Niedersachsen-Wahl

15. Januar 2013

David Mcallister: Smarter Pragmatiker

 Von Daniela Vates
„Snacken is goot,wat doon is beter.“ Plattdeutscher Leitspruch von David McAllister. Foto: imago stock&people

Im zarten Alter von neun Jahren hält David McAllister seine erste Wahlkampfrede vor Klassenkameraden. Mit 17 Jahren tritt er in die CDU ein. Nun steht seine wichtigste Wahl an. Es geht um den höchsten Posten im Land Niedersachsen.

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Im zarten Alter von neun Jahren hält David McAllister seine erste Wahlkampfrede vor Klassenkameraden. Mit 17 Jahren tritt er in die CDU ein. Nun steht seine wichtigste Wahl an. Es geht um den höchsten Posten im Land Niedersachsen.

Seine erste Wahlkampfrede hat David McAllister mit neun Jahren gehalten. 1980 war das, in West-Berlin. Eine Bundestagswahl steht damals an und der Grundschullehrer lässt seine Schüler Wahlkampf spielen. David McAllister sieht sich Wahlwerbespots im Fernsehen an und wirbt dann vor seinen Mitschülern für Franz Josef Strauß, den damaligen Kanzlerkandidaten der Union – und offenbar macht er es sehr überzeugend. Der Lehrer, so sagt McAllister jedenfalls heute, habe anschließend besorgt seine Mutter angerufen. Er erzählt diese Geschichte ziemlich gerne.

Strauß hat McAllister damals mit seiner Rede nicht helfen können, der CSU-Mann verlor die Wahl. Und wenn der Lehrer damals tatsächlich besorgt gewesen ist, dann haben sich seine Befürchtungen bewahrheitet. Nur wenige Jahre später ist McAllister in die CDU eingetreten. Da war die Familie schon umgezogen ins niedersächsische Bad Bederkesa, wo McAllister noch heute wohnt. Den Mitgliedsbeitrag hat er sich von seinen Eltern zum 17. Geburtstag gewünscht. Und heute spricht er davon, dass CDU-Wählen ein „metaphysisches Erlebnis“ sei. Nun gut, es ist wieder Wahlkampf. Und es ist McAllisters wichtigster. Es geht um den höchsten Posten im Land Niedersachsen, und es geht darum, ob der 42-Jährige ihn verteidigen kann. Eine Niederlage der CDU, ein Machtverlust wird mit seinem Namen verbunden sein. Genauso wie ein Sieg.

Merkel will Mc Allister nach Berlin locken

Er kann nicht richtig tief fallen. Ein Verlust der Regierungsmehrheit würde wohl vor allem an der Schwäche der FDP liegen. Zumindest kann die CDU das so verkaufen. Angela Merkel hat schon mal vergeblich versucht, McAllister als Generalsekretär nach Berlin zu locken. Wenn Niedersachsen ihn nicht mehr hält, würde sie den Sohn eines britischen Besatzungssoldaten und einer deutschen Lehrerin wohl zum Bundesminister machen. Nach einer gewonnenen Bundestagswahl – oder schon vorher, falls Bildungsministerin Annette Schavan wegen des Ärgers um ihre Doktorarbeit ihren Posten räumen müsste.

Für den Fall eines Machterhalts aber wird McAllister einer der mächtigsten Männer in der CDU sein: Viele Ministerpräsidenten sind der Partei ja nicht geblieben. McAllister wird dann immer genannt werden, wenn mal wieder jemand spekuliert, wer denn Angela Merkel nachfolgen könnte, in der Partei oder im Kanzleramt.

Aber darum geht es McAllister nicht. Sagt er. Er will Ministerpräsident bleiben, das Amt hat er ja erst vor zweieinhalb Jahren übernommen, als sein Vorgänger Christian Wulff Bundespräsident wurde. Wulff hat McAllister gefördert, den jungen Landtagsabgeordneten zum Nachfolger aufgebaut, ihn zum Generalsekretär gemacht und zum Fraktionschef. Als er mit seiner zweiten Frau Bettina 2008 einen Sohn bekam, hat er McAllister den Landesvorsitz der Partei übergeben. McAllister hat es Wulff mit Loyalität gedankt, er stimmte nicht ein in Lästereien und Kritik von Parteifreunden – zumindest so lange Wulff in Niedersachsen der Chef war.

Offensive Heimatverbundenheit

Der Bruch kam mit der Wulff-Affäre im vergangenen Jahr. Plötzlich war der Bundespräsident kein Glanzstück der Niedersachsen-CDU, sondern eine mögliche Belastung. McAllister distanzierte sich früh und aggressiv. Gegen Wulffs Hang zu Gratisreisen setzte der Nachfolger offensive Heimatverbundenheit: Seine Familie ziehe es eher in einen Strandkorb im nahen Cuxhaven. Er erklärte, er habe „eine Allergie gegen rote Teppiche“ – das Ehepaar Wulff hatte gerne im Blitzlicht gestrahlt. Wenn McAllister etwas zelebriert, dann sind es vielleicht seine Liebe zu McDonald’s und seine schottischen Wurzeln: Der Wahlwerbespot der CDU beginnt mit Dudelsackklängen.

Auch mit FDP-Chef Philipp Rösler, mit dem er früher angeblich täglich telefoniert hat, ist McAllister nun nicht mehr so eng. Rösler ist nicht mehr Minister in Niedersachsen, sondern im fernen Berlin. Aber vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass Rösler gerade kein Gewinnertyp mehr ist.

Schon eine Weile sagt McAllister, er stehe mit seinem Landesverband „wie eine Eins“ hinter Merkel. Er hat sich schleunigst von einer Truppe distanziert, die mit ihm einen neuen Konservatismus ausrufen wollte – er hätte sich damit gegen die Kanzlerin gestellt. Zwar warnt er gerne vor dem linken Lager, für richtig konservativ hält sich McAllister aber nicht. Er ist pragmatisch, will nicht anecken. Dabei kann er, wenn keine Kamera dabei ist, sehr hübsch andere Politiker imitieren.

Und er hat ein Alleinstellungsmerkmal: Kein anderer hochrangiger Politiker in Deutschland hat in einem Schottenrock geheiratet.

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