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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

30. Mai 2012

NSU: Zschäpes mysteriöser Anrufer

 Von Andreas Förster
Die Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund, zu der auch Beate Zschäpe gehören soll, wird verdächtigt zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin erschossen zu haben.  Foto: dpa

Als Beate Zschäpe im November 2011 auf der Flucht vor der Polizei ist, erhält sie einen Anruf von einem Handy, das auf das sächsische Innenministerium zugelassen ist. Politiker wollen nun die Hintergründe erfahren.

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Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist unmittelbar nach ihrer Flucht aus Zwickau von einem Handy angerufen worden, das auf das sächsische Innenministerium zugelassen ist. Das geht aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes hervor, der dieser Zeitung vorliegt. Die Dresdner Landtagsabgeordnete der Linken, Kerstin Köditz, will nun von der Staatsregierung die Hintergründe der Anrufe erfahren. „Die katastrophale Informationspolitik des Innenministers schürt das Misstrauen gegen die Sicherheitsbehörden in diesem Fall“, sagte sie dieser Zeitung.

Zschäpe hatte am 4. November 2011 gegen 15 Uhr ihre Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße angezündet und war dann geflohen. Zuvor waren Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, mit denen sie unter falschen Namen in Zwickau gelebt hatte, tot in einem ausgebrannten Wohnmobil bei Eisenach gefunden worden. Das Trio soll als „Nationalsozialistischer Untergrund“ zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin erschossen haben.

Auf ihrer Flucht hatte Zschäpe noch mindestens ein Handy dabei. Bekannt war bislang, dass sie nach Verlassen der Wohnung André E. aus Zwickau anrief. Kurz darauf holte sie E. mit dem Auto ab und brachte sie an eine noch unbekannte Adresse in der Nähe.

Geheimnisvoller Anrufer

Das BKA ermittelte nun, dass Zschäpe offenbar dort gegen 16.32 Uhr einen Anruf von einer bislang unbekannten Handynummer erhielt. Die gleiche Nummer rief noch einmal gegen 21.06 Uhr an. Da die Verbindungsdauer jeweils nur wenige Sekunden betrug, ist zu vermuten, dass Zschäpe entweder ihr Handy ausgeschaltet hatte oder der Anrufer nur seine Nummer hinterlassen wollte, um von einer Telefonzelle aus zurückgerufen zu werden.

Solche Diensthandys werden von Ministeriumsmitarbeitern, Polizisten, Verfassungsschützern und V-Leuten genutzt. Gegen die Vermutung, dass ein Polizist anrief, spricht der Umstand, dass die Beamten erst nach 17 Uhr die Handynummer der Flüchtigen in Erfahrung gebracht hatten.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig konnte am Dienstag dem Innenausschuss des Landtages keine Auskunft zur Identität des Anrufers geben. Er versprach jedoch eine umgehende Aufklärung des Vorganges. Ungeklärt dürfte hingegen die Identität eines weiteren mysteriösen Anrufers bleiben, der am Fluchttag Zschäpe zweimal erreichen wollte. Zwar ist die Nummer bekannt, doch ein Name fehlt. Das kann bedeuten, dass der Anrufer eine Prepaid-Karte nutzte – oder dass es ein unregistriertes Diensthandy einer Sicherheitsbehörde war.


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