolle bei der Verteidigung und beim Sexualverhalten“, sagt Ohl. Wenn sie sich gegen einen Feind zur Wehr setzen müssen, können die Tiere mit den scherenartigen Mundwerkzeugen schmerzhaft zubeißen. Und beim Liebesakt brauchen die Männchen die Kiefer, um sich am Weibchen festzuklammern. „Grabwespen sind Einzelgänger. Die Weibchen neigen dazu, zu flüchten, wenn sich ihnen ein Männchen nähert“, erläutert Ohl.
Einen Stachel am Hinterleib weisen dagegen nur die Grabwespen-Weibchen auf. „Sie lähmen andere Insekten mit einem Stich und schleppen ihre Opfer in ihren unterirdischen Gang“, erläutert Ohl. Dieser Gang endet für gewöhnlich in mehreren Zellen. In jede dieser Zelle deponiert das Wespenweibchen ein geraubtes Insekt, legt ein Ei darauf ab und versiegelt die Zelle.
In der Gewissheit, ihrem Nachwuchs ein nahrhaftes Startpaket hinterlassen zu haben, macht sich die Grabwespe davon und überlässt die Larven ihrem Schicksal. Dalara-garuda-Weibchen sind wohl auch derartige Rabenmütter. Ohl hofft, dass sich bald ein Verhaltensbiologe nach Sulawesi aufmacht, um das zu überprüfen: „Ich wüsste auch gerne, was die Tiere fangen und wie ihr Nest aussieht.“
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