Niedersachsen-Wahl

10. Januar 2013

TV-Duell Niedersachsen-Wahl : Weil gegen McAllister auf Augenhöhe

 Von Bernhard Honnigfort
Treffen im TV-Studio: Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Niedersachsen, Ministerpräsident David McAllister (r., CDU) und Stephan Weil (SPD). Foto: dpa

60 Minuten, zwei Kontrahenten, ein Moderator, ein Ziel: Zehn Tage vor der Niedersachsenwahl haben sich CDU-Regierungschef David McAllister und SPD-Herausforderer Weil das einzige Live-TV-Duell geliefert. Der Zuschauer erfährt zwar wenig Neues, sieht aber viele Emotionen.

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Spannung? Überraschungen? Neuigkeiten? Fehlanzeige. Wer gedacht hatte, beim Fernsehduell von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) mit seinem Herausforderer Stephan Weil (SPD) am Donnerstagabend im NDR etwas mehr zu erfahren als aus den Faltblättern der Parteien, dem wurde die Stunde sehr lang. Unterhaltsam geht anders, ein Duell fand nicht wirklich statt: Der eine wirkte ein bisschen ölig, der andere etwas dröge.

McAllister verwendete in fast jeder Beschreibung seines Landes roboterhaft den Ausdruck „hervorragend“, ob Schulen oder Kitas, Draht zur Kanzlerin oder Offshore-Industrie. Weil hielt tapfer dagegen, wirkte aber manchmal etwas überfahren bis verwundert. Insgesamt schienen beide nicht aus demselben Bundesland zu kommen. Ein Sieger war nicht zu entdecken. Die Angelegenheit endete nach 60 Minuten mit einem mühevollen null zu null.

Noch eine gute Woche, dann ist Wahlsonntag zwischen Harz und Nordseeküste. Womöglich werden die Umfragen bis dahin noch mehr an Klarheit verlieren. Alles sieht nach einem engen Rennen Kopf an Kopf aus. Zwar dürfte die CDU stärkste Partei werden, sie liegt derzeit bei 39 Prozent. Aber was macht Partner FDP unter Spitzenkandidat Stefan Birkner? Das neueste ZDF-„Politbarometer“ sieht sie bei fünf Prozent. Man werde sich vom Bundestrend der FDP abkoppeln, verkündet der Liberale seit Tagen und hofft, dass es noch einmal reichen könnte für Schwarz und Gelb. Noch liegen Weils SPD und die Grünen vorn: 33 und 13 Prozent – käme es auch am 20. Januar in Hannover so, der Regierungswechsel wäre perfekt.

Gegensätzliche Kontrahenten

Angela Merkel und ihre Regierung würden bei jeder Gelegenheit im Bundesrat ausgebremst, die Karriere von FDP-Chef Philipp Rösler am Ende. Es geht also um einiges.
Den Niedersachsen werden mit McAllister und Weil zwei Politikertypen geboten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Regierungschef mit schottischen Wurzeln, der am Samstag 42 Jahre alt wird, ist ein jovialer Typ, jungen- und hallodrihaft. Er klopft gern mal flotte Sprüche, war auch schon mal Schützenkönig und kommt sich in einem Bierzelt sicher nicht verloren vor. Sein Gegenüber Stephan Weil, 54, Oberbürgermeister von Hannover, ist ein bisschen anders gestrickt. Der Jurist hatte einige Mühe, sich außerhalb der Landeshauptstadt bekannt zu machen. Der Freizeitjogger ist nicht so kumpelig veranlagt wie sein Kontrahent, verströmt allerdings, wenn er über Politik redet, mehr als sein Gegenüber das Gefühl, er nehme die Dinge ernst.

Vielleicht klappt es ja für McAllister, wenn die CDU-Wähler seine unterschwellige Botschaft beherzigen und mit der Zweitstimme die schwächelnde FDP unterstützen. Von seinem Auftritt im Fernseh-Duell kann er sich gewiss nicht viel erhoffen.

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