Nach neusten Erkenntnissen scheint es zwischen der vor viereinhalb Jahren in Heilbronn ermordeten Polizistin, ihrer Familie und dem Zwickauer Neonazi-Trio engere Verbindungen gegeben zu haben.
Der Mord an der aus Thüringen stammenden Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 war offenbar doch weniger willkürlich, als es bisher den Anschein hatte. Wie der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, am Montag im Innenausschuss des Bundestages sagte, gebe es biografische Berührungspunkte zwischen Kiesewetter und den Tätern. Ziercke sprach von einer Beziehungstat.
So soll die Familie der Polizistin versucht haben, einen Gasthof in Thüringen anzumieten, der dann aber an einen Mann aus dem Umfeld des Zwickauer Trios gegangen sei. Die Polizistin selbst habe jahrelang gegenüber von dem Gasthof gewohnt. Ihr Bruder soll in einem anderen Gastronomiebetrieb einen Koch mit dem Nachnamen Zschäpe beschäftigt haben. Allerdings waren die Informationen über Zierckes Aussagen teilweise widersprüchlich.
Der Terror der Zwickauer Zelle
Bildergalerie ( 31 Bilder )
Der Terror der Zwickauer Zelle
Beate Zschäpe (36) war eine der wenigen Frauen in der rechtsextremistischen Szene. Sie soll sich politisch kaum engagiert haben. Vielmehr hatte sie nach bisherigen Erkenntnissen offenbar mit den beiden toten Gewalttätern ein Verhältnis.
Foto: dpa
Uwe Böhnhardt (34) galt als Waffennarr. Seine rechtsextremistischen Gesinnungsgenossen gehen davon aus, dass er der Todesschütze gewesen sein könnte. Das Fahndungsfoto stammt aus dem Jahr 1998.
Foto: dpa
Uwe Mundlos (38)galt als der Gebildete in der Gruppe. Seine Lehrerin beschrieb den Professorensohn als sehr höflich. Weiter heißt es über ihn, er sei ein aufgeschlossener Typ gewesen, rhetorisch begabt und politisch interessiert. Das Fahndungsfoto stammt aus dem Jahr 1998.
Foto: dpa
Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen sind seit den 90er Jahren in den Neonazi-Szene aktiv. Das Foto zeigt Uwe Mundlos (links) und Uwe Böhnhardt (Mitte) im Herbst 1996 in Erfurt im Umfeld eines Prozesses gegen den Holocaust-Leugner Manfred Roeder.
Foto: dapd
Uwe Böhnhardt 1996 in Erfurt.
Foto: dapd
Uwe Mundlos mit dem späteren stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Ralf Wohlleben (l.) 1996 in Erfurt
Foto: dapd
Etwa 60 Rechtsextreme ziehen am 03. Februar 2001 mit dem Transparent "Thüringer Heimatschutz" durch die Innenstadt von Jena. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hatten die drei in den 90er Jahren Verbindungen zur Neonazi-Gruppe "Thüringer Heimatschutz.
Foto: dpa
Polizisten führen Beate Zschäpe, die einzige noch Lebende aus dem Mördertrio, am Mittwoch aus einem Gebäude der Staatsanwaltschaft Zwickau.
Foto: dpa/Jan Woitas
Beate Zschäpe wird am Sonntag mit einem Kleinbus vom Gelände der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gefahren. Gegen die arbeitslose Gärtnerin wird wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord ermittelt. Sie will nach Medienberichten dazu nur aussagen, wenn ihr als Kronzeugin Strafmilderung zugesichert wird.
Foto: dapd
In diesem Haus im niedersächsischen Lauenau soll der mutmaßliche Komplize der Gruppe Holger G. bis zu seiner Verhaftung am Sonntagvormittag gewohnt haben.
