Niedersachsen-Wahl

21. Januar 2013

David McAllister und die CDU: Sieger sehen anders aus

 Von Bernhard Honnigfort und Daniela Vates
Ohne Glanz: McAllister wird TV-tauglich abgepudert. Foto: REUTERS

Die CDU kann sich nach der Landtagswahl in Niedersachsen damit trösten, stärkste Kraft geblieben zu sein. Doch die Christdemokraten haben deutlich verloren - nicht nur weil viele ihrer Wähler die FDP unterstützt haben.

Drucken per Mail

Schottische Musik gibt es bei der CDU und jede Menge Ratlosigkeit. Gequetschte Dudelsack-Klänge, kein Kommentar zur Lage soll das sein, sondern eine Huldigung an den Chef. David McAllister ist schließlich Halb-Schotte.

Aber der lässt sich Zeit. Anderthalb Stunden wartet er ab nach der Schließung der Wahllokale, ob sich nicht doch noch ein Trend abzeichnet mit einem klaren Sieger und einem klaren Verlierer. So ist es erst einmal nicht. „Was für ein Herzschlagfinale“, sagt McAllister, als er schließlich doch vor die Kameras tritt. Seine Anhänger jubeln, über 800 sind in die Halle in Hannover-Wülfel gekommen. McAllister verzieht seinen Mund zu einem Lächeln. Glücklich sieht er nicht dabei aus.

Niedersachsen-Wahl

Alle Prognosen, Ergebnisse und Koalitionsrechner zur Landtagswahl in Niedersachsen in unserer interaktiven Grafik. Analysen und Kommentare im Spezial.

Die FDP ist zwar gerettet, die schwarz-gelbe Koalition aber erst einmal noch nicht. Und die CDU hat deutlich verloren.

McAllister tröstet sich damit, dass die CDU die stärkste Kraft in Niedersachsen geblieben sei. Und dass Schwarz-Gelb eine sensationelle Aufholjagd gegenüber dem rot-grünen Lager hingelegt habe. Die Aufholjagd allerdings gilt vor allem für die FDP. Und sie ist zu Lasten der CDU gegangen.

Man kann das positiv sehen – so machen es die, die offiziell darüber sprechen müssen. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe etwa, der befindet, dass die FDP ja deswegen gewählt worden sei, weil die Wähler die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition in Hannover sicher stellen wollten.

Man kann aber auch ein Problem darin sehen. „Das war dann doch ein bisschen viel für die FDP“, sagen CDU-Leute an diesem Abend, als es noch nicht sicher ist, wer schließlich regieren wird in Hannover. Eine so gestärkte FDP, so befinden diese Leute, könnte leicht wieder übermütig werden und damit schwierig. In der schwarz-gelben Koalition im Bund hat man da so seine Erfahrungen gemacht nach der letzten Bundestagswahl, bei der die FDP auch vergleichsweise sensationell abschnitt.

Die leidigen Leihstimmen

Die CDU wird wohl ihre Lehre daraus ziehen: Keine Leihstimmen-Kampagne mehr für die FDP, zumindest nicht im Bundestagswahlkampf. Die hatte McAllister in Niedersachsen angezettelt, mit einer kleinen Bemerkung gleich zu Jahresbeginn. Er kenne viele CDU-Wähler, die zum ersten Mal in ihrem Leben FDP wählen wollten. Die Liberalen lagen da in den Umfragen unter fünf Prozent, McAllister wollte seinen Koalitionspartner zumindest über die Hürde retten. Subtil hatte er das einfädeln wollen, das misslang gründlich. Aus Berlin bremste Parteichefin Angela Merkel persönlich, fortan versicherte McAllister, er wolle natürlich alle Zweitstimmen für die CDU haben und das sei auch nie anders gewesen. Wenn es einen Patzer gab im CDU-Wahlkampf, dann war es vermutlich dieser. Wenn McAllister einmal nicht Merkels Musterschüler war, „Merkels Mac“, wie er sich selbst gerne tituliert, dann an diesem Punkt. Vor einigen Monaten ist die CDU schon einmal gemeinsam mit der FDP gekentert: Da plumpste die gesamte Regierungsmannschaft bei einer Drachenbootfahrt auf einem See ins Wasser.

Und so hat man sich bei der CDU schon alle möglichen Hintertürchen geöffnet: McAllister hat im Wahlkampf darauf verzichtet, die SPD allzu scharf anzugreifen. er machte einen Wohlfühlwahlkampf und verwandelte Niedersachsen in seinen Reden in ein Wirtschaftswunderland. Und er verwies auch mal auf die historischen Verdienste der Sozialdemokraten und erklärte, mit der SPD gebe es in vielen Grundsatzfragen Übereinstimmung. So muss man es dann vielleicht nicht mehr erklären, wenn man plötzlich doch über eine Große Koalition verhandeln muss.

Die Bundespartei könnte damit wohl auch leben, zumindest das Kanzlerinnen-Lager. Allzu viele Hoffnungen auf eine Wiederauflage von Schwarz-Gelb nach der Bundestagswahl hat man sich hier schließlich bislang nicht gemacht. Ein bisschen mehr Unruhe in der eigenen Partei gäbe es wohl, wenn das wohlige alte Lagerdenken wieder aufgebrochen würde. Die Hauptsache aber ist, dass nicht noch ein Land ganz verloren geht, nach Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Baden-Württemberg.

Für den Fall aber, dass es am Ende doch gar nichts zu feiern gibt, baut die Bundespartei am Abend vor: Merkels Generalsekretär Gröhe spricht von einer Kursentscheidung für das Land Niedersachsen. Die Bundestagswahl? Weit, weit weg.

Jetzt kommentieren

Politik-Spezial

Denkbar knapp siegt Stephan Weil (SPD, li.) im Bündnis mit den Grünen bei der Niedersachsen-Wahl.

Interaktive Grafik - alle Ergebnisse, Koalitionsrechner

Spezial mit Analysen und Kommentaren


Spezial: Niedersachsen-Wahl
Interaktiv

Die Wahl in Niedersachsen beeinflusst die politischen Gewichte im Bundesrat. Unserer Grafik zeigt die Zusammensetzung.

Videonachrichten Politik
Anzeige
Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.

Meinung
Anzeige
Frankfurter Rundschau im Abo
ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!