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Kenan Kolat zur Gedenkfeier: "Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen"

Der langjährige Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, wünscht sich noch mehr zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rassismus in Deutschland. Er hatte als Erster eine öffentlich eine offizielle Gedenkveranstaltung für die Opfer der mutmaßlichen Terrorzelle NSU gefordert.

Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde.
Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde.
Foto: blz/paulus ponizak

Herr Kolat, Sie hatten eine Geste der Regierung für die Hinterbliebenen der Opfer gefordert. Sind Sie zufrieden damit, dass diese Geste nun erfolgt?

Ja. Es ist nicht nur eine Geste. Ich möchte mich bei dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff bedanken, denn die Veranstaltung wurde vom Präsidialamt hervorragend vorbereitet. Nun wird er leider nicht teilnehmen. Ich bin mir aber sicher, dass die Bundeskanzlerin in ihrer Rede alle Bereiche ansprechen wird, die uns wichtig sind.

Welche sind das?

Neben der Opferperspektive sind das die Aufklärung der Verbrechen und der gesellschaftliche Kampf gegen Rassismus. Die Debatte darüber, wie man mit dem Phänomen Rassismus in Deutschland umgehen will, ist mir bislang zu kurz gekommen. Wichtig ist auch die Initiative von BDA und DGB, die für morgen zu einer Schweigeminute für die Opfer aufgerufen haben. Dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer Hand in Hand gegen den Rassismus auftreten, begrüßen wir ausdrücklich.

Nun hat der künftige Bundespräsident, Joachim Gauck, bereits erklärt, er halte nichts von einem Staatsakt. Die wehrhafte Demokratie müsse vielmehr vom Staat und seinen Bürgern getragen werden.

Ich habe Respekt vor seiner Meinung, auch wenn ich sie nicht immer teile. Die Verteidigung der Demokratie ist natürlich vor allem eine Aufgabe der Bürger, auch unsere als zivilgesellschaftliche Organisation. Ich wünschte mir noch mehr bürgerliches Engagement gegen Rassismus und eine breite gesellschaftliche Debatte darüber. Ich freue mich allerdings, dass er an der Gedenkveranstaltung morgen teilnehmen wird, nicht als Bundespräsident, der er ja noch nicht ist, sondern als Bürger. Er war dazu herzlich und ausdrücklich eingeladen. Für die Verteidigung der Demokratie müssen Staat und Zivilgesellschaft gemeinsam eintreten. Dass die Vertreter des Staates mit der Gedenkveranstaltung ein Zeichen setzen, ist deshalb wichtig.

Welchen Anteil hatten die Hinterbliebenen an der Gestaltung der Trauerfeier?

Der Bundespräsident hatte die Hinterbliebenen eingeladen, um die Veranstaltung mit ihnen zu besprechen. Sie hatten also durchaus einen Anteil an der Gestaltung. Zwei von ihnen werden auch sprechen. Der Ort, der Rahmen und das Programm sind sehr angemessen.

Die Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der Opfer, Barbara John, hat angeregt, eine Gedenkstätte für die Opfer einzurichten. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Über die Ausgestaltung müssen wir noch nachdenken, aber grundsätzlich schließen wir uns diesem Vorschlag an. Ich hatte ihn nach den Anschlägen von Mölln und Solingen schon einmal gemacht.

Das Gespräch führte Katja Tichomirowa.

Datum:  23 | 2 | 2012
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