Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Natur

09. Januar 2012

Fleischfressende Pflanzen: Philcoxia jagt mit Wurmfalle

Philcoxia minensis  Foto: dpa

Nichtsahnend leben Fadenwürmer im Erdboden. Ihnen droht der Tod, wenn sie auf die einzigartige Fangstrategie der fleischfressenden Philcoxia Minensis hereinfallen, die in Brasilien vorkommt.

Drucken per Mail
Washington –  

Forscher haben einen völlig neuen Typ von fleischfressenden Pflanzen entdeckt: Die in Brasilien wachsende Philcoxia minensis nutzt winzige klebrige Blätter, um im Boden lebende Fadenwürmer zu fangen und zu verdauen. Diese Fangstrategie sei einzigartig. Man kenne keine andere fleischfressende Pflanzenart, die ihre Blätter als unterirdische Klebfallen einsetze, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Die Pflanzen der Gattung Philcoxia gehören zur Familie der Wegerichgewächse und kommen ausschließlich in der Cerrado-Region Brasiliens vor, einem nährstoffarmen, von Felsen und weißem Sand bedeckten Lebensraum. Bereits zuvor hatten Forscher festgestellt, dass die Wurzeln dieser unscheinbaren Pflanze kaum ausgebildet sind und sie darin einigen fleischfressenden Pflanzen ähnelt.

Auf der Mikroskopaufnahme der Oberfläche eines Blattes eines Philcoxia minensis sind Sandkorn, Drüsen und Nematoden (Fadenwürmer) zu sehen
Auf der Mikroskopaufnahme der Oberfläche eines Blattes eines Philcoxia minensis sind Sandkorn, Drüsen und Nematoden (Fadenwürmer) zu sehen
 Foto: dpa

„Das auffallendste Merkmal ist jedoch, dass die Pflanze zahlreiche ihrer nur 0,5 bis 1,5 Millimeter kleinen Blätter unter die Oberfläche des Sandbodens absenkt“, schreiben Caio Pereira von der Universidade Estadual de Campinas in Brasilien und seine Kollegen. Auf den winzigen Blättern sitzen zahlreiche Drüsen, die die Oberfläche klebrig machen. Bei näherer Betrachtung entdeckten die Wissenschaftler auf den Blättern zahlreiche anklebende Sandkörner, aber auch tote, weniger als einen Millimeter lange Fadenwürmer. Das habe bei ihnen den Verdacht geweckt, dass Philcoxia fleischfressend sein könnte und sich von diesen Fadenwürmern ernähre, sagen die Forscher.

Pflanze wurde mit markierten Fadenwürmern gefüttert

Um ihre Hypothese zu testen, markierten die Forscher Fadenwürmer mit einer speziellen Form des Stickstoffs. Die Würmer gaben sie in den Boden von Töpfen mit Philcoxia-Pflanzen. Nach 24 und 48 Stunden prüften sie, ob der als Marker genutzte Stickstoff in den Blättern der Pflanze nachweisbar war.

Bereits nach 24 Stunden fanden die Wissenschaftler fünf Prozent des Stickstoffs aus den Fadenwürmern in den Blättern, nach 48 Stunden waren es 15 Prozent. „Das deutet darauf hin, dass die Pflanzenblätter die Fadenwürmer verdaut und schnell aufgenommen haben“, meinen die Forscher. In den Blättern von Philcoxia habe man zudem eine hohe Aktivität von Verdauungsenzymen festgestellt, berichten die Wissenschaftler. Das zeige, dass nicht etwa auf den Blättern siedelnde Bakterien die Würmer zersetzten, sondern dass die Pflanze selbst die Würmer verdaue. Sie sei daher tatsächlich fleischfressend. Die auf diese Weise gewonnenen Nährstoffe helfen der Pflanze, auf kargem Boden zu überleben.

Nach Ansicht der Forscher weist die verborgene und auf extrem kleine Beute spezialisierte Fangmethode von Philcoxia darauf hin, dass es möglicherweise noch mehr unerkannte fleischfressende Pflanzen gibt. Bisher schätze man deren Anteil auf rund 0,2 Prozent aller Blütenpflanzen, aber dieser Wert sei vielleicht deutlich zu niedrig, schreiben Pereira und seine Kollegen. (dapd)

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Videonachrichten Wissen
Ressort

Nachrichten über Pflanzen, Tiere und Tierforschung, Meere und ihre Bewohner, Mumien und Fossilien.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.