Jean-Jules Tatchouop steht auf der Liste für die Wahl zum Oberbürgermeister. Im FR-Interview spricht er über spiritu-materielle Aufklärung und Hartz IV.
Herr Tatchouop, Sie ernähren sich seit Jahren nur von heißem Wasser mit Honig, Zitronen, Apfelessig und Mandeln. Müssen sich die Frankfurter auch diesem Lichtnahrungsprozess unterwerfen, wenn Sie OB werden?
Für mich ist das mentales Training, eine persönliche Angelegenheit. Der eine oder andere könnte sich wohler fühlen, es gibt Kraft und Energie, es macht fit. Es tut mir leid, ich muss das aus Erfahrung sagen. Vorschreiben werde ich es aber niemandem.
Sie werben mit spiritueller Aufklärung. Wollen Sie eine andere Lebensweise predigen?
Ich bin kein Prediger in dem Sinne, dass man sagt, der Jean-Jules repräsentiert eine religiöse Institution oder politische Partei. Spiritualität ist eine Tatsache, jeder Mensch ist spirituell. Die Frage ist nur, ob wir uns dessen bewusst sind. Nur ein Beispiel: Ich gehe in jede Plenarsitzung im Stadtparlament. Aber dort geht es nur darum, dass die Parteien sich gegenseitig beschuldigen, was sie alles falsch gemacht haben. Die Dinge werden nicht diskutiert.
Es geht also eigentlich um bewusstere Entscheidungen?
Genau. Es wird nie eine Tatsache diskutiert. Es geht immer nur um den Konflikt zwischen Machthabern und Lobbyisten. Dazwischen gibt es nichts. Wir sind alle nackt auf die Erde gekommen und werden nackt wieder gehen. Und was machen wir dazwischen? Wir gehen in Parteien und streiten. Man braucht keine Parteien, ich habe da bereits Ideen entwickelt, damit wir aufhören, uns immer zu streiten, anstatt zu teilen.
Da sind wir beim Thema: Sie fordern unter anderem, den Beamten fünf Prozent vom Lohn abzuziehen, um den Hartz-IV-Empfängern mehr zu geben.
Dazu stehe ich. Wenn das stattfindet, was ich durchgerechnet habe, dann brauchen wir kein Hartz IV. Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wir brauchen ein anderes System, ohne Parteien, ohne Egozentrik. Ich nenne es das spiritu-materielle System. Wir sind doch hier nur zum Spazieren! Wir dürfen die Dinge berühren, aber sobald wir sie festhalten, gehen sie kaputt.
Foto-Test: Wer erkennt die OB-Kandidaten?
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Foto-Test: Wer erkennt die OB-Kandidaten?
Bild 2:
Für manche ist das Herr Rhein. Stimmt aber nicht. Doch zugegebenermaßen: Die Brillen ähneln sich.
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Bild 4:
Er kommt gut an beim Volk, erzielt mit Abstand die höchsten Bekanntheits- und Sympathiewerte. Aber ist er auch OB-Kandidat?
"Ich kenne mich nicht aus, ich komme einfach nicht zum Fernsehen - zu viele Kinder!", sagt eine Passantin.
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Bild 3:
"Den kenne ich vom Plakat."
Und von einem frisch Zugezogenen kommt das niederschmetternde Urteil: "Da ist keiner dabei, von dem ich sagen würde, der wirkt auf mich zugleich sympathisch und kompetent."
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Bild 5:
Er ist den Frankfurtern auf der Straße so gut wie gar nicht bekannt.
Foto: Andreas Arnold
Bild 6:
"Gehört zu den Linken."
Und: "Das ist die Kugelstoßerin? Die Speerwerferin?"
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Bild 7:
"Der sieht sympathisch aus, der könnte das Amt erfüllen."
Und: "Der sieht nach Erfahrung aus und hat nicht so ein aufgesetztes Lächeln. Andere sehen aus, als würden sie für die Zahnpasta-Werbung kandidieren."
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Bild 8:
"Diesen freundlichen dunklen Herren kenne ich nicht."
Und: "Er gehört zur SPD Gallus - wegen Kamerun".
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Bild 9:
"Wer war diese Frau jetzt gleich?"
