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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

19. Januar 2012

Neonazi-Terror: Kaum gesicherte Erkenntnisse zu Zwickauer Terrorzelle

 Von Andreas Förster
Die Zahlen zum Fall der NSU sind beeindruckend - doch die Ermittler haben noch viel zu tun.  Foto: dpa

Die Zahlen zum Fall der mutmaßlichen Terrorgruppe NSU sind beeindruckend - doch gesicherte Erkenntnisse sind noch recht überschaubar. Die Ermittler haben noch viel zu tun.

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Acht Beschuldigte, fünf davon in U-Haft, mehr als 400 Ermittlungsbeamte, 5 000 Asservate, 23 beschlagnahmte Computer mit einer Datenmenge von mehr als neun Terabyte, über 800 Hinweise aus der Bevölkerung – BKA-Chef Jörg Ziercke wartete gestern mit beeindruckenden Zahlen zum Fall der mutmaßlichen Terrorgruppe NSU auf. Doch sind die als gesichert anzusehenden Erkenntnisse noch recht überschaubar.

Unterstützer: Nach dem Abtauchen von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 26. Januar 1998 hatte sich ein recht stabiler Unterstützerkreis von mindestens zehn Neonazis – darunter mindestens zwei V-Leute – gebildet, der die drei Untergetauchten mit Geld, mindestens einer Waffe, Papieren und Wohnungen versorgte.

Bankraub: Mundlos und Böhnhardt hatten am 4. November 2011 eine Sparkasse in Eisenach überfallen und wahrscheinlich auch eine Bank am 7. September 2011 im thüringischen Arnstadt.

Kopfschüsse: Mundlos und Böhnhardt starben am 4. November 2011 durch Schussverletzungen in ihrem Wohnmobil. Böhnhardt ist von einer zweiten Person durch einen Nahschuss in den Kopf getötet worden. Auch Mundlos starb durch einen Kopfschuss. Ein Selbstmord lässt sich nicht eindeutig nachweisen.

Geld: In dem ausgebrannten Wohnmobil fanden sich 110 000 Euro Bargeld, zum Teil mit Banderolen. So konnten sie früheren Banküberfällen von 2008 zugeordnet werden. Außerdem fanden sich neben weiteren Waffen die Dienstpistolen der 2007 ermordeten Heilbronner Polizistin und ihres damals schwer verletzten Kollegen.

Pistole: In der ausgebrannten Wohnung in Zwickau, in der das Trio seit Anfang 2008 wohnte, wurden rund 1 700 Asservate sichergestellt, darunter die Pistole, mit der die meisten Opfer der Mordserie an Migranten erschossen worden waren. Außerdem fanden sich weitere Geldbanderolen von Banküberfällen in Sachsen. Sichergestellt wurden zudem Stadtplanausrisse mit Notizen.

Bekennervideo: Mehrere DVDs mit einer Art Bekennervideo fanden sich. In dem Film, der das letzte Mal 2007 bearbeitet wurde, sind die ersten drei Morde an Migranten sowie zwei Bombenanschläge von 2001 und 2003 dokumentiert. Auch sind Fotos von sechs weiteren Opfern der Mordserie sowie von der Trauerfeier für die Heilbronner Polizistin zu sehen.

Drehbuch: In der Wohnung war ein von Unbekannten handschriftlich gefertigtes Drehbuch zum Video. Außerdem konnten auf dem PC frühere Fassungen des Films rekonstruiert werden. Auch Überwachungsaufnahmen der Kölner Bombenattentäter von 2003 finden sich mit Mundlos’ und Böhnhardts Decknamen versehen.

Untergrund: In den letzten Jahren hatte das Trio seine konspirative Lebensweise zum Teil aufgegeben. Jeden Sommer fuhren sie – gleichwohl unter falscher Identität – für drei Wochen in Campingurlaub nach Fehmarn. Dort knüpften sie Bekanntschaften, tauschten Adressen und Fotos.

Gruppe: Über Struktur und Mitglieder der NSU ist nichts bekannt. Der inhaftierten Zschäpe lässt sich keine Mitgliedschaft in der NSU oder eine Beteiligung an den Straftaten nachweisen.

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