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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

15. Oktober 2012

NSU-Terror: Bewährungsstrafe für „Döner Killer"-Sänger

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Der bekannte Rechtsrocker Daniel G. am Montag vor Prozessbeginn in Meppen. Foto: dapd

Der Neonazi Daniel G. sang schon von einer rechten Mordserie, als Ermittler die Täter noch ganz woanders suchten. Nun wurde der Sänger von „Gigi & die braunen Stadtmusikanten" wegen Volksverhetzung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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Er lieferte das Hetzlied zu den Verbrechen des NSU-Terrortrios: Der Meppener Daniel „Gigi" G. ist wegen Volksverhetzung und Billigung einer Straftat zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Mit seiner Band „Gigi & die braunen Stadtmusikanten" hatte er die neun Morde an ausländischen Imbissbetreibern und Ladenbesitzern gefeiert, für die mutmaßlich die Zwickauer Terrorzelle um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe verantwortlich sein sollen.

Dabei geht es um die CD „Adolf Hitler lebt!", die 2010 erschien und seit Herbst 2010 auf dem Index steht, besonders um das Lied „Döner Killer". Darin heißt es unter anderem: „Neun mal hat er es jetzt schon getan / Die SoKo Bosporus, sie schlägt Alarm / Die Ermittler stehen unter Strom / Eine blutige Spur und keiner stoppt das Phantom“.

Das Gericht sah in solchen und ähnlichen Zeilen eine Billigung der Morde. Daniel G. ließ seine Verteidigerin allerdings vor Gericht verkünden, dass er von der Mordserie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nichts gewusst habe. Das Gericht stufte außerdem zwei weitere Lieder als strafrechtlich relevant ein.

Verbindung zur NSU?

Der Song "Döner-Killer" war vor zwei Jahren ein Sommerhit in der rechtsextremen Szene, das Album wurde öffentlich verbreitet und im Internet verkauft. Zu dieser Zeit vermuteten die Ermittler die Täter noch nicht im rechtsextremen Milieu. Die Ahnungslosigkeit der Behörden wird in dem Song ebenfalls thematisiert: „Hunderte Beamte ermittelten zuletzt / 300.000 Euro sind auf ihn ausgesetzt / Alles durchleuchtet, alles überprüft / doch kein einziger Hinweis und kein Tatmotiv“. Solche Zeilen veranlassten die Journalistin und Kennerin der rechten Szene, Andrea Röpke, bereits vor Monaten die Frage zu stellen: "Was wusste Gigi?".

Röpke sieht eine Verbindung zwischen der rechten Musikszene in Chemnitz und dem NSU-Trio. Dabei geht es unter anderem um den Chef des Musiklabels und Szenevertriebs „PC Records", Yves. R., der auch die Platte „Adolf Hitler lebt!" vertrieben hat und im Juni wegen Volksverhetzung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde. Und es geht um Daniel G.

Der heute 42-Jährige ist seit Jahren eine feste Größe in der rechten Musikszene. „Gigi und die braunen Stadtmusikanten" heißt nur eines seiner Projekte. Die Band veröffentlichte bisher drei CDs, bis auf „Braun is beautiful" landeten alle auf dem Index. Bereits in den 90er Jahren war G. in der Band „Stahlgewitter" aktiv, deren fünf veröffentlichte Tonträger allesamt indiziert wurden. In den Texten wird das Dritte Reich verherrlicht. Eine Zeile im Titelsong des vierten Albums „Auftrag Deutsches Reich" heißt: „Heil, Heil, Heil, Heil, Heil, Heil. Die BRD ist uns egal und völlig gleich, denn unsere Heimat ist das Deutsche Reich."

Die CD „Adolf Hitler lebt!" wurde vom Chemnitzer Rechtsrock Händler Yves R. übrigens bei ihrem Erscheinen noch als rechtlich unbedenklich angepriesen. „Alles fein säuberlich vom Anwalt geprüft“, hieß es auf der Internetseite seines Labels PC Records. Auch G. beruft sich auf diese Einschätzung. Zum Prozessauftakt verlas seine Verteidigerin eine Erklärung, wonach er den umstrittenen Liedtext vorher von einer Rechtsanwältin aus Hamburg hat überprüfen lassen. Diese habe ihn als rechtlich einwandfrei eingestuft.(mit dapd)

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