Foto: dapd
Feuerwehrleute und Polizisten stehen am 4. November in Eisenach vor einem ausgebrannten Wohnmobil, in dem die Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos entdeckt wurden. Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen hatten sich offenbar selbst erschossen. In dem Wohnwagen findet die Polizei Spuren zu mehreren unaufgeklärten Verbrechen.
Foto: dapd
Zeitgleich geht in Zwickau das Haus in Flammen auf, indem die Gruppe zuletzt wohnte. Die Ermittler gehen davon aus, das Beate Zschärpe das Haus in Brand gesteckt hat.
Foto: dapd/Michael Klug
In dem durch die Explosion völlig zerstörten Haus finden die Ermittler die Waffe, mit der nicht nur die Heilbronner Polizistin sondern auch neun ausländische Geschäftsleute seit 2000 erschossen wurden.
Foto: Getty Images
Hinter dieser Tür des Hauses in Zwickau lebte das Trio offenbar unbehelligt. Bereits 1998 fand die Polizei bei den drei Neonazis in einem Haus in Jena Rohrbomben und Sprengstoff. Verhaftet wurden sie nicht.
Foto: Getty Images
Ermittler bei der Spurensuche in den Trümmern des Zwickauer Hauses.
Foto: dapd
Dort finden sie auch ein Bekennervideo, in dem sich die Gruppe der Mordserie rühmt.
Foto: dpa
In dem Video bezeichnet sich die Gruppe als "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).
Foto: dapd
Ein Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo zeigt die Hand der Zeichentrickfigur "Paulchen Panther" aus der Serie "Pink Panther", die eine Pistole abfeuert, während dahinter eine Filmaufnahme von Polizisten gelegt ist.
Foto: dapd
Außerdem werden in dem 15-minütigen Film Bilder der neun Opfer der sogenannter Döner-Mordserie eingeblendet.
Foto: dapd
Das Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo zeigt die Aufnahme einer Patronenhülse mit dem eingeblendeten Datum 28.06.2001. An diesem Tag wurde der türkische Obst- und Gemüsehändler Sueleyman T. in Hamburg ermordet.
Foto: dapd
Auf das Grab von Heinz Galinski, dem einstigen Präsidenten des Zentralrats der Juden, wird am 19. Dezember 1998 einen Sprengstoffanschlag verübt. Auch dafür könnte die Gruppe verantwortlich sein. Bereits im Januar 1998 hatte die Polizei die Bombenwerkstatt des Trios im thüringischen Jena entdeckt. Die drei blieben jedoch auf freiem Fuß und tauchten unter.
Foto: dpa
Die Porträts von acht der zehn Mordopfer des Trios. Acht türkische und ein griechischer Ladenbesitzer werden zwischen 2000 und 2006 an verschiedenen Orten in Deutschland erschossen.
Foto: dpa
Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens transportieren am 29. August 2001 im Münchner Vorort Ramersdorf die Leiche des Lebensmittelhändlers Habil K. ab. Der 38-Jährige war in seinem Geschäft mit zwei Kopfschüssen getötet worden.
Foto: dpa
Polizisten der Nürnberger Spurensicherung arbeiten am 29. Juni 2005 an einem Imbiss in Nürnberg. Der türkische Standbetreiber Ismail Y. war am 9. Juni vormittags mit fünf gezielten Schüssen kaltblütig ermordet worden.
Foto: dpa
Am 19. Januar 2001 explodiert eine Sprengfalle vor einem iranischen Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln. Die 19-jährige Tochter des Inhabers wird schwer verletzt. Auch für diesen Anschlag könnte nach Erkenntnissen der Ermittler das sächsische Terror-Trio verantwortlich sein.
Foto: dapd
Eine Nagelbombe explodiert am 9. Juni 2004 in der überwiegend von Türken bewohnten Keupstraße in Köln. 22 Menschen werden verletzt. Die Suche nach den Tätern bleibt erfolglos In ihrem Bekennervideo rühmt sich nun die rechte Terrorgruppe des Anschlags.
