Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wollten nach Südafrika fliehen - ihr Vorhaben scheiterte jedoch an Beate Zschäpe. Die wurde dann im Jahr 2007 zum Verhör einbestellt – ohne Folgen.
Polizisten wühlen im Schutt der Zwickauer Zelle.
Polizisten wühlen im Schutt der Zwickauer Zelle.
Das Zwickauer Neonazi-Trio hatte einem Zeitungsbericht zufolge vor gut zehn Jahre eine Flucht nach Südafrika ins Auge gefasst. Das Vorhaben sei jedoch am Widerstand von Beate Zschäpe gescheitert, die ihre Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nicht habe begleiten wollen. Das berichtete die Zeitung "Die Welt".
Zschäpe habe nach Aussagen eines Ermittlers nicht aus Deutschland weggewollt.
Entsprechende Erkenntnisse fänden sich in einer geheimen Dokumentation, in der die Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern ihr Wissen über die Terrorzelle zusammengetragen hätten.
Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe seien aber offenbar zu keinem Zeitpunkt ins Ausland gegangen, um sich der Verfolgung zu entziehen. Längere Aufenthalte in Bulgarien, Tschechien, Ungarn oder Belgien, über die immer wieder spekuliert wurde, hielten die Ermittler inzwischen für nahezu ausgeschlossen, heißt es. Die Ermittler gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass die Rechtsextremisten von 1998 bis 2011 ununterbrochen über Wohnungen in Sachsen verfügten
Der Terror der Zwickauer Zelle
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Der Terror der Zwickauer Zelle
Beate Zschäpe (36) war eine der wenigen Frauen in der rechtsextremistischen Szene. Sie soll sich politisch kaum engagiert haben. Vielmehr hatte sie nach bisherigen Erkenntnissen offenbar mit den beiden toten Gewalttätern ein Verhältnis.
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Uwe Böhnhardt (34) galt als Waffennarr. Seine rechtsextremistischen Gesinnungsgenossen gehen davon aus, dass er der Todesschütze gewesen sein könnte. Das Fahndungsfoto stammt aus dem Jahr 1998.
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Uwe Mundlos (38)galt als der Gebildete in der Gruppe. Seine Lehrerin beschrieb den Professorensohn als sehr höflich. Weiter heißt es über ihn, er sei ein aufgeschlossener Typ gewesen, rhetorisch begabt und politisch interessiert. Das Fahndungsfoto stammt aus dem Jahr 1998.
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Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen sind seit den 90er Jahren in den Neonazi-Szene aktiv. Das Foto zeigt Uwe Mundlos (links) und Uwe Böhnhardt (Mitte) im Herbst 1996 in Erfurt im Umfeld eines Prozesses gegen den Holocaust-Leugner Manfred Roeder.
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Uwe Böhnhardt 1996 in Erfurt.
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Uwe Mundlos mit dem späteren stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Ralf Wohlleben (l.) 1996 in Erfurt
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Etwa 60 Rechtsextreme ziehen am 03. Februar 2001 mit dem Transparent "Thüringer Heimatschutz" durch die Innenstadt von Jena. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hatten die drei in den 90er Jahren Verbindungen zur Neonazi-Gruppe "Thüringer Heimatschutz.
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Polizisten führen Beate Zschäpe, die einzige noch Lebende aus dem Mördertrio, am Mittwoch aus einem Gebäude der Staatsanwaltschaft Zwickau.
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Beate Zschäpe wird am Sonntag mit einem Kleinbus vom Gelände der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gefahren. Gegen die arbeitslose Gärtnerin wird wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord ermittelt. Sie will nach Medienberichten dazu nur aussagen, wenn ihr als Kronzeugin Strafmilderung zugesichert wird.
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In diesem Haus im niedersächsischen Lauenau soll der mutmaßliche Komplize der Gruppe Holger G. bis zu seiner Verhaftung am Sonntagvormittag gewohnt haben.
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Feuerwehrleute und Polizisten stehen am 4. November in Eisenach vor einem ausgebrannten Wohnmobil, in dem die Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos entdeckt wurden. Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen hatten sich offenbar selbst erschossen. In dem Wohnwagen findet die Polizei Spuren zu mehreren unaufgeklärten Verbrechen.
