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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

18. November 2011

Zwickauer Terrorzelle: Nazis feierten Mordserie mit "Döner Killer"-Song

 Von Matthias Thieme
Die Neonazis der NSU hatten Unterstützer.  Foto: ddp

Neonazi-Band sang schon 2010 über die Verbrechen der Thüringer Terrorzelle - und feiert deren Mordserie als Sieg ihrer Ideologie. Der Song wird zum Sommerhit der Neonazis.

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Neonazi-Band sang schon 2010 über die Verbrechen der Thüringer Terrorzelle - und feiert deren Mordserie als Sieg ihrer Ideologie. Der Song wird zum Sommerhit der Neonazis.

Während die Ermittler bei den neun Morden des Zwickauer Terror-Trios noch türkische Bandenkriminalität und Schutzgelderpressung vermuteten und die Angehörigen der Opfer verdächtigten, war die deutsche Neonazi-Szene schon weiter: Sie feierte die Mordserie als Sieg ihrer Ideologie – seit Juni 2010 sogar mit einem eigens dazu komponierten Lied. Titel: „Döner Killer“.

Damit lieferte die rechtsradikale Gruppe „Gigi & die braunen Stadtmusikanten“ ein Hetzlied zu den Verbrechen des Terror-Trios. Die CD mit dem Titel „Adolf Hitler lebt“, auf der das „Döner-Killer“-Lied enthalten ist, wurde seit Sommer 2010 öffentlich verbreitet, im Internet angepriesen und verkauft – lange bevor Ermittler oder Verfassungsschützer das Motiv der neun Morde begriffen. Die CD wurde öffentlich beworben. Laut Kennern der Szene war es eine der in Neonazi-Kreisen meistgekauften CDs im Jahr 2010. Der „Döner-Killer“-Song war für die Neonazis ein Sommerhit.

In dem Lied heißt es unter anderem: „Neun mal hat er es jetzt schon getan / Die SoKo Bosporus, sie schlägt Alarm / Die Ermittler stehen unter Strom / Eine blutige Spur und keiner stoppt das Phantom“. Über die Ahnungslosigkeit der Polizei macht sich das Lied besonders lustig: „Hunderte Beamte ermittelten zuletzt / 300.000 Euro sind auf ihn ausgesetzt / Alles durchleuchtet, alles überprüft / doch kein einziger Hinweis und kein Tatmotiv“.

Berüchtigter Rechtsrocker

Die rechtsextreme Musikgruppe „Gigi & die Braunen Stadtmusikanten“ sind das Projekt von Daniel Giese, einem berüchtigten Rechtsrocker. Er war auch schon bei der Band „Stahlgewitter“ aktiv. Unter dem Pseudonym „Goldhagens willige Speichellecker“, dessen Titel sich auf das Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ von Daniel Goldhagen bezieht, komponierte Giese mit anderen neonazistische Hetzlieder mit großer Bindewirkung für die Szene: Die Gruppe „Stahlgewitter“ besingt etwa die heutigen Neonazis als „politische Soldaten“.

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Die rechtsextremistische Terrorzelle aus Zwickau, hier im Bild Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt.

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Wegen des Verdachts der Volksverhetzung durchsuchte die Polizei 2003 sieben Wohnungen von Mitgliedern der Band „Stahlgewitter“. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelte und versuchte etwa, die Stimme des Gesanges von Daniel „Gigi“ Giese zuzuordnen. Er soll auch für ein rassistisches Projekt mit dem Namen „Zillertaler Türkenjäger“ gesungen haben. Doch die Ermittler konnten das nicht nachweisen. Das Verfahren wurde 2005 eingestellt.

Auch Gieses Lieder in dem Projekt „Die braunen Stadtmusikanten“ blieben immer unterhalb der „Schwelle zur Strafbarkeit“, vermerkte der Verfassungsschutzbericht Niedersachsens im Jahr 2004. So konnte Giese auch im Sommer 2010 bei zahlreichen öffentlichen Auftritten vor Hunderten Neonazis ungehindert seinen „Döner-Killer“-Hit singen: „Schließlich am Dönerstand herrschen Angst und Schrecken /Kommt er vorbei, müssen sie verrecken / Kein Fingerabdruck, keine DNA / (...) Denn neun sind nicht genug“.

Neun Morde – das waren für Rechtsrocker Giese und seine Anhänger noch zu wenig: „Neun mal hat er bisher brutal gekillt / doch die Lust am Töten ist noch nicht gestillt“, sang Giese. Das sei alles ganz legal, versichert die Plattenfirma PC-Records aus Chemnitz. „Zornesröte“ über die Texte nütze nichts: „Alles fein säuberlich vom Anwalt geprüft“, heißt es im Internet. „Den Gefallen tun wir euch also nicht...“.

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