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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

17. Februar 2016

NSU-Ausschuss: Neuer Todesfall im Umfeld der NSU-Zeugen

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In diesem Auto verbrannte der ehemalige Zeuge Florian H. im Jahr 2013.  Foto: dpa

Nach dem Tod eines Zeugen und seiner ehemaligen Freundin untersucht die Staatsanwaltschaft den dritten Todesfall im baden-württembergischen NSU-Umfeld. Die Behörden gehen von Suizid aus - die Politik befürchtet, dass der NSU größer war als bislang angenommen.

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Wieder gibt es einen Todesfall im Umfeld des NSU-Prozesses, und wieder gibt es viele Fragen. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe untersucht nun den Tod eines 31 Jahre alten Mannes, der am Montag vor einer Woche in Kraichtal in Baden-Württemberg gestorben war.

Das bestätigte Tobias Wagner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe, der Frankfurter Rundschau. Der jetzt verstorbene Mann war der Verlobte einer Zeugin im NSU-Ausschuss in Baden-Württemberg, die laut offiziellen Angaben 2015 an einer Lungenembolie starb.

Zuvor war die Frau mit dem ehemaligen Neonazi Florian H. liiert, der inzwischen ebenfalls tot ist und als wichtiger Zeuge zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter ausgesagt hatte. Der Mord an der Polizistin wird dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ zugerechnet. Florian H. soll angeblich gewusst haben, wer die Polizistin im Jahr 2007 in Heilbronn getötet hat. Kurz vor einer erneuten Vernehmung im Jahr 2013 war er in seinem Auto verbrannt – nach Angaben der Behörden hatte er sich selbst getötet.

Seine Exfreundin hatte sich dann mit dem nun in Kraichtal gestorbenen Mann verlobt. Zuvor war sie vom baden-württembergischen NSU-Ausschuss vernommen worden, weil sie sich bedroht gefühlt hatte. Der Ausschuss soll die Verbindungen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ in den Südwesten und mögliches Behördenversagen untersuchen.

„Alles deutet auf einen Selbstmord hin“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft zu dem neuerlichen Todesfall. Man habe nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis keine Anzeichen für Fremdverschulden finden können. Die Vermutung auf einen Freitod werde auch von einer elektronischen Abschiedsnachricht untermauert, die der Mann kurz vor seinem Tod abgeschickt habe.

Größeres Netzwerk vermutet

Zum Inhalt der Nachricht wollte sich der Staatsanwalt nicht äußern. Das Endergebnis der Obduktion werde in einigen Wochen erwartet. Ob der Mann Verbindungen zur rechtsextremistischen Szene gehabt habe, sei bislang nicht bekannt. Sogenannte „Umfeld-Abklärungen“ sollen aber klären, welche Motive für den vermuteten Suizid eine Rolle gespielt haben könnten.


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Der Fall der Frau werde aber wegen des Todes ihres Verlobten nicht neu aufgerollt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Todesdiagnose Lungenembolie sei gesichert im Fall der 2015 verstorbenen Frau.

„Das ist jetzt der dritte Todesfall im baden-württemberger NSU-Umfeld. Erst wenn wir mehr darüber wissen, können wir auch in Erwägung ziehen, was das für den Ausschuss bedeutet“, sagte Uli Grötsch der Frankfurter Rundschau. Der SPD-Politiker vertritt die Bundestagsfraktion im neuen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Mordserie des NSU.

Grötsch ist davon überzeugt, dass das NSU-Trio um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt längst nicht der ganze NSU sei. „Der NSU ist ein viel monströseres Gebilde, das Trio war lediglich der aktive Kern.“

Das sieht auch Madeleine Henfling so. Sie ist Obfrau der Grünen im NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags. „Ich glaube nicht, dass der NSU nur aus drei Leuten bestand, die im Untergrund lebten und diese Taten alleine begangen haben. Es muss ein größeres Unterstützernetzwerk dahinter geben.“

Wie groß dieses Netzwerk sei, könne man nicht sagen; das sei Spekulation, sagte Obfrau Henfling der FR.

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