Foto: dpa
Mit diesen Fotos aus einer Überwachungskamera sucht die Polizei in Köln nach dem Bombenanschlag nach einem zweiten Mann.
Foto: dpa
Das Bild einer Überwachungskamera zeigt die Täter bei einem Bankraub am 07.09.2011 in Arnstadt. Eine Serie von mindestens 14 Bankrauben wird Böhnhardt und Mundlos inzwischen zugeodnet, davon zehn in Sachsen und je zwei in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.
Foto: dpa
Die Polizei sichert im April 2007 Spuren am Tatort auf der Heilbronner Theresienwiese.
Foto: dpa
Die 22-jährige Polizistin Michèle K. wurde getötet, ein Kollege wurde schwer verletzt.
Die drei sächsischen Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sollen für die sogenannte Döner-Morde, den Tod einer jungen Polizisten sowie eine Reihe von weiteren rechtsextremistischen Anschlägen und eine Reihe von Banküberfällen verantwortlich sein. Angeblich gehörten sie einer Zelle namens "Nationalsozialistischer Untergrund" an.
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Linkspartei in der Krise
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ um Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wird für die Mordserie an neun Geschäftsleuten türkischer und griechischer Abstammung zwischen den Jahren 2000 und 2006 und die Ermordung Michèle Kiesewetters 2007 verantwortlich gemacht. Kiesewetters damals 24 Jahre alter Streifen-Kollege wurde schwer verletzt. Nähere Einzelheiten werden noch ermittelt.
Das Mörder-Trio konnte sich Ausweise erschleichen
Im Ausschuss verlautete von Seiten der Sicherheitsbehörden zudem, es gebe insgesamt fünf konkret Beschuldigte; die Größe des Umfeldes wurde mit einem Dutzend angegeben. Bisher sind zwei mutmaßliche Rechtsterroristen in Haft – Zschäpe und der Unterstützer Holger G. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, sprach angesichts der Ereignisse von einer „Niederlage der Sicherheitsbehörden“. Diese waren den Mördern elf Jahre lang nicht auf die Spur gekommen. Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos hatten es geschafft, über 13 Jahre hinweg untergetaucht zu bleiben.
Derweil entdeckten Ermittler nach Informationen der Bild-Zeitung eine weitere Behördenpanne bei den Ermittlungen. Offenbar habe das Trio einen Ausweis mit einem falschen Lichtbild und einer falschen Unterschrift manipuliert. Mit dieser Fälschung habe die Gruppe einen Sachbearbeiter auf einem Meldeamt täuschen können und sich „echte“ Ausweispapiere erschlichen, vermutlich einen Reisepass.
Rechter Terror ist nicht neu
Bildergalerie ( 17 Bilder )
Rechter Terror ist nicht neu
Nur anderthalb Stunden später landet der Attentäter von Oslo auf der Insel Utoya, wo die sozialdemokratische Jugend Norwegens ein Sommercamp veranstaltet. Er erschießt 68 Menschen, die meisten von ihnen sind Teenager.
Foto: REUTERS
Der Attentäter Anders Behring Breivik, hier auf dem Weg zum Gericht drei Tage nach der Tat, gibt an, er habe mit den Anschlägen sein Land gegen den Islam und die linke Politik verteidigen wollen. Breivik war nach Erkenntnissen der Ermittler Mitglied der rechtspopulistischen "Fortschrittspartei" und war im Internet in rechtsextremistischen und islamfeindlichen Foren aktiv.
Foto: REUTERS
Am 19. Januar 2009 werden in Moskau der russische Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und seine junge Kollegin Anastassja Baburowa auf offener Straße erschossen. Für den Mord werden im Frühjahr 2011 ein junger Mann und eine junge Frau verurteilt.
