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Frankfurter OB-Wahlkampf im Internet: Boris Rhein in der Facebook-Falle

Freunde in Zeiten des Wahlkampfs finden die OB-Kandidaten nicht nur auf der Straße, sondern auch bei Facebook. Manchmal sind es eben die falschen: Boris Rhein (CDU) ist für kurze Zeit im sozialen Netzwerk mit einem Rechtsextremen befreundet gewesen.

Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Foto: dpa
Frankfurt –  

Boris Rhein hat gleich einmal einen falschen Freund abbekommen, das kann vorkommen bei Facebook. Man steht sich da ja nicht gegenüber, redet ein bisschen, trifft sich irgendwann wieder, mag einander und beschließt feierlich, von nun an Freunde zu sein. Im sozialen Netzwerk bekommt man Tony Fiedler vorgeschlagen, klickt kurz hier und kurz da und schon ist man mit einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal befreundet.

Nun betreibt Boris Rhein natürlich gar nicht die Facebook-Seite von Boris Rhein, es gibt dafür ein eigenes Facebook-Team in der Wahlkampftruppe des Christdemokraten. Das hatte Fiedler aus Versehen um Freundschaft gebeten, teilte am Montag aber mit, man habe das „zeitnah entdeckt“ und „umgehend gelöscht“. Nach der „obligatorischen eingehenden Überprüfung des Profils“ sei keinerlei politische Gesinnung ersichtlich gewesen, ganz im Gegenteil: Der Kontakt sei Student an der Universität Frankfurt und auch mit weiteren bekannten Persönlichkeiten wie Julia Klöckner, Hans Olaf Henkel, Frank Schäffler und Oswald Metzger über das soziale Netzwerk „befreundet“. Die sind alle dem bürgerlichen Lager zuzurechnen.

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Freunde in Zeiten des Wahlkampfs finden die Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl im März nicht nur auf der Straße, sondern auch bei Facebook, manchmal sind es dann eben die falschen. Die Politiker tummeln sich dort trotzdem intensiver denn je.

Rhein, noch amtierender hessischer Innenminister, ist erst am 14. Dezember dem Sozialnetzwerk beigetreten, vielmehr beigetreten worden. Seine Helfer verkünden auf der sehr professionell und nach aktuellem Facebook-Trend mit einer Chronik gegliederten Seite, wann der Kandidat wo auftritt, sie teilen Links zu anderen Internetseiten mit Nutzern und verkünden etwa am 16. Januar: „Endlich sind auch politische Inhalte auf der Homepage: www.borisrhein.de unter ,Frankfurt verpflichtet‘.“ Am Samstag schreiben sie unter Bilder von Boris Rhein beim Plakatekleben: „Wahlkampf geht los!“ Und unter den 29 Kommentaren dazu findet sich auch jener von Erika Steinbach, die bekundet, „sehr gerne beim Start dabeigewesen“ zu sein, „aber mein Mann musste als Notfall in die Klinik. Alles Gute Boris Rhein und toi, toi, toi.“

Alle paar Stunden Vorschläge fürs Faschingskostüm

Es geht bei Facebook also wenig um Inhalte, eher um ein Begleitrauschen im allgemeinen Wahlkampfgetöse. Und natürlich darum, den Piraten nicht das Feld zu überlassen im Internet.

Auf der Seite von Janine Wissler diskutieren die Kommentatoren dann auch mal, als was die Linken-Kandidatin, der als erklärtem „Fasnachtsmuffel“ ein Wahlkampf in der Fastnachtszeit wenig entgegenkommt, sich verkleiden soll. Von der „Loreley, die über dem Rhein steht“, bis zur „Verfassungsschützerin“ ist alles dabei, auch: „Piratin“.

Ein wenig ernsthafter geht es bei Peter Feldmann (SPD) zu und bei der Grünen Rosemarie Heilig, neben Wissler anscheinend die Einzige, die Beiträge selbst verfasst. Während Feldmann alle paar Stunden auf neuen Fotos zu bewundern ist, wie er mit Kindern gegen Fluglärm demonstriert, den Neujahrsempfang des FSV Frankfurt besucht oder auf einem Hochhausdach stehend in die Ferne deutet, stellt Rosemarie Heilig vor allem sich selbst und ihre politischen Ziele vor. Ihre Kampagnen-Seite lief bei Facebook schon, da hatte Heilig noch nicht einmal eine Internetseite.

Nach der Anzahl der Freunde müsste übrigens Janine Wissler neue Oberbürgermeisterin werden, mit 3838 hat sie mehr als Rhein und Feldmann zusammen. Eher sporadisch vertreten ist dagegen ausgerechnet Herbert Förster, der Kandidat der netzaffinen Piraten. Man wolle im Wahlkampf stark „auf die Gass’“ setzen, hatte Förster zum Auftakt betont. Das Internet habe für lokale Ereignisse eine zu große Streuung.

Autor:  Felix Helbig
Datum:  30 | 1 | 2012
Kommentare:  9
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