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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

16. Dezember 2011

Neonazi-Morde: Wie das Auftauchen der NSU-Terroristen scheiterte

 Von Andreas Förster
In diesem Wohnmobil starben zwei NSU-Mitglieder.  Foto: dapd/Lemuth

Das Neonazi-Trio unternahm wohl mehrere Anläufe, in die Legalität zurückzukehren. Der erste Versuch scheiterte an einem Oberstaatsanwalt, beim zweiten Mal sollte ein NPD-Mann vermitteln.

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Aufarbeitung der Mordserie vertagt

Erst im neuen Jahr wird entschieden, wie die Pannen bei den Ermittlungen zur Zwickauer Neonazi-Terrorzelle parlamentarisch aufgearbeitet werden sollen. Der Fraktionsgeschäftsführer der Union im Bundestag, Peter Altmaier, will dazu in der zweiten Januarwoche Gespräche mit allen Fraktionen führen.
Eingesetzt werden könnten ein Bundestags-Untersuchungsausschuss, eine Bund-Länder-Kommission und ein Sonderermittler. Es soll untersucht werden, wie die Neonazi-Mordserie mit zehn Todesopfern jahrelang unentdeckt bleiben konnte und welche Konsequenzen zu ziehen sind.

Die Mitglieder der mutmaßlichen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund haben offenbar noch kurz vor Beginn ihrer Mordserie eine Rückkehr aus der Illegalität erwogen.

Dazu sollte der damalige NPD-Vizechef und Rechtsanwalt Hans Günter Eisenecker Verhandlungen mit den Thüringer Behörden über Bedingungen führen, unter denen sich das Trio der Polizei stellt. In den Vorgang waren Gesinnungsfreunde aus dem Umfeld der im Februar 1998 untergetauchten Jenaer Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt involviert

NPD-Mann sollte Kontakt herstellen

Einer der damals Beteiligten erinnert sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau an eine Art Krisentreffen in der Führungsebene des Neonazi-Netzwerkes „Thüringer Heimatschutz“ Ende 1999, Anfang 2000 in Rudolstadt.

Daran teilgenommen hätten unter anderem Ralf Wohlleben und André K., die Anführer der „Kameradschaft Jena“ und damaligen Verbindungsleute zu dem seinerzeit in einer konspirativen Wohnung in Chemnitz lebenden Trio.

Die beiden hätten bei dem Treffen gesagt, eine Rückkehr der drei in die Legalität sei keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des Wie.

Die Runde in Rudolstadt habe sich darauf geeinigt, mit der Kontaktaufnahme zum Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Anwalt Eisenecker zu beauftragen. Zu dessen Mandanten gehörten damals zahlreiche Neonazis, darunter auch der Chef des „Thüringer Heimatschutzes“, Tino Brandt


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Brandt – von dessen V-Mann-Tätigkeit für das LfV zu dieser Zeit noch niemand etwas ahnte – soll dem Informanten zufolge bald nach dem Treffen Kontakt zu Eisenecker aufgenommen haben. Er habe dabei eine von Beate Zschäpe unterzeichnete Vollmacht vorgelegt, die ihm Wohlleben zuvor besorgt hatte.

Ein Oberstaatsanwalt lehnte den Deal ab

Die Initiative des Trios war offenbar die Reaktion auf ein im Jahr 1999 fehlgeschlagenes Verhandlungsangebot des LfV. Damals war ein LfV-Mitarbeiter bei Böhnhardts Verteidiger Gerd Thaut aufgetaucht und hatte Strafnachlass angeboten, sollten sich die drei stellen. Laut Thaut seien dann aber die Gespräche an dem damaligen Oberstaatsanwalt von Gera gescheitert, der einen Deal mit dem Trio abgelehnt hätte.

Warum offenbar auch der zweite Anlauf gescheitert ist, die drei in die Legalität zurückzuholen, ist noch unklar. Das Erfurter LfV gibt derzeit unter Verweis auf die vom Landtag eingesetzte Untersuchungskommission keine Erklärungen zu den Vorgängen um die mutmaßlichen Rechtsterroristen ab. Anwalt Eisenecker kann auch nicht mehr befragt werden – er starb im Jahr 2003.

Der Grund für Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, damals Kontakt mit den Behörden aufnehmen zu wollen, dürfte damit zusammenhängen, dass ihr Leben in der Illegalität kompliziert wurde.

Aus abgehörten Telefongesprächen von Vertrauten der Flüchtigen wussten Polizei und Verfassungsschutz, dass die drei Schwierigkeiten bei der Beschaffung neuer Pässe hatten, mit denen sie im Ausland hätten untertauchen können.

Hinzu kam, dass die Spendenbereitschaft in der rechten Szene deutlich nachgelassen hatte.

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