Aktuell: Eintracht Frankfurt | Fußball-News | Blockupy | Ukraine | Polizeimeldungen Frankfurt/Rhein-Main

Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

22. November 2012

NSU-Untersuchungsausschuss: Ex-Minister entschuldigt sich für „fatale Fehleinschätzungen“

Der ehemalige nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens (SPD). Foto: dapd

Ein Bombenanschlag vor einem türkischen Friseursalon in einer türkischen Straße in Köln - das soll mit Fremdenfeindlichkeit nichts zu tun haben? So glaubten die Behörden 2004. Es wäre eine große Chance gewesen, dem NSU-Terrortrio auf die Spur zu kommen.

Drucken per Mail
Berlin –  

Im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat sich der frühere NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) für „fatale Fehleinschätzungen“ entschuldigt. Konkrete Versäumnisse wollte Behrens aber nicht einräumen. „Ich entschuldige mich“, sagte er am Donnerstag, an Opfer und Angehörige gerichtet. Bei der Befragung ging es um den sogenannten Nagelbombenanschlag im Juni 2004 in Köln.

Damals waren vor einem türkischen Friseursalon in der Keupstraße 22 Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz war mit über 1000, etwa zehn Zentimeter langen Nägeln bestückt. Für den Anschlag wird das NSU-Terrortrio verantwortlich gemacht.

Der Ausschuss wollte von Behrens wissen, warum die Möglichkeit eines rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Hintergrunds nicht verfolgt worden sei. Es habe keine konkreten Hinweise gegeben, sagte Behrens, es sei „in alle Richtungen ermittelt“ worden. Warum aber noch am Nachmittag der Tat vom Lagezentrum der Polizei die Möglichkeit eines Terroranschlags zunächst erwähnt und dann wieder fallen gelassen wurde, blieb bei der Befragung ungeklärt.

Chance vertan

Behrens wies den Vorwurf zurück, in die Ermittlungen eingegriffen zu haben, um deren Richtung zu beeinflussen. Die damals von ihm gestellte Frage: „Warum ist der Verfassungsschutz eingeschaltet?“ sei nicht in der Absicht erfolgt, dessen Ermittlungen zu verhindern. Behrens räumte ein, unmittelbar nach dem 9. Juni 2004 in den Urlaub gegangen zu sein und in den ersten Tagen nach dem Anschlag nur telefonisch mit den Ermittlern Kontakt gehalten zu haben. Er hatte den Tatort nicht besucht. Den Vorwurf, den Anschlag nicht ernst genug genommen zu haben, wies Behrens aber zurück.

Nach Ansicht des Unions-Obmanns im Ausschuss, Clemens Binninger, wurde bei den Ermittlungen in Köln die möglicherweise größte Chance vertan, dem NSU-Terrortrio früher auf die Spur zu kommen. Ein Flugblatt und ein Video vom Tatort hätten als Indizien vorgelegen. Stattdessen konzentrierten sich die Ermittler voll auf mögliche Täter im türkischen Milieu oder in der organisierten Kriminalität.
Auch der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte am Tag nach der Tat - nach Rücksprache mit Behrens - betont, er gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Dies hat Schily inzwischen als schweren Fehler bezeichnet. (dpa)

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bomben- anschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe.


Neonazi-Terror
Der Terror der Neonazis vom Zwickau.

Die Gewalttaten der Neonazis der Zwickauer Zelle: Zeittafel, Orte des Geschehens und die Terror-Folgen in Bildern.

Spezial

Die große Aufbereitung des Nationalsozialismus: Rückblick auf den Auschwitz-Prozess 1963 bis 1965 in Frankfurt am Main.

Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Video
FR-Themen
Zeitunglesen macht klug - Rundschau-Lesen macht klüger.

Unbequeme Recherchen, aufgedeckte Skandale: Die FR legt den Finger in Wunden. Journalistische Höhepunkte aus sechs Jahrzehnten.

Textimport

Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.

Spezial

Das Land Hessen entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Was steckt dahinter?

Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?