Beate Zschäpe soll unter anderem wegen der Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, wegen versuchten Mordes in Zusammenhang mit einer Brandstiftung in Chemnitz und weiterer Verbrechen angeklagt werden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 35-Jährige das Herz der Zwickauer Terrorzelle gewesen ist, das Geld der Bande verwaltet hattee sowie über die Taten ihrer beiden Komplizen in vollem Umfang informiert gewesen ist.
Das soll die in Köln inhaftierte 37-Jährige in Gesprächen auf einem Gefangenentransport am 25. Juni gegenüber ihren Begleitern vom Bundeskriminalamt deutlich gemacht haben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf das ihr vorliegende zwölfseitige Gesprächsprotokoll. Zschäpe ist der Mittäterschaft an der Mord- und Anschlagsserie sowie den Banküberfällen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) angeklagt.
Dem Bericht zufolge sagte sie den BKA-Begleitern, sie habe sich gestellt, um auszusagen. Ihre Aussage würde umfangreich und vollständig sein. Ihre Anwälte rieten ihr aber ab, deshalb sei sie unsicher. Ihr Verhältnis zu den Anwälten beschrieb sie laut der Zeitung als nachhaltig gestört. Sie würde sogar überlegen, die Verteidiger zu wechseln. Sie habe ihre Mutter gebeten, sich nach Alternativen umzuschauen, hieß es weiter. Sie würde ihrer Großmutter gerne erklären, warum es so gekommen sei und sich entschuldigen. Unklar sei laut BKA, ob Zschäpe damit die Taten des NSU oder nur ihr Untertauchen meine.
Zschäpe wurde nach den Zeitungsinformationen mit dem Gefangenentransport von Köln nach Gera verlegt, damit ihre Mutter und Großmutter sie im dortigen Gefängnis besuchen konnten. Die während der Fahrt geführten Gespräche sollen mehr als acht Stunden gedauert haben.
Einer von Zschäpes Anwälten nannte den Bericht „lange überholt“. Die Kanzlei werde sich am Nachmittag dazu äußern, sagte Wolfgang Stahl am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor wolle man sich noch einmal das Protokoll ansehen, das der Kanzlei lange vorliege.
Nach Angaben ihrer Anwälte will Zschäpe auf eigenen Wunsch vor Gericht schweigen. „Wir mussten Frau Zschäpe nicht dazu überreden“, sagte ihr Kölner Anwalt Wolfgang Heer der „Süddeutschen Zeitung“. Ob dies aber für die gesamte Dauer des Prozesses gelte, stehe nicht fest. (dpa/afp)
13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bomben- anschlägen und Überfällen. Analysen und Hintergründe.
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