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Peter Feldmann, OB Frankfurt
Frankfurt unter Peter Feldmann - ein Oberbürgermeister sucht seinen eigenen Stil.

05. Januar 2013

Neujahrsempfang der Stadt: Kein Prominenter am Rednerpult

 Von 
Weltfußballer Franz Beckenbauer war 2005 zu Gast. Foto: FRFOTO

Große Namen einladen und so die Stadt Frankfurt über den Glamour-Faktor ins Gespräch bringen: Das war jahrzehntelang das Konzept für die Neujahrsempfänge. Mit ihm bricht Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) jetzt komplett.

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Die Ehrengäste machten oft bundesweit Furore. Am Tag nach den Neujahrsempfängen der Stadt Frankfurt setzte es Schlagzeilen. „Ein negativer Höhepunkt war für mich der Auftritt von Marcel Reich-Ranicki“, erinnert sich Hilmar Hoffmann, der frühere Präsident des Goethe-Institutes. Reich-Ranicki, der Doyen der deutschen Literaturkritik, begann 1997 seine Rede im Kaisersaal des Römers mit den Worten: „Ich liebe Frankfurt – nicht!“

Schon da ging ein Raunen durchs mehr als tausendköpfige Publikum. In der Folge wetterte der Kritiker gegen den „Zusammenbruch“, den „Ruin“ der Frankfurter Oper, die in modernen Inszenierungen sogar „urinierende Nonnen“ auf die Bühne gebracht habe. Im Auditorium war jetzt kein Halten mehr. Hilmar Hoffmann schmetterte dem damals 76-jährigen Reich-Ranicki laut die Worte „reaktionärer und flegelhafter Hofnarr!“ entgegen. Tumulte im Angesicht der ehrwürdigen Kaiser an den Wänden …

Hinterher bebten die Feuilletons, und Reich-Ranicki forderte in einem Brief an seinen Duzfreund Hilmar die Rücknahme der Beschimpfung.

        

Ministerpräsident Koch sorgte 2008 für Aufregung.
Ministerpräsident Koch sorgte 2008 für Aufregung.
Foto: M. Müller

Unvergessen auch der Auftritt von Star-Fußballer Franz Beckenbauer, der 2005 mit den Worten ans Rednerpult trat: „Ja mei, was soll ich Ihnen erzählen“. Gelächter, Beifall. Das war bereits ein intellektuelles Highlight.

2008 gab es großen Zoff. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hatte doch ausgerechnet ihren Parteifreund, den umstrittenen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, als Stargast geladen. Während die Grünen empört den Empfang boykottierten, zog sich Koch achtbar und ohne Ausfälle aus der Affäre.

Erst 2012 sorgte der weltberühmte Hirnforscher Wolf Singer für Aufsehen, als er in seiner Gastrede zu dem Urteil kam, die neue Landebahn des Rhein-Main-Flughafens „vergewaltigt Sachsenhausen“.

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Große Namen einladen und so die Stadt Frankfurt über den Glamour-Faktor ins Gespräch bringen: Das war jahrzehntelang das Konzept für die Neujahrsempfänge. Mit ihm bricht Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) jetzt komplett. Er bat Frank Junker, den Geschäftsführer der städtischen Wohnungs-Holding, die Hauptrede beim Neujahrsempfang am 14. Januar zu halten. Feldmann will damit zum wiederholten Male demonstrieren, wie wichtig ihm die Wohnungspolitik ist. Noch in der Sitzung des Stadtparlaments im Dezember 2012 war ein erbitterter Streit zwischen dem OB, Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und Kämmerer Uwe Becker (CDU) um die Frage ausgebrochen, wer nun die höheren Investitionen der Holding in den Wohnungsbau ausgelöst habe.

Hirnforscher Wolf Singer 2012 am Rednerpult.
Hirnforscher Wolf Singer 2012 am Rednerpult.
Foto: boeckheler

Doch diesmal lobt der CDU-Politiker Becker das Stadtoberhaupt demonstrativ für seine Auswahl des Gastredners. „Es ist ein Signal, wie wichtig das Thema Wohnen ist“, urteilt Becker und fügt gleich hinzu: „In dieser Frage passt kein Blatt zwischen den CDU-Kreisvorsitzenden und den Oberbürgermeister!“ Auch die FDP-Fraktionsvorsitzende Annette Rinn pflichtet bei: „Es ist Feldmanns Recht, mit Traditionen zu brechen.“ Das Thema Wohnen sei wichtig, und Frank Junker werde „sicher eine interessante Rede halten“.

Für Lothar Reininger von den Linken ist die Wahl Junkers dagegen „affig“. Natürlich sei das Thema Wohnen ganz zentral für Frankfurt und an der Qualifikation Junkers zweifle niemand. Der Oberbürgermeister aber wolle einfach nur den Streit vom Dezember um die Frage fortsetzen, „wer für die Wohnungspolitik zuständig ist“. Reininger: „Es fängt an, albern zu werden.“ Frank Junker arbeitet indes an seiner Rede.

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