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Rechtsextremismus: Der Blick der Stasi auf die rechte Szene der DDR

Der Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, sieht Gründe für den Rechtsextremismus in Ostdeutschland auch in der Entwicklung in der DDR. "Die Stasi-Akten belegen, dass es in der DDR Rechtsextremismus gab - in der Öffentlichkeit und im Verborgenen".

Roland Jahn: Roland Jahn sucht nach Gegenkonzepten zur Rechten.
Roland Jahn: Roland Jahn sucht nach Gegenkonzepten zur Rechten.
Foto: rtr

Bei der Suche nach den Ursachen für die Taten der rechtsextremistischen Zwickauer Terrorzelle müsse man sich vor einfachen Wahrheiten hüten, meint Roland Jahn, der Leiter der Stasiunterlagenbehörde. Im Interview spricht er über seine Heimatstadt Jena, den Umgang mit Rechtsradikalismus in der DDR und die Ursachen für das Handeln des Zwickauer Terror-Trios.

Herr Jahn, das Terror-Trio Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos hat seine Wurzeln in Jena, Ihrer Heimatstadt. Hat Sie das überrascht?

Es hat mich erschreckt. Denn als ein sehr heimatverbundener Mensch tut es mir weh, dass aus der Stadt, die ich in der Tradition von Freiheit und Demokratie sehe, Menschen kommen, die genau das Gegenteil wollen. Ich habe spontan den Oberbürgermeister Albrecht Schröter angerufen und ihm deutlich gemacht, dass er meine Solidarität hat.

Der weltoffene Fußball-Torwart Robert Enke kam aus der Stadt, Sahra Wagenknecht von der Linkspartei ist von dort und Sie eben auch. Hat Jena einen Januskopf?

Nein. Es gibt überall Rechtsextremismus, ob in Ost oder West – damit auch in Jena. Allerdings war die Gegenwehr dort auch in den neunziger Jahren ganz stark. Es gab große Aktionen der gesamten Stadt – einschließlich des Oberbürgermeisters.

Albrecht Schröter hat für diesen Kampf gerade einen Preis bekommen.

Richtig. Und deshalb kann ich nur sagen: Jena zu stigmatisieren, ist falsch. Es ist viel wichtiger zu fragen, wie es möglich war, dass Kinder der Stadt diese Entwicklung genommen haben.

Und die Antwort?

Es gibt hier keine einfache Wahrheit. Wir sind herausgefordert, die DDR-Zeit, aber auch die Zeit des Umbruchs zu betrachten. Wir waren alle dabei. Dazu kommt der jeweils ganz persönliche Hintergrund der Tatverdächtigen.

Sie haben noch einen zweiten Zugang zum Thema, denn Sie haben sich als Journalist mit dem Rechtsextremismus befasst. Haben Sie den jetzt sichtbar gewordenen Terror für möglich gehalten?

Ich habe nicht so viel Fantasie gehabt, mir vorzustellen, dass junge Glatzen fähig sind, solche gemeinen Morde zu begehen. Was ich als Journalist in den neunziger Jahren erlebt habe, war, dass viele nach Orientierung gesucht und sie weder bei ihren Eltern noch bei ihren Großeltern gefunden haben. Freiheit will gelernt sein. Mir haben junge Glatzen gesagt: Wir sind nicht angepasst wie unsere Eltern in der DDR. Wir stehen zu unserer Meinung. Darauf sind wir stolz.

Das ist für jemanden mit Ihrer Biografie schwer zu kontern.

Das ist ganz einfach zu kontern. Denn Widerspruch gegen ein Unrechtsregime ist im Interesse der Menschen. Aber Neonazis widersprechen der Menschenwürde und der Demokratie.

Nun sind Sie zuständig für die Stasi-Akten. Was sagen die über Rechtsextremismus in der DDR?

Die Stasi-Akten belegen, dass es in der DDR Rechtsextremismus gab – in der Öffentlichkeit und im Verborgenen. Es gab kleine Nazitruppen, die den Nationalsozialismus und die SS verherrlicht haben. Die Stasi hat dem Aufmerksamkeit geschenkt, so wie sie insgesamt wissen wollte, was in dem Staat abläuft. Sie hat das ganze Instrumentarium bis zum Einsatz von Spitzeln genutzt. Sie hat aber nicht wirklich die Ursachen erforscht. Sie wollte den Beweis führen, dass diese rechtsextremistischen Positionen vom westlichen Klassenfeind gekommen sind. Den Nachweis konnte die Stasi nicht erbringen.

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Datum:  6 | 2 | 2012
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