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Bild 10:
"Von den Tagesthemen?"
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Bild 11:
"Wer ist denn dieser junge Herr?"
Und: "Das ist auch irgendjemand."
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Bild 12:
"Die kenne ich vom Plakat."
Und: "Das ist Jutta Ebeling."
Foto: Michael Schick
Bild 13:
"Ist das der Wallmann?"
Und: "Der sollte sich den Pickel wegmachen lassen."
Und: "Das ist der Dingsbums."
Foto: Rolf Oeser
Bild 14:
"Noch ein Sportler?"
Und: "Das ist Superman."
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Bild 15:
Einige erkennen allein ihn auf den Fotos.
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Bild 16:
"Kenn ich net. Ferdisch."
Hier kommt die Auflösung:
Rosemarie Heilig, Grünen-Kandidatin.
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Oliver Maria Schmitt, Partei-Kandidat.
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Heinz Schenk, Blauer-Bock-Wirt a.D.
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Boris Rhein, CDU-Kandidat.
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Carl Maria Schulte, unabhängiger Kandidat.
Foto: Andreas Arnold
Betty Heidler, Hammerwurf-Star.
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Peter Feldmann, SPD-Kandidat.
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Jean Jules Tatchouop, unabhängiger Kandidat.
Foto: Michael Schick
Janine Wissler, Linke-Kandidatin.
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Franziska Reichenbacher, Lottofee.
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Jan-Aage Fjörtoft, Fußball-Legende.
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Ursula Fechter, FAG-Kandidatin.
Foto: Michael Schick
Andreas von Schoeler, Alt-OB.
Foto: Rolf Oeser
Herbert Förster, Piraten-Kandidat.
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Dieter Bohlen, Superstar-Sammler.
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Harald Frenzel, unabhängiger Kandidat.
16 Bilder aber nur zehn OB-Kandidaten: Die FR fragte Bürger auf der Straße, wer von diesen Leuten zur OB-Wahl antritt. Die FR traf bei ihrer Umfrage manchen Kenner, Unentschlossene und viel Lachkompetenz. Lesen Sie, was die Menschen im FR-Test unter anderem zu den Fotos sagten. Und: Wie gut kennen Sie sich aus?
Bild 1:
Die Dame auf diesem Bild ordnen viele Passanten den Grünen zu. Ob's stimmt?
Foto:
dpa
Fotostrecken Frankfurt
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All das sind grundsätzliche Fragen, die eher nicht zum Geschäftsbereich eines Oberbürgermeisters gehören. Was wollen Sie konkret in der Stadt ändern?
Nichts und alles. Ich möchte das Volk nicht betrügen. Anders als die anderen Kandidaten verspreche ich nichts. Es soll ein Volkstreffen stattfinden, egal für welche Entscheidung. Ob jetzt eine Brücke gebaut wird oder eine Altstadt. Das Volk hat das Wort.
Und wenn das Volk Ihre Kürzung bei den Beamten ablehnt?
Dann ist das so. Wenn die sagen, dass sie Hartz IV behalten wollen, dann sollen sie.
Der Haushalt ist eine komplizierte Angelegenheit, darüber sollen auch die Bürger entscheiden?
Schönen Dank, schönen Dank, dass Sie das fragen. Als Kind habe ich von meinem Vater gelernt, dass ich mit den fünf Fingern, die ich habe, alles machen kann. Ich bin sicher, dass wir das alle können. Es ist alles Einstellungssache.
Das Interview führte Felix Helbig
Wahlplakate der OB-Bewerber im FR-Check
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Wahlplakate der OB-Bewerber im FR-Check
Der Weiche:
So viel Weichzeichner war nicht mehr, seit David Hamilton 1980 „Zärtliche Cousinen“ verfilmte. Leider macht es die Wischiwaschi-Optik unmöglich, den Titel des Buches, aus dem Vater Rhein vorliest, zu entziffern. Vielleicht „Hell’s Angels“ von Hunter S. Thompson? Gutes Buch, aber für Kinder ungeeignet. Und für Boris Rhein auch. Dann vielleicht doch eher eine Druckfahne von „Petra Roth – Die Biografie“. Aber warum ist der Bub’ dabei weggeratzt?