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Zeitgleich geht in Zwickau das Haus in Flammen auf, indem die Gruppe zuletzt wohnte. Die Ermittler gehen davon aus, das Beate Zschärpe das Haus in Brand gesteckt hat.
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In dem durch die Explosion völlig zerstörten Haus finden die Ermittler die Waffe, mit der nicht nur die Heilbronner Polizistin sondern auch neun ausländische Geschäftsleute seit 2000 erschossen wurden.
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Hinter dieser Tür des Hauses in Zwickau lebte das Trio offenbar unbehelligt. Bereits 1998 fand die Polizei bei den drei Neonazis in einem Haus in Jena Rohrbomben und Sprengstoff. Verhaftet wurden sie nicht.
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Ermittler bei der Spurensuche in den Trümmern des Zwickauer Hauses.
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Dort finden sie auch ein Bekennervideo, in dem sich die Gruppe der Mordserie rühmt.
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In dem Video bezeichnet sich die Gruppe als "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).
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Ein Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo zeigt die Hand der Zeichentrickfigur "Paulchen Panther" aus der Serie "Pink Panther", die eine Pistole abfeuert, während dahinter eine Filmaufnahme von Polizisten gelegt ist.
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Außerdem werden in dem 15-minütigen Film Bilder der neun Opfer der sogenannter Döner-Mordserie eingeblendet.
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Das Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo zeigt die Aufnahme einer Patronenhülse mit dem eingeblendeten Datum 28.06.2001. An diesem Tag wurde der türkische Obst- und Gemüsehändler Sueleyman T. in Hamburg ermordet.
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Auf das Grab von Heinz Galinski, dem einstigen Präsidenten des Zentralrats der Juden, wird am 19. Dezember 1998 einen Sprengstoffanschlag verübt. Auch dafür könnte die Gruppe verantwortlich sein. Bereits im Januar 1998 hatte die Polizei die Bombenwerkstatt des Trios im thüringischen Jena entdeckt. Die drei blieben jedoch auf freiem Fuß und tauchten unter.
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Die Porträts von acht der zehn Mordopfer des Trios. Acht türkische und ein griechischer Ladenbesitzer werden zwischen 2000 und 2006 an verschiedenen Orten in Deutschland erschossen.
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Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens transportieren am 29. August 2001 im Münchner Vorort Ramersdorf die Leiche des Lebensmittelhändlers Habil K. ab. Der 38-Jährige war in seinem Geschäft mit zwei Kopfschüssen getötet worden.
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Polizisten der Nürnberger Spurensicherung arbeiten am 29. Juni 2005 an einem Imbiss in Nürnberg. Der türkische Standbetreiber Ismail Y. war am 9. Juni vormittags mit fünf gezielten Schüssen kaltblütig ermordet worden.
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Am 19. Januar 2001 explodiert eine Sprengfalle vor einem iranischen Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln. Die 19-jährige Tochter des Inhabers wird schwer verletzt. Auch für diesen Anschlag könnte nach Erkenntnissen der Ermittler das sächsische Terror-Trio verantwortlich sein.
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Eine Nagelbombe explodiert am 9. Juni 2004 in der überwiegend von Türken bewohnten Keupstraße in Köln. 22 Menschen werden verletzt. Die Suche nach den Tätern bleibt erfolglos In ihrem Bekennervideo rühmt sich nun die rechte Terrorgruppe des Anschlags.
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Mit diesen Fotos aus einer Überwachungskamera sucht die Polizei in Köln nach dem Bombenanschlag nach einem zweiten Mann.
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Das Bild einer Überwachungskamera zeigt die Täter bei einem Bankraub am 07.09.2011 in Arnstadt. Eine Serie von mindestens 14 Bankrauben wird Böhnhardt und Mundlos inzwischen zugeodnet, davon zehn in Sachsen und je zwei in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.
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Die Polizei sichert im April 2007 Spuren am Tatort auf der Heilbronner Theresienwiese.
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Die 22-jährige Polizistin Michèle K. wurde getötet, ein Kollege wurde schwer verletzt.
Die drei sächsischen Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sollen für die sogenannte Döner-Morde, den Tod einer jungen Polizisten sowie eine Reihe von weiteren rechtsextremistischen Anschlägen und eine Reihe von Banküberfällen verantwortlich sein. Angeblich gehörten sie einer Zelle namens "Nationalsozialistischer Untergrund" an.
