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Neonazi-Terror
Die Zwickauer Zelle, ihr Terror und die Folgen

10. April 2012

Zwickauer Terrorzelle: Suche nach dem vierten Mann in der NSU

 Von Andreas Förster
Blumen erinnern in Kassel an Halit Yozgat, ein Opfer der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“.  Foto: dapd/Heiko Meyer

Eine unbekannte vierte Person hat vermutlich die Abläufe am letzten Tag der Zwickauer Terrorzelle entscheidend beeinflusst. Wie sonst hätte Beate Zschäpe vom Tod ihrer Freunde erfahren und die Wohnung in Brand stecken können?

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Eine unbekannte vierte Person hat vermutlich die Abläufe am letzten Tag der Zwickauer Terrorzelle entscheidend beeinflusst. Wie sonst hätte Beate Zschäpe vom Tod ihrer Freunde erfahren und die Wohnung in Brand stecken können?

Im Fall der mutmaßlichen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) sind die Ermittler zuversichtlich, dem Neonazi-Trio aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe die Täterschaft an der Ermordung von neun Migranten und einer Polizistin zwischen 2000 und 2007 sowie an mehreren Banküberfällen nachweisen zu können.

Rätselhaft erscheinen hingegen noch immer die Abläufe an jenem Freitag, dem 4. November 2011, an dem Mundlos und Böhnhardt in Stregda bei Eisenach ums Leben kamen und Zschäpe aus der von ihr in Brand gesteckten Wohnung in Zwickau floh. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung eingesehen wurden. Vor allem eine Frage ist auch nach fünf Monaten noch ungeklärt: Gab es eine vierte Person, die von der Existenz der NSU wusste und die Abläufe an diesem Tag entscheidend beeinflusste?

Nach den vorliegenden Erkenntnissen entwickelten sich die Ereignisse wie folgt: Am 4. November um 9.15 Uhr überfallen Mundlos und Böhnhardt die Sparkasse am Eisenacher Nordplatz. Mit 72.000 Euro Beute flüchten sie auf Fahrrädern zu einem Wohnmobil, das in nur 600 Meter Entfernung auf einem leeren Parkplatz abgestellt ist. Ein Zeuge beobachtet, dass die beiden ihre Räder verstauen und dann schnell in Richtung Baumarkt an der Autobahn fahren. Die Polizei löst eine Fahndung aus.

Haben Mundlos und Böhnhardt einen Vertrauten erwartet?

Gegen 12 Uhr fällt einer Funkstreifenbesatzung das Wohnmobil in einer Wohnsiedlung im Eisenacher Vorort Stregda auf. Als sich die beiden Beamten dem Fahrzeug nähern, vernehmen sie aus dem Inneren ein Geräusch, „als würde ein Möbelstück gerückt“, wie sich einer von ihnen später erinnert. Dann ertönen kurz hintereinander zwei Schüsse. Noch ein dritter Schuss fällt, und zwar – da gehen die Erinnerungen der Beamten auseinander – nach mindestens sieben, maximal 20 Sekunden. Kurz darauf dringen Rauch und Flammen aus dem Wohnmobil. In dem Fahrzeug werden wenig später die beiden Leichen gefunden.

Gesichert scheint, dass Mundlos mit seiner Pumpgun Böhnhardt in den Kopf geschossen hat – möglicherweise nachdem dieser auf die Polizisten gefeuert hatte. Anschließend soll er laut einem Brandgutachten Papier in der Mitte des Wohnwagens angehäuft und angezündet haben, bevor er sich selbst mit der Pumpgun erschoss – alles in wenigen Sekunden. Das Feuer wird so heiß, dass nach wenigen Minuten die Fenster und die Decke des Fahrzeugs herausfliegen und einige der Waffen sich verformen.

Warum aber töten sich die beiden Männer sofort, als die beiden Polizisten eintreffen? Haben sie vielleicht einen Vertrauten erwartet, der sie abholen wollte, und glauben sich nun verraten?

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