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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

21. November 2012

NSU: Kölner Anschlagsopfer wurden ausspioniert

 Von Andreas Förster
Das Nagelbombenattentat in Köln vom 9. Juni 2004 wird seit einem Jahr der Neonazi-Terrorzelle NSU zugeschrieben.Foto: dpa/dpaweb

Das LKA ermittelte nach dem Bombenanschlag in Köln mit V-Leuten bis 2007 unter türkischen Anwohnern. Dabei hatten die Bewohner der Keupstraße die Ermittler, ohne es zu ahnen, auf die richtige Spur gesetzt.

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Das LKA ermittelte nach dem Bombenanschlag in Köln mit V-Leuten bis 2007 unter türkischen Anwohnern. Dabei hatten die Bewohner der Keupstraße die Ermittler, ohne es zu ahnen, auf die richtige Spur gesetzt.

Nach dem Bombenanschlag in der Kölner Keupstraße 2004 hat die Polizei fast zwei Jahre lang die türkischen und kurdischen Anwohner der Straße gezielt ausgeforscht. Zu diesem Zweck setzte das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) zwischen Juni 2005 und Februar 2007 zwei verdeckte Ermittler und fünf Vertrauenspersonen (VP) ein. Das LKA richtete zudem eine Scheinfirma ein, die Räume in der Keupstraße anmietete. Die dort eingesetzten Ermittler und die von ihnen geführten VP sollten so leichter ein Vertrauensverhältnis zu den Anwohnern aufbauen können.

Offenbar mit Erfolg: In einem dieser Zeitung vorliegenden Bericht des LKA aus dem Juni 2007 heißt es, dass unter den Bewohnern der Straße „eine Vielzahl an Erkenntnissen … über Stimmungen und Meinungen zum Tagesgeschehen erhoben werden“ konnte.

Ort des schrecklichen Attentats: die Keupstraße in Köln.
Ort des schrecklichen Attentats: die Keupstraße in Köln.
Foto: dpa

Am 9. Juni 2004 war in der Keupstraße ein Sprengsatz detoniert und hatte 24 Menschen zum Teil schwer verletzt. Inzwischen wird dieser Anschlag der rechten Terrorgruppe NSU zugerechnet. Damals jedoch kam die Kölner Polizei bei ihren Ermittlungen kaum voran, weil man Milieustreitigkeiten zwischen den türkischen und kurdischen Geschäftsleuten in der Keupstraße als Tatmotiv vermutete.

Beamte im Einsatz

Angehörige der NSU-Opfer wurden laut Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit systematisch von verdeckten Ermittlern ausgespäht. Sie hatten sich als Journalisten ausgegeben.

Die fünf Beamten waren von August 2005 bis April 2007 bundesweit im Einsatz, um im Auftrag der Behörden im Umfeld der NSU-Opfer zu recherchieren.

Die vermeintlichen Journalisten schalteten sogar Annoncen, in denen sie sich als Freiberufler ausgaben, die Informanten zur Mordserie suchten. Die Aktion führte allerdings nicht zu neuen Erkenntnissen.

Da die befragten Anwohner – wie man heute weiß: aus gutem Grund – keine Angaben über die Hintergründe der Tat machen konnten, beauftragte die Kölner Polizei schließlich das für verdeckte Ermittlungen zuständige LKA-Dezernat 63 mit dem Einsatz in der Keupstraße. Ein Ermittlungsrichter beim Kölner Amtsgericht stimmte dem Einsatz am 7. Juni 2005 zu.

Kurz darauf begann die Operation: Ein verdeckter Ermittler, der bereits seit Jahren in der türkischen Gemeinschaft in Köln unterwegs war, suchte nun öfter ein Restaurant in der Keupstraße auf, in dem fast ausschließlich Türken verkehrten. Dort machte er in Gesprächen mit Gästen deutlich, dass er Räumlichkeiten für ein Geschäft in der Straße suche. Unterstützt wurde er dabei von einem weiteren, türkischstämmigen Ermittler sowie türkischen Vertrauenspersonen, die als seine angeblichen Angestellten auftraten.

Nach der Anmietung der Firmenräume intensivierten die verdeckten Ermittler den Umgang mit den Türken und Kurden aus der Keupstraße, um sie auszuforschen. In dem LKA-Bericht heißt es, die beiden hätten „einen engen persönlichen Kontakt zu türkischen Betreibern von Lokalen, Restaurants und anderen Geschäften auf der Keupstraße sowie zu den regelmäßig dort verkehrenden Gästen (entwickelt). Das Verhältnis erreichte einen derart hohen Grad an Vertrautheit, dass letztlich sehr offen über alltägliche sich dort ergebende Geschehnisse, auch private Probleme, geschäftliche Vorhaben und außergewöhnliche Ereignisse gesprochen wurde.“

Heiße Spur wurde nicht verfolgt

Da die beiden Ermittler allerdings vornehmlich in einem Lokal verkehrten, das ausschließlich von Türken besucht wurde, suchten die von ihnen geführten Vertrauenspersonen regelmäßig das gegenüberliegende Restaurant auf, in dem sich kurdische Bewohner aus der Gegend um die Keupstraße trafen. Erst im Februar 2007 beendete das LKA seinen Spitzeleinsatz in der Keupstraße. Mit mäßigem Erfolg: Die gewonnenen Erkenntnisse über mögliche Hintergründe des Anschlags seien laut LKA-Bericht „zwar vielfältig, aber allesamt unkonkret“.

Dabei hatten die Bewohner der Keupstraße die Ermittler, ohne es zu ahnen, auf die richtige Spur gesetzt. „Einige spekulierten über einen fremdenfeindlichen Hintergrund“, heißt es in dem LKA-Bericht über die Anwohner. „Andere sahen wiederum einen Zusammenhang zu den Serienmorden an türkischen Geschäftsleuten in Deutschland.“

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