Foto: dpa
Beide gehören einer nationalistischen Bewegung an. Russischen Medienberichten zufolge hatten die beiden sich an dem Anwalt rächen wollen, weil er mehrere Opfer von Schlägern aus dem Neonazi-Milieu verteidigt hatte. Das Bild zeigt ultranationalistische Demonstranten bei ihrem "Russischen Marsch" durch Moskau Anfang November.
Foto: dapd
Russische Neonazis werden auch immer wieder für gewalttätige Übergriffe auf Ausländer mit vielen Toten und Verletzten verantwortlich gemacht. Die Opfer sind meist Kaukasier. Die rechte Gewalt gegen Nicht-Russen eskalierte besonders im vergangenen Jahr, nachdem am 6. Dezember ein Hooligan des Fußballclubs Spartak Moskau von einem Mann aus der Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien erschossen worden war.
Foto: REUTERS
2007 wird die Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34" verboten. Mehrere Mitglieder (im Bild: Tom W.) werden wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Körperverletzung angeklagt.
Foto: dapd
Bei Hausdurchsuchungen wird nicht nur Nazi-Propagandamaterial sichergestellt, sondern auch Waffen. Die Gruppe wird für mehrere brutale Überfälle auf Ausländer und linke Politiker in der Region Mittweida verantwortlich gemacht. 2008 werden mehrere "Sturm 34"-Anführer zu Haftstrafen verurteilt.
Foto: dapd
In einer großangelegten Razzia zersprengt die Polizei im Oktober 2003 in Pinneberg einen deutschen Ableger der britischen Neonazi-Organisation "Combat 18". Einige Mitglieder wurden später wegen Körperverletzung und erpresserischem Handeln verurteilt. Die Terrortruppe formierte sich Ende 1991/Anfang 1992 in London. C18 soll für eine ganze Reihe von gewalttätigen Anschlägen und Mordversuchen verantwortlich sein. Die Zahl 18 steht für die Initialen Adolf Hitlers.
Foto: REUTERS
Die Verhaftung eines deutschen "Combat 18" Mitglieds im Oktober 2003. Die Mitglieder des schleswig-holsteinischen Ablegers bedrohten linke Aktivisten. Unter dem Namen "Redwatch" veröffentlichten auch die britischen Neonazis von Combat 18 eine Todesliste. Einige der darin genannten Personen und Organisationen wurden kurz nach der Veröffentlichung Opfer eines terroristischen Anschlags.
Foto: dapd
Bei einem Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City am 19. April 1995 sterben 168 Menschen, mehr als 800 wurden verletzt.
Foto: dpa
Der Attentäter Timothy McVeigh sympathisierte mit rechtsextremistischen Organisationen. Als Motiv gab der 27 Jahre alte Golfkriegsveteran Hass auf die Regierung an, seine Tat rechtfertigte er als eine militärische Aktion.
Foto: dpa/dpaweb
Das "Feld der leeren Stühle" in Oklahoma City erinnert heute an den bis dato folgenschwersten Anschlag der US-Geschichte.
Foto: dpa/dpaweb
Am Morgen des 2. August 1980 explodiert eine Bombe im Hauptbahnhof der italienischen Stadt Bologna. Bei dem Anschlag sterben 85 Menschen, mehr als 200 werden verletzt.
Foto: Beppe Briguglio, Patrizia Pulga, Medardo Pedrini, Marco Vaccari
Für das Attentat werden die Neofaschisten der Gruppe "Ordine Nuovo" (Neue Ordnung) verantwortlich gemacht. Der rechten Terrorgruppe, deren Motto der Spruch der Waffen-SS "Unsere Ehre heißt Treue" war, werden weitere blutige Anschläge mit Dutzenden Todesopfern in Italien zugeschrieben.
Foto: Beppe Briguglio, Patrizia Pulga, Medardo Pedrini, Marco Vaccari
Auch das Oktoberfestattentat vom 26. September 1980 war rechtsextremistisch motiviert. Eine Bombe am Haupteingang tötete damals 13 Menschen, mehr als 200 wurden teilweise schwer verletzt.