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NSU hatte Kontaktleute im Raum Nürnberg
Wie außerdem bekannt wurde, gibt es Spuren der NSU zu weiteren Unterstützern, die in den Raum Nürnberg führen. So war Anfang November 2011 in der fränkischen Stadt mindestens ein Bekennervideo der Gruppe offenbar durch einen Einheimischen zugestellt worden.
Am Mittag des 4. November waren die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in der Nähe von Eisenach tot in einem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden worden, nachdem sie Stunden zuvor eine Sparkassenfiliale ausgeraubt hatten. Gegen 15 Uhr am selben Tag setzte Beate Zschäpe, die mit den beiden mehr als 13 Jahre lang zusammen gelebt hatte, die gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand und floh. Die Fahnder konnten rekonstruieren, dass Zschäpe sich bis zu ihrer Festnahme am 8. November jeweils kurzzeitig an mehreren Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in Bremen aufgehalten hatte. In diesen Orten gab sie auch mehrere Umschläge mit den Videos auf, die auf dem Postweg ausgewählte Empfänger im gesamten Bundesgebiet erreichen sollten.
Zwei dieser Videos gelangten auch zur Nürnberger Zeitung, ein zweites zur Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ). Der KAZ wurde dabei ein unfrankierter Umschlag mit dem Video in den Briefkasten geworfen. Da Zschäpe nach dem 4. November aber nicht in Nürnberg war, muss eine bislang unbekannte Person den Film eingeworfen haben.
Das passt zu anderen Erkenntnissen der Fahnder, die sich inzwischen für Mitglieder der 2004 verbotenen Fränkischen Aktionsfront (FAF) interessieren. Die in der Region um Nürnberg operierende FAF war ein Zusammenschluss von regionalen Neonazi-Kameradschaften und orientierte sich dabei am Thüringer Heimatschutz (THS), dem auch die mutmaßlichen NSU-Aktivisten angehört hatten. Zwischen beiden Organisationen aus Bayern und Thüringen gab es enge Verbindungen. Der vorbestrafte ehemalige FAF-Führungskader Matthias F. gehörte zudem der rassistischen Gruppe Aryan Hope (Arische Hoffnung) an, die der 2000 in Deutschland verbotenen Blood & Honour-Bewegung nahesteht. In diesen Kreisen hatten sich auch Mundlos und Böhnhardt bewegt und Unterstützer rekrutiert.
Ermittler sind bei der Auswertung von Fundstücken aus der Zwickauer Wohnung noch auf weitere Hinweise darauf gestoßen, dass sich die mutmaßlichen NSU-Mitglieder zeitweise im Raum Nürnberg aufhielten. Geprüft wird daher auch die Möglichkeit, dass Unterstützer oder Mitstreiter der NSU aus dieser Region an den fünf Morden beteiligt waren, denen zwischen 2000 und 2005 in Nürnberg und München fünf Migranten zum Opfer fielen.
Es sei auffällig, so ein Ermittler, dass die bayerischen Tatorte, was Lage und Erreichbarkeit betrifft, jeweils gut ausgewählt waren. Das lasse auf eine besondere Ortskenntnis schließen. Gestützt wird diese These durch eine, bislang allerdings nicht bestätigte Zeugenaussage von Anfang Dezember: Damals hatte ein Informant beim BKA angegeben, dass die drei aus Zwickau in der rechtsradikalen Szene im Westen bekannt, ja berühmt gewesen seien. Neonazis aus dem Westen hätten den Ostlern sogar beim Auskundschaften der Tatorte geholfen.
Unterdessen ist eine neue Fahndungspanne bekannt geworden. Der Spiegel berichtet, die Zwickauer Polizei habe im Januar 2007 Beate Zschäpe als Zeugin befragt. Es ging um einen mutwillig verursachten Wasserschaden in der Wohnung über der des Trios, das damals noch in der Polenzstraße wohnte. Zschäpe sei unter dem Namen Susanne E. auf dem Revier erschienen. In dem 20-minütigen Gespräch habe sie sich einige Male in Widersprüche verwickelt, allerdings seien die Beamten nicht stutzig geworden und hätten sie wieder gehen lassen. Gut drei Monate später wurde in Heilbronn die Polizistin Michéle Kiesewetter erschossen, auch diese Tat wird der NSU zugeschrieben. (mit dpa)