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Natur

16. November 2012

Genomvergleich: Mensch und Affe trennt nur ein Molekül

Affen und Menschen sind sich eigentlich ziemlich ähnlich. Kein Wunder: Genetisch trennt uns nicht viel.  Foto: dpa/dpaweb

Menschen und Affen sind sich in vielen Dingen ähnlich. Warum aber gehen wir im Gegensatz zu Schimpanse und Co. aufrecht, entwickeln komplexe Maschinen und kommunizieren per Sprache? Forscher haben das Gen gefunden, das dafür verantwortlich ist.

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Menschen und Affen sind sich oft ungeheuer ähnlich. Man denke an Zoobesucher, die sich stundenlang über Menschenaffen amüsieren, weil deren Mimik und Verhalten oft so „menschlich“ wirken. Wie umfangreiche Genanalysen vor sieben Jahren feststellten, ist das Erbgut von Menschen und Schimpansen bis zu 99 Prozent identisch.

Auf der Suche nach den kleinen, aber entscheidenden genetischen Unterschieden, hat ein internationales Forscherteam jetzt eine wichtige Entdeckung gemacht: Nur der Mensch verfügt über ein spezielles Gen, das nach Meinung der Forscher dafür verantwortlich sein könnte, dass  die Evolution typische Merkmale ausprägten, zum Beispiel die Entwicklung der Sprache.

Das Gen sorgt für die Produktion einer speziellen Nukleinsäure, der sogenannten microRNA miR-941. Dieses Biomolekül reguliert die Aktivität von Genen, die bestimmte Signalwege im Gehirn steuern. „Dieses neue Molekül trat aus dem Nichts hervor in einer Zeit, als sich die Vormenschen stark veränderten: längere Lebensdauer, aufrechter Gang, Sprache und Werkzeuggebrauch“, sagt Martin Taylor von der University of Edinburg, der zusammen mit chinesischen und deutschen Forschern an den Arbeiten beteiligt war. Wie die Forscher im Fachblatt Nature Communications schreiben, geschah die Veränderung im Erbgut unserer Vorfahren vor ein bis sechs Millionen Jahren.

Forscher suchen noch weiter

Forscher verglichen menschliche Genome mit denen unserer tierischen Verwandten, wie der Schimpansen.
Forscher verglichen menschliche Genome mit denen unserer tierischen Verwandten, wie der Schimpansen.
Foto: dpa

In einem groß angelegten Genomvergleich prüften die Genetiker, welche der mehr als 1700 bisher bekannten menschlichen microRNAs auch von anderen Säugetieren gebildet werden. Als Vergleich diente das Erbgut von elf Spezies, darunter die drei Menschenaffen Schimpanse, Gorilla und Orang-Utan. Die Gene von zehn microRNAs waren einzig und allein beim Menschen vorhanden. Aber nur eine, miR-941, wird auch in großer Menge im Gehirn – im präfrontalen Cortex und dem Kleinhirn – produziert. microRNAs sind kurze, aus 20 bis 24 Bausteinen bestehende Nukleinsäuremoleküle.

Ihre Aufgabe besteht darin, die Aktivität von Genen zu hemmen und so Entwicklungsprozesse und Funktionen von Zellen zu steuern. „Wir hoffen“, sagt Taylor, „dass wir noch mehr Gene finden werden, die uns helfen zu erklären, was uns zum Menschen macht.“

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