Foto: dpa
Ein Gedenkstein erinnert an die Opfer. Der Bombenleger Gundolf Köhler hatte Verbindungen zur rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann und war als Student in Tübingen im rechten Hochschulring Tübinger Studenten aktiv. Dennoch wurde Köhler, der bei dem Anschlag selbst ums Leben kam, von den Behörden als Einzeltäter bezeichnet.
Foto: ddp
Rechtsextremer Terror ist nicht neu. In den vergangenen Jahren starben bei rechtsextremistischen Anschlägen in Europa und den USA hunderte Menschen. Beispiel Oslo: Im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt gehen am 22. Juli dieses Jahres mehrere Bomben hoch. Dabei sterben acht Menschen.
Foto:
dpa
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Linkspartei in der Krise
Fotostrecken Politik
Fotostrecken Politik
Strittig ist, in welchem Rahmen die Versäumnisse der Sicherheitsbehörden aufgeklärt werden. SPD-Chef Sigmar Gabriel brachte einen Untersuchungsausschuss ins Gespräch. Die FDP schließt weder einen Untersuchungsausschuss noch die Berufung eines Sonderermittlers aus. Der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von CDU/CSU, Hans-Peter Uhl, lehnte hingegen beides ab. Zur Aufarbeitung der Versäumnisse in den Ländern tauge weder das eine noch das andere. Und schließlich eigne sich das Thema auch nicht für parteipolitische Spielchen. Uhl spielte damit auf den früheren SPD-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye an, der am Wochenende der CSU Rechtspopulismus vorgeworfen hatte. Und vielen Politikern Naivität gegenüber der Bedrohung von rechts.
Observationen, aber keine Erkenntnisse
Obwohl die mutmaßliche Zwickauer Terrorzelle mehrere Jahre in Sachsen lebte, hatte der dortige Verfassungsschutz keine Erkenntnisse über die Gruppe gewinnen können. Das musste gestern der Präsident des Landesamtes (LfV), Reinhard Boos, vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Dresdner Landtages einräumen. Wie aus dem geheim tagenden Gremium verlautete, habe das LfV zwar in den letzten Jahren von Zeit zu Zeit die rechte Szene in der Region Zwickau observiert; Informationen über die dort unter Aliasnamen lebenden Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe habe man aber nicht erhalten.
Dabei hatte das LfV laut Boos auf Bitten der Thüringer Sicherheitsbehörden zwischen 1998 und 2002 „diverse Maßnahmen“ zur Fahndung nach den damals abgetauchten Jenaer Neonazis durchgeführt, die allesamt jedoch erfolglos geblieben seien. Vor dem Gremium stellte Boos zugleich klar, dass sein Amt weder mit Angehörigen der Zelle noch Personen aus deren mutmaßlichem Umfeld zusammengearbeitet oder diese in irgendeiner Weise unterstützt habe. „Wir verstehen das als Garantieerklärung des Präsidenten“, erklärte nach der Sitzung des Gremiums dessen Vorsitzender, der CDU-Abgeordnete Günter Schneider. Schneider kündigte an, dass die Kontrollkommission sich in den nächsten Wochen Akten des LfV vorlegen lassen werde, die mit der Aufklärung der rechten Szene insbesondere in der Region Zwickau/Johanngeorgenstadt zu tun haben.
Deutliche Kritik an der Arbeit des sächsischen Verfassungsschutzes äußerte hingegen der Linken-Fraktionschef André Hahn. Er sei „schlicht fassungslos“ über das Ausmaß der Unkenntnis des LfV von rechtsextremen Strukturen im Freistaat. „Es ist unglaublich, dass ein Nachrichtendienst mehr als ein Jahrzehnt keine Informationen über eine aus Sachsen heraus operierende Nazi-Terrorzelle gewinnen konnte“, sagte Hahn gestern in Dresden.