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Natur

29. August 2012

Forscher vermuten: Riesige Mengen Methan in der Antarktis

Eis, Eis und nochmal Eis - die Antarktis ist fast vollständig davon bedeckt. Das war nicht immer so. Wimmelndes Leben, dichter tropischer Wald - so muss einer der unwirtlichsten Orte der heutigen Erde vor 52 Millionen Jahren ausgesehen haben. Foto: dpa

Vor rund 35 Millionen Jahren war die Antarktis noch mit Leben erfüllt - heute ist sie mit Eis bedeckt. Über Millionen von Jahren könnten Mikroben unter der Eisdecke gelebt und Methan erzeugt haben. Schmilzt nun das Eis, wird das Treibhausgas in die Atmosphäre freigesetzt und könnte den Klimawandel verstärken.

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Vor rund 35 Millionen Jahren war die Antarktis noch mit Leben erfüllt - heute ist sie mit Eis bedeckt. Über Millionen von Jahren könnten Mikroben unter der Eisdecke gelebt und Methan erzeugt haben. Schmilzt nun das Eis, wird das Treibhausgas in die Atmosphäre freigesetzt und könnte den Klimawandel verstärken.

London –  

Bis zu vier Milliarden Tonnen des Treibhausgases Methan könnten unter dem Eis der Antarktis eingeschlossen sein. Das zeigen Berechnungen eines internationalen Forscherteams. Ausgangspunkt des Modells ist die Tatsache, dass der Kontinent vor rund 35 Millionen Jahren statt mit Eis mit Wasser bedeckt war. Im Laufe der Zeit hätten Meerestiere und Pflanzen organisches Material hinterlassen, welches heute in Sedimenten eingelagert unter der Eisdecke begraben sei, berichten die Forscher im Fachmagazin „Nature“
Daten anderer Gletschereisfelder zeigten bereits, dass dort keineswegs lebenswidrige Bedingungen herrschen. Mikroben fühlten sich wahrscheinlich sogar sehr wohl unter dem Eis und könnten über Millionen von Jahren das alte organische Material in Methan umgewandelt haben. Falls ihre Berechnung sich in weiteren Studien bestätige, hätte dies weitreichende Folgen für das Klima, warnen die Forscher. Denn durch die globale Erwärmung könne die Eisdecke schmelzen und das Methan entweichen. Als Treibhausgas in der Atmosphäre würde es den Klimawandel verstärken.

Zehnfache Menge des Nordpols

Dass am Meeresboden, in Seesedimenten und unter kilometerdicken Eisschichten große Mengen Methan lagern können, sei allgemein bekannt, schreiben Jemma Wadham von der University of Bristol School und ihre Kollegen. Denn unter bestimmten Bedingungen zersetzten Mikroben das organische Material, das dort ehemals angesiedelte Lebewesen hinterlassen hätten. Durch den hohen Druck und niedrige Temperaturen in der Tiefe werde das Methan schließlich in Form von Hydraten gespeichert, einem eisartiger Feststoff. Am besten erforscht seien die riesigen Methanhydratspeicher unter dem Meer und den Eisschichten der Arktis, sagen die Forscher. Für die Antarktis hätte man Ähnliches zwar bereits vermutet, das Ausmaß der Methanansammlungen sei dort jedoch bisher nicht berechnet worden.
„Man vergisst leicht, dass der antarktische Kontinent vor rund 35 Millionen Jahren, bevor sich das Gletschereis bildete, noch mit Leben erfüllt war“, sagt Co-Autor Slawek Tulaczyk von der University of California in Santa Cruz. Anstelle von Eis befand sich dort Wasser, wodurch sich über Millionen von Jahren marine Sedimente am Meeresgrund ablagerten. Mit Hilfe bereits vorhandener Daten schätzten die Forscher die Menge des organischen Materials unter der antarktischen Eisdecke auf 21.000 Milliarden Tonnen. „Das ist die über zehnfache Menge verglichen mit den Sedimentablagerungen unter den Eisschichten am Nordpol,“ sagt Studienleiterin Wadham.

Vier Milliarden Tonnen Methan

Ob Bakterien auch die marinen Sedimente unter der antarktischen Eisdecke zu Methan zersetzen, sei noch nicht direkt erforscht worden, sagen die Forscher. Daten ähnlicher Gletschereisgebiete in Grönland oder der kanadischen Arktis wiesen jedoch darauf hin, dass die Lebensbedingungen für die Mikroben gegeben sind. Insgesamt könnten diese Einzeller bereits vier Milliarden Tonnen des Treibhausgases gebildet haben, schätzen die Forscher. Ähnliche Mengen werden unter der arktischen Eisdecke vermutet. Anhand eines Modells für Hydratbildung errechneten die Wissenschaftler zudem, dass Druck und Temperatur ausreichen, damit das Methangas nicht einfach entweicht, sondern kompakt als Hydrat im Untergrundboden der Antarktis gespeichert bleibt.
Noch gebe es keine eindeutigen Belege für Methanspeicher in der Antarktis, betonen die Forscher. Ihre Untersuchung zeige jedoch, dass deren mögliche Existenz nicht vernachlässigt werden sollte. Denn ihren Berechnungen zufolge könnten die Hydrate im Vergleich zu anderen Methanvorkommen in relativ geringen Tiefen des Sediments gespeichert sein. Die Wissenschaftler warnen deshalb, dass durch ein weiteres Abschmelzen des antarktischen Eises das Methangas in die Atmosphäre entweichen könnte. (dapd)

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