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Peter Feldmann, OB Frankfurt
Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil.

08. November 2012

Auslandsreise des Oberbürgermeisters: Frieden in Tel Aviv

 Von Georg Leppert
Ein Bild aus dem November 2012: Kämmerer Becker und Stadtrat Frank begleiten OB Feldmann (von rechts) in Tel Aviv.  Foto: Rafael Herlich

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kommt in der israelischen Partnerstadt Frankfurts gut mit den CDU-Oberen Uwe Becker und Markus Frank aus. Auf der Fahrt zeigt sich: Das neue Stadtoberhaupt ist souveräner geworden.

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Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kommt in der israelischen Partnerstadt Frankfurts gut mit den CDU-Oberen Uwe Becker und Markus Frank aus. Auf der Fahrt zeigt sich: Das neue Stadtoberhaupt ist souveräner geworden.

Plötzlich ist er da. In der gleißenden Mittagssonne steht Kämmerer Uwe Becker (CDU) vor dem Rathaus in Tel Aviv. Erwartet hatten ihn dort nicht viele. Becker stieß eher kurzfristig – und mit einem Tag Verspätung – zur Frankfurter Delegation in der israelischen Finanzmetropole. Doch nun ist er eben gekommen, und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) begrüßt ihn wie einen alten Freund: herzhafter Händedruck, ein kurzer Klaps auf die Schulter. Niemand, der diese Szene erlebt, würde glauben, dass sich hier gerade die beiden erbittertsten Gegenspieler der Frankfurter Kommunalpolitik begegnet sind.

Aber so ist das eben im Ausland. „Wir vertreten hier die Stadt Frankfurt“, sagt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), während er auf Einladung der Stadt Tel Aviv einen Fisch isst. „Wir vertreten Frankfurt, da gehören sich keine internen politischen Debatten.“ Und so laufen Becker und Frank brav hinterher, während Feldmann über den Carmel Market schreitet. So klatschen Becker und Frank artig Beifall, als Feldmann von einer „Partnerschaft der Herzen“ mit Tel Aviv spricht und Oberbürgermeister Ron Huldai, einem Mann mit Vergangenheit als Kampfpilot und dem kernigen Auftreten eines Volker Stein, etwas Höchster Porzellan überreicht. So hören Becker und Frank scheinbar ungerührt zu, als Feldmann die relativ forsche Idee vorstellt, man könne den Jugendaustausch mit der neuen Partnerstadt Eskisehir in der Türkei doch auf Tel Aviv erweitern.

OB bietet wenig Angriffsfläche

Aber selbst wenn die erste Garde der Frankfurter CDU Feldmann etwas Böses wollte: Viel Angriffsfläche bietet der OB in Tel Aviv nicht. Feldmann, das ist zu spüren, ist souveräner geworden in den vergangenen Monaten. Immer öfter weicht er bei Reden vom vorgegebenen Text ab (und bringt damit Dolmetscher in die Bredouille), immer öfter ist er bereit, die Delegation tatsächlich zu führen und staatsmännisch aufzutreten. Das, so erzählen Begleiter der ersten Auslandsreise des OB, war in Eskisehir noch anders.

Die Kritik an der viertägigen Reise, die am Donnerstag endete, wird später einsetzen. Dann nämlich, wenn die Römer-Fraktionen, die nicht selbst Vertreter in Tel Aviv dabei hatten, Feldmann nach konkreten Ergebnissen fragen werden. Die gibt es kaum.

Der trilaterale Jugendaustausch ist zumindest angestoßen worden, die Goethe-Uni hat ihre Kooperation mit der Hochschule in Tel Aviv ein wenig erweitert (wozu sie allerdings Feldmann nicht brauchte). Aber sonst?

Eigener Glaube spielt keine Rolle

Israelische Unternehmen zu Investitionen in Frankfurt zu bewegen, könnte schwierig werden. Bei der Börse in Tel Aviv war von hohen formalen Hürden die Rede und von einer Konkurrenzsituation der Finanzmärkte, da in Frankfurt und Tel Aviv annähernd in der gleichen Zeitzone gehandelt werde. Gespräche mit der Deutsch-Israelischen Handelskammer machten immerhin etwas Hoffnung auf das Engagement von Firmen aus der Finanz-, der IT- und der Biotechnologiebranche. Sofort beschlossen die Frankfurter, baldmöglichst eine eigene Wirtschaftsdelegation nach Tel Aviv zu schicken, um Gespräche zu führen. Eine Delegation beauftragt eine andere Delegation. Wer gehofft hatte, Feldmann (und auch Wirtschaftsdezernent Frank) würden mit einer Liste von israelischen Unternehmen zurückkommen, die allesamt Grundstücke in Frankfurt suchen, wurde enttäuscht. Feldmann selbst allerdings hatte diese Hoffnung nie, sprach stets vorsichtig von „ersten Annäherungen“.

Manche Themen vermied Feldmann so gut es ging. Dass er selbst jüdischen Glaubens ist, spiele auf dieser Reise keine, aber auch gar keine Rolle, stellte er auf Nachfragen klar. Tat es dann auch nicht, sogar beim Ausflug nach Jerusalem nicht. Dort machte Feldmann kurzerhand sein eigenes Programm, jenseits der Delegation. Bilder von ihm an der Klagemauer, die es garantiert zumindest in die Boulevardmedien geschafft hätten, konnten so gar nicht entstehen.

An jenem Abend in Jerusalem war Peter Feldmann kurzzeitig nicht aufzufinden. Um ihn zum Bus zu lotsen, rief ihn ein freundlicher Mann auf dem Handy an und erklärte ihm genau den Weg zum Parkplatz. Der Mann hieß Uwe Becker.

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