Foto: Alex Kraus
Der Hohe:
Hinter Peter Feldmann, dem Bewerber mit der SPD im Rücken, verblasst die Stadt, deren höchste Häuser er mühelos überragt. Der legere Auftritt im Anzug korrespondiert mit dem Verzicht auf einen Langbinder – auffällig, dass nur zwei der Männer auf dieser Seite eine Krawatte tragen, und der eine will nicht mal OB werden. Feldmann hingegen, das drückt seine Haltung aus, will. Wenn die Wähler ihn lassen, nimmt er auch die Hände aus den Taschen.
Foto: Alex Kraus
Direkt Flug:
Ursula Fechter lässt sich nicht auf ein Thema reduzieren, das drückt ihre Haltung, ihr Gesichtsausdruck, ihre Frisur – alles drückt das aus. Die Kandidatin aus den Reihen der Flughafenausbaugegner sagt es uns freundlich, aber auch bestimmt: dass unsere Gesundheit vorgeht (was der Herr Schmitt zu ihrer Rechten sicher auch so sieht) und dass es zu laut ist in unserem hübschen Metropölchen (ähnlich wie Frau Wissler, links, von der Linken). Irgendwas in ihrer Erscheinung lässt uns trotzdem dauernd an den Flughafen denken.
Der Schrei:
Wir sehen im Zentrum des Werkes eine Person mit weit geöffnetem Mund, an den Kopf gelegten Armen und leeren Augen. Eine Szene, grotesk verzeichnet, in Farben wiedergegeben, die nicht der äußeren Wirklichkeit entsprechen. Von der eigenen inneren Hölle ausgehend, visualisiert Edvard Munch eine desperate Seite des Fin de siècle: Angst und Apokalypse. Oder anders: Wer schreit, ist gegen Lärm. Das Motiv hat nichts von seiner Überzeugungskraft eingebüßt.
Keine Panik:
Der etwas verwirrt, aber friedlich dreinblickende Senior, der liebevoll hinter Rosemarie Heilig ins Bild retuschiert worden ist, weiß, dass mit einer OB Heilig sein mittwöchlicher Bingo-Abend auch in Zukunft gesichert ist. Allen wohl und niemand weh, so ist es seit Jahren Tradition bei den Frankfurter Grünen, und auch dieses Wahlplakat kommt mit der Verve einer Waschmittelwerbung einher. Einst Zeit waren die Grünen für originelle Plakate bekannt. Aber da trug der Senior im Hintergrund auch noch keine Krawatte.
Aller Held:
Ein Mann fliegt seinen Weg, die Sonne im Gesicht, Zuversicht im Blick – dabei will Herbert Förster von der Piratenpartei gar nicht alleiniger Superherbert sein. „Mit Herbert als Oberbürgermeister sind wir alle ein Stückchen Superheld“, verspricht er auf seiner Website wir-sind-herbert.de. Während der Slogan inhaltlich überzeugt, wirkt das Gesamtwerk überfrachtet: Viel zu lesen, wird manch potenzieller Wähler womöglich sagen. Und die Welt im Hintergrund? Kühlblau, ein Vorgriff auf die kalten Tage, die nun folgen?
Racker Rauchzart:
Als die FDP noch eine anständige Partei war, wollte sie einst das Rauchen wieder erlauben. Da hat zwar nicht geklappt, doch dafür ist heute Jörg-Uwe Hahn, „Mensch und Macher“, stellvertretender Ministerpräsident. Das hat vorher keiner geglaubt. Selbst Oliver Maria Schmitt nicht, und der glaubt viel, wenn der Tag lang ist. Jetzt glaubt Schmitt, Oberbürgermeister zu werden. Das Wahlplakat wirkt hochprofessionell. Ist es auch: mit sowas hat die „Titanic“-Redaktion ja Erfahrung.
Im Jahr 2001 gewann Petra Roth die Oberbürgermeister-Wahl mit diesem Plakat. Nun sind andere dran: Seit dem Wochenende dürfen Bewerberinnen und Bewerber ums Oberbürgermeisteramt an die Wand kleben, was das Zeug hält. Hier kommen die Plakate im FR-Check.
Foto:
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Fotostrecken Frankfurt
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