Die Ermittler prüfen nach Informationen der FR mögliche Verbindungen des Ludwigshafener Neonazis Malte R. zur Zwickauer Zelle - und vermuten dort eine weitere Terroristische Vereinigung.
Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bilden die Zwickauer Zelle. Foto: dpa
Bei ihren Ermittlungen zum Umfeld der mutmaßlichen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gehen die Behörden neuen Spuren in die militante Neonaziszene in Rheinland-Pfalz nach. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ist der bekannte Ludwigshafener Neonazi Malte R. ins Visier der Ermittler gerückt. Er soll eine maßgebliche Rolle bei der dortigen Nazi-Gruppe Lunara einnehmen und Schießübungen im Ausland organisiert haben. Lunara bewerten die Behörden anscheinend als terroristische Vereinigung.
Laut Dokumenten, die der FR vorliegen, gilt Malte R. den Behörden zudem als verdächtig, den Brand in einem Ludwigshafener Wohnhaus gelegt zu haben, bei dem am 3. Februar 2008 neun türkischstämmige Bewohner ums Leben gekommen waren. Das Feuer in dem ausschließlich von Migranten bewohnten Haus hatte damals auch deshalb international Aufsehen erregt, weil die Behörden eine Brandstiftung mit ausländerfeindlichem Hintergrund relativ schnell ausgeschlossen hatten. Die Ursache des Feuers ist bis heute ungeklärt. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, hatte in der vergangenen Woche erklärt, den Fall neu untersuchen lassen zu wollen.
Ludwigshafen: Entsetzen nach dem Brand
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Ludwigshafen: Entsetzen nach dem Brand
Klar ist bisher: Das Feuer, gegen das die Wehren kämpfen mussten, ist unter der Kellertreppe entstanden - zunächst als Schwelbrand.
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Acht Leichen finden die Rettungskräfte im Haus. Eine Frau stirbt im Krankenhaus.
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Während der Löscharbeiten gibt es dramatische Szenen.
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Bewohner springen in Panik aus diesen Fenstern.
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Hier retten Feuerwehrleute in kleines Kind per Leiter durch ein Fenster.
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Die verzweifelten Eingesperrten werfen dieses Kind aus dem Fenster - ein Polizist fängt es auf.
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Im Haus waren zahlreiche Gäste, die sich den vorbeiziehenden Umzug ansehen wollten. Für sie wurde das brennende Gebäude zur Falle.
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Neben rund 60 Feuerwehrleuten sind auch Krisenhelfer im Einsatz, die sich um die Überlebenden kümmern.
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Abschied von den neun Todesopfern der Brandkatastrophe in Ludwigshafen.
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Etwa 4500 Menschen kommen zu einer bewegenden Trauerfeier.
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Die Särge der vier toten Frauen und fünf Kinder werden vor der Ruine des ausgebrannten Hauses aufgereiht.
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Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer (im Bild mit Dolmetscher), spricht genauso wie der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) .
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Schon einige Tage gibt es Reden. Der türkische Staatschef Erdogan kommt - und versucht mit einer emotionalen, ermahnenden Rede die Stimmung in Ludwigshafen und den türkischen Medien zu beruhigen.
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Erdogan legt einen Kranz nieder und spricht die Trauer der türkischen Nation aus. "Unsere Trauer soll eine stille Trauer sein", sagt er. "Unser Schmerz ist unermesslich, unsere ganze Nation trauert unermesslich."
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Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck verspricht, es werde alles zur Aufklärung getane. Er lobt die Einsatzkräfte: "Es gibt viele, deren Leben gerettet werden konnte."
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Fachleute suchen seit vielen Tagen nach der Ursache für den Ausbruch des Feuers.
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Von einem Kranwagen aus tragen sie Teile des Dachs ab, um weiter ins Innere vorzudringen.
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Die Feuerwehr setzt starkes Gerät ein. Die Flammen haben vom Dach wenig übrig gelassen.
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Die Menschen in Ludwigshafen trauern um die Opfer des Feuers. Neun Menschen, davon fünf Kinder, mussten sterben. Sie sind alle türkischer Nationalität.
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Stofftiere als Zeichen der Trauer - am Zaun vor dem ausgebrannten Wohnhaus.
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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan fordert eine rasche Aufklärung des Unglücks - und schickt eigene Ermittler nach Ludwigshafen.
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Der türkische Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu (rechts) und die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer (links) legen Kränze nieder - drei Tage nach dem Unglück.
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Der türkische Botschafter in Berlin, Mehmet Ali Irtemcelik, gedenkt schon einen Tag früher vor dem abgebrannten Mehrfamilienhaus der Opfer.
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Besonders bizarr: Nur wenige Meter vom Feuer entfernt wird trotz des Großaufgebots von Rettungskräften noch Fastnacht gefeiert. Die Nachricht hat sich offenbar zunächst nicht verbreitet.
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An dem Haus war kurz vor dem Ausbruch des Feuers der Ludwigshafen- Mannheimer Fastnachtsumzug vorbeigezogen.
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Unter den Verletzten sind auch Feuerwehrleute und Polizisten, die helfen wollten.
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Meterhohe Flammen schlagen aus dem Gebäude, als die Feuerwehr eintrifft.
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Mit langen Leitern gelangen die Feuerwehrleute auf das Dach - die Treppe im Inneren ist abgebrannt.
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Der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig, sieht in Ludwigshafen keinen Anschlag. Die Ermittler vermuten vielmehr fahrlässiges Verhalten als Brandursache.
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Malte R. gilt als wichtige Figur der militanten rechten Szene in Süddeutschland. Die Ermittler zählen ihn anscheinend wie den Thüringer Neonazi Thomas G. zur internationalen Nazi-Organisation „Hammerskin Nations“ (HSN). Auch G., der den gleichen Decknamen wie die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe als Passwort in Internetforen benutzt haben soll, ist inzwischen in den Fokus der Ermittlungen geraten.
Gastgeber von Rechtsrockern
Unter Beobachtern der rechten Szene in Süddeutschland gilt Malte R. als Kopf der deutschen HSN-Division. Bei ihm soll auch der niedersächsische Sänger Daniel G. mit seiner Rechtsrock-Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“ aufgetreten sein, für den sich die Behörden wegen seines Liedes „Döner-Killer“ interessieren, weil es die Mordserie der Zwickauer Terror-Zelle thematisierte, lange bevor der rassistische Hintergrund der Taten von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt bekannt wurde.
Der Ludwigshafener R. soll zudem Kontakte zum Neonazi Ralf Kapke, der die untergetauchten Rechtsterroristen durch den Verkauf des antisemitischen Brettspiels „Pogromly“ unterstützt haben soll, sowie zum inzwischen inhaftierten Ralf Wohlleben unterhalten haben. Wohlleben hatte nach Angaben des Innenministeriums in Mainz die Internetseiten des „Aktionsbüros Rhein-Neckar“ gestaltet. Malte R. gilt bei den Behörden als wichtiges Mitglied des Aktionsbüros, das nach Angaben des Ministeriums eine „Informations- und Koordinierungsstelle“ von neonazionalsozialistischen Kameradschaften im Dreiländereck Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist.
Verbindungen von Rheinland-Pfalz zur Mordserie des NSU hatte das Ministerium bislang verneint. Malte R. war in der Vergangenheit eher regional als Ladenbetreiber und Musikproduzent der rechten Szene aufgefallen. Allerdings sollen ihn Bilder von Nazi-Aufmärschen schon vor Jahren an der Seite von Ralf Wohlleben zeigen.